Ein großer Wehmutstropfen ist sicherlich dabei, wenn ich nun meinen endgültig letzten Blogeintrag schreibe. Denn es ist auch für mich ein persönlicher Abschluss mit meinen Erlebnissen, die direkt mit meinem Austauschjahr im Reich der Mitte verbunden sind. Doch zurück bleiben Erinnerungen, die mich mein ganzes Leben begleiten werden.
Es ist Anfang November. Meine Abreise im September 2008 liegt bereits mehr als ein Jahr zurück und seit vier Monaten lebe ich nun wieder in Deutschland.
Neue Alltagsplanung
Leben in Deutschland-das ist eigentlich genau das richtige Stichwort. Wiedereinleben braucht Zeit. Das habe ich gemerkt. Es ist fast so, als ob ich mich wieder völlig neu orientieren muss in der deutschen Kultur. Mit dem Schulanfang nach den Sommerferien wurde mir allerdings auch das Eingewöhnen erleichtert. Ich hatte wieder eine feste Struktur in meine Alltag, ich sehe meine Freunde täglich und habe wieder ein Ziel vor Augen-mein Abitur. Langsam wird es nämlich ernst. In nicht einmal mehr zwei Jahren steht der große Tag vor der Tür und die Schule entlässt uns endgültig in die große weite Welt, in die ich bereits einmal hinein schnuppern durfte während meines Austauschjahres. Doch zunächst musste ich mich auch wieder einfinden in meinen „alten“ Schulalltag. Viel wichtiger als die Aufarbeitung mit dem Schulstoff des 11. Schuljahres, den ich verpasst hatte, war es mich in die Veränderungen in meinem Umfeld vor allem in Freundschaften und neuen organisatorischen Strukturen einzufinden. Plötzlich sah man Leute zusammen etwas unternehmen, die früher nicht mehr als zwei Sätze gewechselt hatten und wiederum andere ehemals beste Freunde gehen nun getrennte Wege. Den schulischen Anschluss habe ich eigentlich bis jetzt ganz gut wiedergefunden und warte nun die Ergebnisse der ersten Klausuren des neuen Schuljahres abzuwarten. Der einzige große Knackpunkt bleibt wahrscheinlich die Mathematik.
Erfahrungsaustausch und Weitergabe
Auch der AFS nimmt einen großen Teil meiner neuen Freizeitgestaltung ein. Gemeinsam mit vielen anderen ehemaligen Austauschschülern veranstalten wir Infoabende, Auswahlen und Vorbereitungen für die nächste Austauschschülergeneration. Dies ist eine sehr gute Möglichkeit meine Erfahrungen mit anderen auszutauschen und weiterzugeben. Besonders viel Spaß macht mir die Betreuung einer chinesischen Austauschschülerin aus Shanghai, die zurzeit ihr AFS Austauschjahr an meiner deutschen Schule, dem Werkgymnasium Heidenheim, verbringt. Gemeinsam mit ihr kann ich mich auf Chinesisch unterhalten und ihr bei Problemen mit ihrer Gastfamilie oder den kulturellen Unterschieden Deutschland-China helfen.
Eine andere Möglichkeit meine Chinesischkenntnisse weiterhin zu vertiefen habe ich leider aus Mangel an geeigneten Angeboten in der Region noch nicht gefunden.
Wiedersehen im Dänischen Nirgendwo
Eine einmalige Gelegenheit mich wieder einmal eine ganze Woche in der Sprache meines Gastlandes zu unterhalten bot sich in den Herbstferien. Ich trat eine Reise an, mit deren Planung ich bereits in den Sommerferien begonnen hatte und auf die ich mich riesig freute. Ziel war der, von meinem Wohnort aus gesehen, hohe Norden Europas. Mit dem Zug quer durch Deutschland, in Flensburg über die Dänische Grenze und nach weiteren 200km durch unser skandinavisches Nachbarland konnte ich meine chinesische Gastschwester Xiaoyu in die Arme schließen. Mein Koffer landete erst einmal einsam auf dem Bahnsteig, während ich mich durch die anderen aussteigenden Fahrgäste zwängte um zu der Stelle zu kommen, an der ich meine Gastschwester erblickte. Wir umarmten uns minutenlang und strahlten den ganzen Abend beide wie zwei Christbäume, wie sie Xiaoyu’s Dänischer Gastvater jedes Jahr zu tausenden verkauft. Meine chinesische Gastschwester verbringt im Moment ein Austauschjahr, ebenfalls mit AFS, in Dänemark, wohnt bei einer dänischen Familie und geht auf eine dänische Schule. Da uns seit ihrer Ankunft in Dänemark im August 2009 „nur“ noch läppische 980km voneinander trennten nahm ich diese einmalige Chance war und besuchte sie eine Woche in Dänemark. Ihre Gastfamilie nahm mich sehr herzlich auf und verschaffte mir einen schönen Einblick in die dänische Kultur und das neue Leben auf dem Land meiner Gastschwester. Es war eine unvergessliche Woche, in der wir zwei so einige Dänen zum Staunen brachten. Auf den Punkt gebracht hat es wohl ein Däne, den wir auf einer Radtour durch die dänischen Felder nach dem Weg fragten: „Was machen eine dänische sprechende Chinesin und eine chinesisch sprechende Deutsche mitten im Dänischen Niemandsland?“, brachte er nur erstaunt hervor als wir in einem Mix aus dänisch, deutsch, chinesisch und englisch auf ihn einredeten.
Selbstverständlich gehörte auch ein chinesischer Abend zu meinem dänischen Erlebnisprogramm. Meine Schwester zauberte mit meiner mehr oder weniger konstruktiven Hilfe unsere gemeinsamen chinesischen Lieblingsessen und ihre Gastfamilie war restlos begeistert von diesem einmaligen Geschmackserlebnis.
Die gemeinsame Woche verging viel zu schnell und mit vielen neuen neuen Eindrücken von den unglaublich netten und humorvollen Dänen, die wir getroffen hatten, sowie neu aufgelebten Erinnerungen an mein eigenes Austauschjahr und meine chinesische Gastfamilie im Gepäck, trat ich die 13-stündige Rückreise nach Deutschland an.
In beiden Ländern zuhause
Vielen Menschen, den ich von meinem China-Abendteuer erzähle fragen mich, was ich denn nun mit meinen Kenntnissen über die chinesische Kultur und Sprache anfangen möchte und ob ich wieder in das Reich der Mitte zurückkehren möchte. Wobei ich mir 100% sicher bin, ist die Tatsache, dass ich einen Teil meines angestrebten Studiums in China absolvieren möchte und danach sicherlich immer zwischen meinen beiden Heimatländern Deutschland und China pendeln werde. Ob ich mich je fest entscheiden werde für immer nach China zu ziehen, das bezweifle ich, denn es verbindet mich doch auch sehr viel mit der deutschen Kultur und beide Länder sind mir gleichermaßen wichtig.
Angeregt durch unseren Oberstufenberater an meiner Schule beschäftigt sich meine gesamte Jahrgangsstufe zurzeit intensiv mit dem Thema “ Abitur in der Tasche - und danach?“. Bei mir wird der Weg sicher an eine Universität führen. Ich schwanke im Moment noch etwas zwischen einem Studium der Politikwissenschaft und der Wirtschaftswissenschaften, wobei die Tendenz eher Richtung Wirtschaft geht, da ich festgestellt habe, dass es in diesem Bereich viel mehr internationale Studienangebote, besonders auch im Bezug auf China gibt.
Das war er also, mein letzter Blogeintrag. Es hat mir sehr Spaß gemacht diesen Blog zu schreiben und ich bedanke mich bei allen, die sich für meine Erzählungen interessiert haben und diesen Blog aufmerksam verfolgt haben. Auch für mich persönlich ist dieser Blog ein ganz wichtiger Erinnerungsspeicher, auf den ich immer wieder gerne zurückgreife. Ebenso möchte ich dem deutsch-chinesischen Kulturnetz herzlich danken für diese wunderbare Möglichkeit auf ihrer Webseite von meinen Erlebnissen zu berichten und für ihren Einsatz für den deutsch-chinesischen Kulturaustausch und die Vermittlung zwischen den beiden doch sehr verschiedenen Kulturen.
Sonntag, 13. September 2009
Kulturschock rückwärts
Landeanflug
Als unsere Boeing 747 endlich in Deutschland landete atmeten 24 deutsche Austauschschüler erleichtert durch. Wir waren alle ziemlich fertig mit den Nerven und wünschten uns, schnell zu unseren Familien zu kommen, um dann nur noch in ein gemütliches Bett zu fallen. Dieser Flug gehört sicher zu den längsten 11 Stunden, die ich je erlebt habe. Die Luft im Flugzeug war furchtbar trocken und spätestens in den letzten drei Stunden ab Moskau verging die Zeit überhaupt nicht mehr. Nachdem wir die ersten Stunden mit heftigen Turbulenzen heil überstanden hatten und uns endlich abschnallen durften, versuchten wir mit schlafen, Film schauen und reden die Zeit totzuschlagen. Aber irgendwann ging nichts mehr!
Wiedersehen
Doch dann war es endlich geschafft. Wir kamen alle schnell und problemlos in Frankfurt durch die Passkontrolle und mussten auch nicht lange auf unser Gepäck warten. Natürlich waren wir alle super aufgeregt, unsere Eltern und Freunde wiederzusehen. Deswegen trauten wir uns nicht in die Empfangshalle. Schließlich wagte aber irgend jemand den ersten Schritt und bald waren nur noch freudige Wiedersehensrufe in der ganzen Halle zu hören. Ich hatte meine Mutter ja bereits in China wiedergesehen, deshalb war bei mir die Spannung nicht mehr so groß und ich war nur halb so nervös wie damals, als ich sie in Shanghai am Flughafen abgeholt hatte. Meine Großtante Elfriede und meine Freundin Kathrin waren auch mitgekommen. Der Abschied von den anderen deutschen Austauschschülern war wehmütig, aber es gab keine Tränen. Wir umarmten uns alle kräftig und viele Eltern knipsten Bilder. Wir werden uns alle bestimmt wiedersehen denn innerhalb Deutschlands ist es ja leicht, Kontakt zu halten. Außerdem ist es schön, in Deutschland immer Anlaufstellen zu haben und zu wissen es leben Freunde in der Nähe, die das Gleiche erlebt haben wie man selbst. Während unseres Jahres im Reich der Mitte und fern ab der Heimat sind wir zu einer bunten Großfamilie zusammengewachsen.
Ein Garten voller Luftballons
Auch Emres Eltern, seine Schwester und eine gemeinsame Klassenkameradin von Emre und mir waren mitgekommen. Alle zusammen sind wir nach unserer Rückkehr aus Frankfurt in Heidenheim in ein türkisches Restaurant gegangen und haben den Abend mit einem guten Essen beendet. Um 1 Uhr nachts waren wir endlich zu Hause. Obwohl es schon dunkel war, konnte ich noch erkennen, dass unser ganzer Garten mit Luftballons geschmückt war. An unserer Haustür hingen mehrere Willkommensschilder von Nachbarn, Freunden und Verwandten und die Schwester meines Opas hatte mir einen riesigen Strauß Rosen vor die Tür gestellt. Auf dem Anrufbeantworter befand sich ein wunderschönes Willkommensgedicht von zwei sehr guten Freundinnen, Zwillingen mit denen ich seit der Grundschule befreundet bin. Glücklich, verwirrt und todmüde fiel ich schließlich in mein deutsches Bett. Am nächsten Morgen fiel mir dann auf, dass meine Mama in meinem Zimmer viele Bilder aus China aufgehängt hatte. Ich freute mich riesig auf ein deutsches Frühstück mit Nutella, Brezeln und gutem Kaffee. Den ganzen Tag über kamen Nachbarn und Freunde um mir Hallo zu sagen. Ich war total überrascht, dass so viele Leute gekommen waren. Allerdings war ich noch etwas durch den Wind, hatte große Probleme mit der Zeitumstellung, ließ Dinge fallen und es kam mir vor, als ob ich nun einen Kulturschock mit Salto rückwärts erlebte. In den ersten Tagen hatte ich dann auch nicht sehr viel Lust auf große Unternehmungen. Emre schleppte mich allerdings gleich am zweiten Tag in die Schule, um allen hallo zu sagen. Als wir durchs Einkaufszentrum liefen, um uns grüne Haarfarbe zu kaufen, fiel uns auf wie wenige Menschen es in Deutschland gibt und wie leer und klein unsere deutsche Einkaufsstraßen sind. Als kleiner Gag gingen wir dann mit grünen Haaren in die Schule. Dort wurden wir schon aufgeregt erwartet. Es war sehr angenehm, nicht mehr von allen angestarrt zu werden, denn hier ist es für alle selbstverständlich, dass ich von Natur aus lockige Haare und blaue Augen habe. Dafür glaubt uns hier in Deutschland kaum jemand, dass wir wirklich Chinesisch können. Für viele ist das einfach unvorstellbar. Am Anfang war noch eine chinesische AFS Austauschschülerin an meiner Schule, mit der ich mich ein paar Mal getroffen habe. Es war sehr schön, dass ich gleich wieder die Gelegenheit hatte, Chinesisch zu reden und mit ihr ein bisschen über meine zweite Heimat Shanghai und das Leben dort plaudern konnte. Doch leider musste sie kurz nach unserem Kennenlernen wieder nach China zurück.
Das Leben geht weiter
Nachdem ich in der ersten Woche völlig am Boden war, China total vermisste, Heimweh nach meiner chinesischen Familie hatte und das deutsche Essen, das ich in China so vermisst hatte, doch nicht so gut wie erhofft schmeckte, geht es nun langsam aufwärts. In den ersten Tagen saß ich ständig vor dem PC und chattete mit chinesischen und ausländischen Freunden, die ich alle während des Jahres kennengelernt hatte. Auf einmal kam mir Deutschland furchtbar langweilig vor - keine Hochhäuser, die Nachtszene nicht halb so spannend wie in Shanghai, keine chinesische Nudelsuppe und keine bunten Menschenmassen. Doch irgendwann spürte ich, dass es so nicht weitergehen konnte! Mein Jahr in China war definitiv eine wunderschöne und unvergessliche Zeit, aber man kann nicht nur von Erinnerungen leben. So fing ich wieder an, Sport zu machen, traf mich regelmäßig mit Freunden, ging zumindest für die Mathestunden in die Schule und begann, meinen Führerschein zu machen. In meinem Bundesland Baden-Württemberg hatten die Sommerferien noch gar nicht angefangen, als ich zurück kam und obwohl ich so gut wie nicht mehr am Unterricht teilnahm machte es Spaß, trotzdem in die Schule zu gehen und einfach mit Freunden und Lehrern zu plaudern. Besonders schön ist es immer, wenn wir zurückgekehrten Austauschschüler (insgesamt sechs in meiner Jahrgangsstufe) beisammensitzen und unsere Auslandserfahrungen austauschen.
Auf einmal schmeckt mir das deutsche Essen auch wieder prima, ganz besonders deutscher Kuchen. Mein schwäbischer Akzent wird von Tag zu Tag besser, mein Schriftdeutsch holpert noch ein bisschen, doch ich bin mir sicher, auch das wird sich mit der Zeit geben. Und ich kann die gute Landluft wieder genießen. Nach dem ersten Galopp mit dem Pferd durch den Wald merkte ich, wie sehr mir das Reiten in China gefehlt hatte. Mit dem Joggen habe ich auch wieder angefangen und meine Freundin und ich haben uns vorgenommen, nächstes Jahr einen 10km Lauf zu machen. Auch das Verhältnis zu meinen Freunden und zur Familie wird von Tag zu Tag wieder intensiver und schöner. Darüber bin ich sehr froh, denn ich hatte mir darüber vor meiner Rückreise oft Gedanken gemacht. Einzig mit der Umstellung von der Großstadt aufs Land hadere ich noch. Ich vermisse Shanghai, meine chinesische Familie und Freunde zwar weiterhin sehr, doch der Alltagsstress hier lenkt ab und ich fange wieder an, mein deutsches Leben zu genießen. Dabei versuche ich so gut es geht, Wertevorstellungen und Gewohnheiten aus beiden Kulturen zu verbinden.
Komischer deutscher Alltag
Manche Kulturunterschiede zwischen Deutschland und China fallen mir erst jetzt auf. Deutsche greifen z.B. lieber zum Telefonhörer als zum Handy und die Zeiten, in denen ich bis zu 50 SMS am Tag geschrieben habe, sind vorbei. In Deutschland ist dies vor allem eine Kostenfrage, in China sind Telefonieren und SMS schreiben spottbillig. Während Deutsche sich auf der Suche nach dem Weg gerne alleine durchschlagen, fragen Chinesen schneller nach oder bitten um Rat. Bei Dienstleistungen wird in China gerne kritisiert, es gibt viel öfter positives oder negatives feedback. Ein Hinweis an die Bedienung, sich mit dem Essen zu beeilen, wirkt in Deutschland unhöflich, in China ist dies jedoch völlig normal! Wenn man nicht einen schlechten Eindruck von der unhöflichen Jugend hinterlassen will, sollte man in Deutschland wieder jeden, der einem beim Spazierengehen mit dem Hund begegnet, freundlich grüßen. Nachts wenn ich nicht schlafen kann, höre ich in Deutschland am Glockenschlag der Kirche wie viel Uhr es ist. Will ich in Heidenhem den Bus nehmen, muss ich auf einen Busfahrplan schauen und kann mich nicht einfach wie in Shanghai an die Bushaltestelle stellen und auf den nächsten Bus warten, der spätestens in fünf Minuten kommt. Hier ist es normal, dass ich mich fast täglich mit Freunden treffe oder wenigstens in die Stadt fahre. Zu Beginn meines Aufenthaltes in China war das anders und ich habe dadurch gelernt, mich an den kleinen Dingen im Alltag zu freuen. So war damals der Tag für mich gerettet, wenn mich jemand in der Schule angesprochen hatte oder auch nur ein, zwei Sätze mit mir gewechselt hatte. Ich freute mich über jeden Sonnenstrahl, über jeden Vogel, den ich hörte (in Shanghai gibt es sehr wenig Vögel und Tiere), über jede SMS, die Abwechslung in meinen anfangs einsamen Schulalltag brachte. Ich freute mich jedes Mal, wenn ich den Pearl Tower sah und jedes Mal, wenn meine Gastmutter Nudelsuppe kochte. In Deutschland freue ich mich nun wieder auf jeden Freitagabend, um mit meinen Freunden weg zugehen, ich freue mich, wenn mein Hund mich begrüßt, wenn ich aufs Pferd steige oder wenn ich eine Nachricht aus meiner zweiten Heimat China erhalte!
Nächste Woche geht die Schule auch in Baden-Württemberg wieder los und einen Blogeintrag über meine Pläne für die nächsten Jahre bin ich euch auch noch schuldig. Er kommt - versprochen!
Als unsere Boeing 747 endlich in Deutschland landete atmeten 24 deutsche Austauschschüler erleichtert durch. Wir waren alle ziemlich fertig mit den Nerven und wünschten uns, schnell zu unseren Familien zu kommen, um dann nur noch in ein gemütliches Bett zu fallen. Dieser Flug gehört sicher zu den längsten 11 Stunden, die ich je erlebt habe. Die Luft im Flugzeug war furchtbar trocken und spätestens in den letzten drei Stunden ab Moskau verging die Zeit überhaupt nicht mehr. Nachdem wir die ersten Stunden mit heftigen Turbulenzen heil überstanden hatten und uns endlich abschnallen durften, versuchten wir mit schlafen, Film schauen und reden die Zeit totzuschlagen. Aber irgendwann ging nichts mehr!
Wiedersehen
Doch dann war es endlich geschafft. Wir kamen alle schnell und problemlos in Frankfurt durch die Passkontrolle und mussten auch nicht lange auf unser Gepäck warten. Natürlich waren wir alle super aufgeregt, unsere Eltern und Freunde wiederzusehen. Deswegen trauten wir uns nicht in die Empfangshalle. Schließlich wagte aber irgend jemand den ersten Schritt und bald waren nur noch freudige Wiedersehensrufe in der ganzen Halle zu hören. Ich hatte meine Mutter ja bereits in China wiedergesehen, deshalb war bei mir die Spannung nicht mehr so groß und ich war nur halb so nervös wie damals, als ich sie in Shanghai am Flughafen abgeholt hatte. Meine Großtante Elfriede und meine Freundin Kathrin waren auch mitgekommen. Der Abschied von den anderen deutschen Austauschschülern war wehmütig, aber es gab keine Tränen. Wir umarmten uns alle kräftig und viele Eltern knipsten Bilder. Wir werden uns alle bestimmt wiedersehen denn innerhalb Deutschlands ist es ja leicht, Kontakt zu halten. Außerdem ist es schön, in Deutschland immer Anlaufstellen zu haben und zu wissen es leben Freunde in der Nähe, die das Gleiche erlebt haben wie man selbst. Während unseres Jahres im Reich der Mitte und fern ab der Heimat sind wir zu einer bunten Großfamilie zusammengewachsen.
Ein Garten voller Luftballons
Auch Emres Eltern, seine Schwester und eine gemeinsame Klassenkameradin von Emre und mir waren mitgekommen. Alle zusammen sind wir nach unserer Rückkehr aus Frankfurt in Heidenheim in ein türkisches Restaurant gegangen und haben den Abend mit einem guten Essen beendet. Um 1 Uhr nachts waren wir endlich zu Hause. Obwohl es schon dunkel war, konnte ich noch erkennen, dass unser ganzer Garten mit Luftballons geschmückt war. An unserer Haustür hingen mehrere Willkommensschilder von Nachbarn, Freunden und Verwandten und die Schwester meines Opas hatte mir einen riesigen Strauß Rosen vor die Tür gestellt. Auf dem Anrufbeantworter befand sich ein wunderschönes Willkommensgedicht von zwei sehr guten Freundinnen, Zwillingen mit denen ich seit der Grundschule befreundet bin. Glücklich, verwirrt und todmüde fiel ich schließlich in mein deutsches Bett. Am nächsten Morgen fiel mir dann auf, dass meine Mama in meinem Zimmer viele Bilder aus China aufgehängt hatte. Ich freute mich riesig auf ein deutsches Frühstück mit Nutella, Brezeln und gutem Kaffee. Den ganzen Tag über kamen Nachbarn und Freunde um mir Hallo zu sagen. Ich war total überrascht, dass so viele Leute gekommen waren. Allerdings war ich noch etwas durch den Wind, hatte große Probleme mit der Zeitumstellung, ließ Dinge fallen und es kam mir vor, als ob ich nun einen Kulturschock mit Salto rückwärts erlebte. In den ersten Tagen hatte ich dann auch nicht sehr viel Lust auf große Unternehmungen. Emre schleppte mich allerdings gleich am zweiten Tag in die Schule, um allen hallo zu sagen. Als wir durchs Einkaufszentrum liefen, um uns grüne Haarfarbe zu kaufen, fiel uns auf wie wenige Menschen es in Deutschland gibt und wie leer und klein unsere deutsche Einkaufsstraßen sind. Als kleiner Gag gingen wir dann mit grünen Haaren in die Schule. Dort wurden wir schon aufgeregt erwartet. Es war sehr angenehm, nicht mehr von allen angestarrt zu werden, denn hier ist es für alle selbstverständlich, dass ich von Natur aus lockige Haare und blaue Augen habe. Dafür glaubt uns hier in Deutschland kaum jemand, dass wir wirklich Chinesisch können. Für viele ist das einfach unvorstellbar. Am Anfang war noch eine chinesische AFS Austauschschülerin an meiner Schule, mit der ich mich ein paar Mal getroffen habe. Es war sehr schön, dass ich gleich wieder die Gelegenheit hatte, Chinesisch zu reden und mit ihr ein bisschen über meine zweite Heimat Shanghai und das Leben dort plaudern konnte. Doch leider musste sie kurz nach unserem Kennenlernen wieder nach China zurück.
Das Leben geht weiter
Nachdem ich in der ersten Woche völlig am Boden war, China total vermisste, Heimweh nach meiner chinesischen Familie hatte und das deutsche Essen, das ich in China so vermisst hatte, doch nicht so gut wie erhofft schmeckte, geht es nun langsam aufwärts. In den ersten Tagen saß ich ständig vor dem PC und chattete mit chinesischen und ausländischen Freunden, die ich alle während des Jahres kennengelernt hatte. Auf einmal kam mir Deutschland furchtbar langweilig vor - keine Hochhäuser, die Nachtszene nicht halb so spannend wie in Shanghai, keine chinesische Nudelsuppe und keine bunten Menschenmassen. Doch irgendwann spürte ich, dass es so nicht weitergehen konnte! Mein Jahr in China war definitiv eine wunderschöne und unvergessliche Zeit, aber man kann nicht nur von Erinnerungen leben. So fing ich wieder an, Sport zu machen, traf mich regelmäßig mit Freunden, ging zumindest für die Mathestunden in die Schule und begann, meinen Führerschein zu machen. In meinem Bundesland Baden-Württemberg hatten die Sommerferien noch gar nicht angefangen, als ich zurück kam und obwohl ich so gut wie nicht mehr am Unterricht teilnahm machte es Spaß, trotzdem in die Schule zu gehen und einfach mit Freunden und Lehrern zu plaudern. Besonders schön ist es immer, wenn wir zurückgekehrten Austauschschüler (insgesamt sechs in meiner Jahrgangsstufe) beisammensitzen und unsere Auslandserfahrungen austauschen.
Auf einmal schmeckt mir das deutsche Essen auch wieder prima, ganz besonders deutscher Kuchen. Mein schwäbischer Akzent wird von Tag zu Tag besser, mein Schriftdeutsch holpert noch ein bisschen, doch ich bin mir sicher, auch das wird sich mit der Zeit geben. Und ich kann die gute Landluft wieder genießen. Nach dem ersten Galopp mit dem Pferd durch den Wald merkte ich, wie sehr mir das Reiten in China gefehlt hatte. Mit dem Joggen habe ich auch wieder angefangen und meine Freundin und ich haben uns vorgenommen, nächstes Jahr einen 10km Lauf zu machen. Auch das Verhältnis zu meinen Freunden und zur Familie wird von Tag zu Tag wieder intensiver und schöner. Darüber bin ich sehr froh, denn ich hatte mir darüber vor meiner Rückreise oft Gedanken gemacht. Einzig mit der Umstellung von der Großstadt aufs Land hadere ich noch. Ich vermisse Shanghai, meine chinesische Familie und Freunde zwar weiterhin sehr, doch der Alltagsstress hier lenkt ab und ich fange wieder an, mein deutsches Leben zu genießen. Dabei versuche ich so gut es geht, Wertevorstellungen und Gewohnheiten aus beiden Kulturen zu verbinden.
Komischer deutscher Alltag
Manche Kulturunterschiede zwischen Deutschland und China fallen mir erst jetzt auf. Deutsche greifen z.B. lieber zum Telefonhörer als zum Handy und die Zeiten, in denen ich bis zu 50 SMS am Tag geschrieben habe, sind vorbei. In Deutschland ist dies vor allem eine Kostenfrage, in China sind Telefonieren und SMS schreiben spottbillig. Während Deutsche sich auf der Suche nach dem Weg gerne alleine durchschlagen, fragen Chinesen schneller nach oder bitten um Rat. Bei Dienstleistungen wird in China gerne kritisiert, es gibt viel öfter positives oder negatives feedback. Ein Hinweis an die Bedienung, sich mit dem Essen zu beeilen, wirkt in Deutschland unhöflich, in China ist dies jedoch völlig normal! Wenn man nicht einen schlechten Eindruck von der unhöflichen Jugend hinterlassen will, sollte man in Deutschland wieder jeden, der einem beim Spazierengehen mit dem Hund begegnet, freundlich grüßen. Nachts wenn ich nicht schlafen kann, höre ich in Deutschland am Glockenschlag der Kirche wie viel Uhr es ist. Will ich in Heidenhem den Bus nehmen, muss ich auf einen Busfahrplan schauen und kann mich nicht einfach wie in Shanghai an die Bushaltestelle stellen und auf den nächsten Bus warten, der spätestens in fünf Minuten kommt. Hier ist es normal, dass ich mich fast täglich mit Freunden treffe oder wenigstens in die Stadt fahre. Zu Beginn meines Aufenthaltes in China war das anders und ich habe dadurch gelernt, mich an den kleinen Dingen im Alltag zu freuen. So war damals der Tag für mich gerettet, wenn mich jemand in der Schule angesprochen hatte oder auch nur ein, zwei Sätze mit mir gewechselt hatte. Ich freute mich über jeden Sonnenstrahl, über jeden Vogel, den ich hörte (in Shanghai gibt es sehr wenig Vögel und Tiere), über jede SMS, die Abwechslung in meinen anfangs einsamen Schulalltag brachte. Ich freute mich jedes Mal, wenn ich den Pearl Tower sah und jedes Mal, wenn meine Gastmutter Nudelsuppe kochte. In Deutschland freue ich mich nun wieder auf jeden Freitagabend, um mit meinen Freunden weg zugehen, ich freue mich, wenn mein Hund mich begrüßt, wenn ich aufs Pferd steige oder wenn ich eine Nachricht aus meiner zweiten Heimat China erhalte!
Nächste Woche geht die Schule auch in Baden-Württemberg wieder los und einen Blogeintrag über meine Pläne für die nächsten Jahre bin ich euch auch noch schuldig. Er kommt - versprochen!
Samstag, 5. September 2009
Erinnerungen
Plötzlich ist mir aufgefallen, dass ich genau heute vor einem Jahr die Reise nach Deutschland für meinen Austausch angetreten habe. Dieses eine Jahr ging vorüber wie im Flug und jetzt bin ich auch schon wieder seit zwei Monaten zurück. Nun werde ich gerade wieder mit dem Leben hier konfrontiert, was ich mir unglaublich schwierig vorgestellt hatte, jedoch habe ich mich wider meiner Erwartungen relativ schnell wieder eingewöhnt.
Als ich Frankfurt verließ, hatte ich schwer mit mir zu kämpfen, aber ich musste diesem Abschied ja ins Auge sehen, war dann jedoch froh meine Traurigkeit überwinden zu können, denn eigentlich sollte ich ja dankbar sein für alle Leute, die ich dort kennenlernen durfte. In Helsinki hatte ich 6 Stunden Aufenthalt – was für eine Qual! Es schien als hätte man uns diese Wartezeit mit Absicht aufgehalst, damit auch die Psyche und das Verhalten Zeit hatten, sich umzustellen.
Als ich dann aus dem Flugzeug stieg, hatte ich zuerst ein ganz komisches und ungewohntes Gefühl, da ich weit und breit nur chinesische Zeichen sah. Ja, ich war zurückgekommen. Aber warum war es in Peking denn auch noch so heiß…Ich hatte erwartet, dass ich mich beim Essen auch etwas seltsam fühlen würde, wenn ich das in Plastik eingeschweißte Tischservice, die Speisekarte und das abgekochte Trinkwasser sähe, schließlich aber kam mir das alles ganz natürlich vor. Ich konnte dieses Gefühl zwar nicht verstehen, komme aber nicht umhin zuzugeben, dass es tatsächlich so war.
Die paar Tage, die ich in Peking verbrachte waren super, ich traf viele gute Freunde von früher und war auch sehr glücklich darüber, das Goethe- Institut zu besuchen, das mir sehr geholfen hat, vielen Dank an alle! Um nicht zu schnell wieder nach Lanzhou zurückzukommen, wählte ich die für Deutsche so erstaunlich lange 20-Stunden-Zugfahrt. Unterwegs schlief ich oder schaute hinaus und dachte daran, wie meine deutsche Gastmutter einmal Informationen über Lanzhou im Internet suchte und las, was ein Tourist geschrieben hatte. Daraufhin hatte sie gesagt, dass die Landschaft auf der Fahrt von Peking nach Lanzhou wohl die langweiligste weltweit sein musste. Ich konnte nicht anders und musste lachen. Aber dies war ja tatsächlich mein Weg nach Hause.
Zuhause angekommen hatte ich mich nach einer kurzen Zeit bereits eingewöhnt, auf meinen Wegen durch Lanzhou, bei diesen und jenen Erledigungen und Aktivitäten, sah ich viele verschiedene Dinge, die mir aber alle ganz normal vorkamen. Das vergangene Jahr schien plötzlich wie ein Traum zu sein. Dennoch, jetzt wo ich wieder hier bin, trage ich die ganzen Erfolge und die Freude mit mir, die ich in diesem Jahr erlebt habe. Ich hatte mich sehr auf die Nudelsuppe mit Rindfleisch gefreut, aber jetzt wollte ich das Essen, an was ich vorher so oft gedacht hatte, gar nicht mehr unbedingt. Ist es denn wirklich möglich, dass man sich nach einem Jahr auch an das Essen wieder gewöhnen muss? Alle Leute, die ich wieder traf, hatten sich kaum verändert, was mir ein ruhiges und glückliches Gefühl gab. Als die anderen jedoch mich sahen, fanden sie alle, ich sei dick geworden! Ach naja…Die folgenden Tage machte ich fast nichts, überlegte nur, was ich machen wollte, wie ich mit der gegenwärtigen Situation umgehen sollte und versuchte, die ganzen Erfahrungen und Gefühle, die sich in mir drin anhäuft haben, in meine Überlegungen einzubeziehen.
Die Rückkehr in die Schule stellte eine große Herausforderung für mich dar. In den Tagen zuvor konnte ich noch den Jetlag für meine Nervosität verantwortlich machen, aber am letzten Abend vor dem Schulanfang fühlte ich mich mit einem Mal beruhigt, und sagte mir, „Da musst du halt durch, die seelische Entfaltung des letzten Jahres wird dir schon helfen.“ Als ich in die neue Klasse kam, war ich froh, dass es immer noch die Nr. 12 war. Zwar ein anderer Jahrgang, aber immer noch die gleiche, das war also auch eine Erinnerung. Ich hatte mich darauf vorbereitet, mich vorstellen zu müssen, was sich dann als nutzlos erwies, aber dass ich dann „kleine Grundschülerin“ genannt wurde, fand ich irgendwie nicht lustig. Seit dem Schulanfang bin ich sehr beschäftigt mit lernen, was meine gesamte Zeit in Anspruch nimmt und ich finde, dass ich fleißiger geworden bin als früher, obwohl es für mich nach einem Jahr relativ schwierig ist, mich erstmal wieder an die Lernsituation hier zu gewöhnen. Außer dieser Tatsache habe ich mich sehr schnell an alles in der Schule wieder gewöhnt, ob es nun der Stundenplan ist, oder die Disziplin, die Lehrfächer oder die Unterrichtsart. Alles schien auf natürliche Weise seinen Lauf zu nehmen. Der Schulhof war auch immer noch gleich und die neue Turnhalle war endlich fertig gestellt worden, was einigen einen langersehnten Traum erfüllte.
Bis jetzt verläuft alles ganz gewöhnlich, aber dennoch hat sich in meiner Einstellung etwas geändert.
Ich habe immer gesagt, dass dieses eine Jahr wie ein Geschenk für mich war.
P.S. In nächster Zeit werde ich wahrscheinlich immer mehr zu lernen haben, und es tut mir leid, dass es deswegen etwas dauern wird bis ich „Erinnerungen 2“ schreiben kann.
Als ich Frankfurt verließ, hatte ich schwer mit mir zu kämpfen, aber ich musste diesem Abschied ja ins Auge sehen, war dann jedoch froh meine Traurigkeit überwinden zu können, denn eigentlich sollte ich ja dankbar sein für alle Leute, die ich dort kennenlernen durfte. In Helsinki hatte ich 6 Stunden Aufenthalt – was für eine Qual! Es schien als hätte man uns diese Wartezeit mit Absicht aufgehalst, damit auch die Psyche und das Verhalten Zeit hatten, sich umzustellen.
Als ich dann aus dem Flugzeug stieg, hatte ich zuerst ein ganz komisches und ungewohntes Gefühl, da ich weit und breit nur chinesische Zeichen sah. Ja, ich war zurückgekommen. Aber warum war es in Peking denn auch noch so heiß…Ich hatte erwartet, dass ich mich beim Essen auch etwas seltsam fühlen würde, wenn ich das in Plastik eingeschweißte Tischservice, die Speisekarte und das abgekochte Trinkwasser sähe, schließlich aber kam mir das alles ganz natürlich vor. Ich konnte dieses Gefühl zwar nicht verstehen, komme aber nicht umhin zuzugeben, dass es tatsächlich so war.
Die paar Tage, die ich in Peking verbrachte waren super, ich traf viele gute Freunde von früher und war auch sehr glücklich darüber, das Goethe- Institut zu besuchen, das mir sehr geholfen hat, vielen Dank an alle! Um nicht zu schnell wieder nach Lanzhou zurückzukommen, wählte ich die für Deutsche so erstaunlich lange 20-Stunden-Zugfahrt. Unterwegs schlief ich oder schaute hinaus und dachte daran, wie meine deutsche Gastmutter einmal Informationen über Lanzhou im Internet suchte und las, was ein Tourist geschrieben hatte. Daraufhin hatte sie gesagt, dass die Landschaft auf der Fahrt von Peking nach Lanzhou wohl die langweiligste weltweit sein musste. Ich konnte nicht anders und musste lachen. Aber dies war ja tatsächlich mein Weg nach Hause.
Zuhause angekommen hatte ich mich nach einer kurzen Zeit bereits eingewöhnt, auf meinen Wegen durch Lanzhou, bei diesen und jenen Erledigungen und Aktivitäten, sah ich viele verschiedene Dinge, die mir aber alle ganz normal vorkamen. Das vergangene Jahr schien plötzlich wie ein Traum zu sein. Dennoch, jetzt wo ich wieder hier bin, trage ich die ganzen Erfolge und die Freude mit mir, die ich in diesem Jahr erlebt habe. Ich hatte mich sehr auf die Nudelsuppe mit Rindfleisch gefreut, aber jetzt wollte ich das Essen, an was ich vorher so oft gedacht hatte, gar nicht mehr unbedingt. Ist es denn wirklich möglich, dass man sich nach einem Jahr auch an das Essen wieder gewöhnen muss? Alle Leute, die ich wieder traf, hatten sich kaum verändert, was mir ein ruhiges und glückliches Gefühl gab. Als die anderen jedoch mich sahen, fanden sie alle, ich sei dick geworden! Ach naja…Die folgenden Tage machte ich fast nichts, überlegte nur, was ich machen wollte, wie ich mit der gegenwärtigen Situation umgehen sollte und versuchte, die ganzen Erfahrungen und Gefühle, die sich in mir drin anhäuft haben, in meine Überlegungen einzubeziehen.
Die Rückkehr in die Schule stellte eine große Herausforderung für mich dar. In den Tagen zuvor konnte ich noch den Jetlag für meine Nervosität verantwortlich machen, aber am letzten Abend vor dem Schulanfang fühlte ich mich mit einem Mal beruhigt, und sagte mir, „Da musst du halt durch, die seelische Entfaltung des letzten Jahres wird dir schon helfen.“ Als ich in die neue Klasse kam, war ich froh, dass es immer noch die Nr. 12 war. Zwar ein anderer Jahrgang, aber immer noch die gleiche, das war also auch eine Erinnerung. Ich hatte mich darauf vorbereitet, mich vorstellen zu müssen, was sich dann als nutzlos erwies, aber dass ich dann „kleine Grundschülerin“ genannt wurde, fand ich irgendwie nicht lustig. Seit dem Schulanfang bin ich sehr beschäftigt mit lernen, was meine gesamte Zeit in Anspruch nimmt und ich finde, dass ich fleißiger geworden bin als früher, obwohl es für mich nach einem Jahr relativ schwierig ist, mich erstmal wieder an die Lernsituation hier zu gewöhnen. Außer dieser Tatsache habe ich mich sehr schnell an alles in der Schule wieder gewöhnt, ob es nun der Stundenplan ist, oder die Disziplin, die Lehrfächer oder die Unterrichtsart. Alles schien auf natürliche Weise seinen Lauf zu nehmen. Der Schulhof war auch immer noch gleich und die neue Turnhalle war endlich fertig gestellt worden, was einigen einen langersehnten Traum erfüllte.
Bis jetzt verläuft alles ganz gewöhnlich, aber dennoch hat sich in meiner Einstellung etwas geändert.
Ich habe immer gesagt, dass dieses eine Jahr wie ein Geschenk für mich war.
P.S. In nächster Zeit werde ich wahrscheinlich immer mehr zu lernen haben, und es tut mir leid, dass es deswegen etwas dauern wird bis ich „Erinnerungen 2“ schreiben kann.
Dienstag, 28. Juli 2009
Rückblick 1
Es tut mir leid, dass ich so lange Zeit nichts geschrieben habe. Der heutige Text soll also ein Rückblick sein.
In den letzten zwei Schulwochen mussten die Schüler der 11. Klasse ein Praktikum machen, also mussten ich und ein anderer Austauschschüler während dieser letzten Zeit nicht zum Unterricht gehen. Daher schätzten wir unsere letzte Schulwoche ganz besonders. Dienstag war ein Projektarbeitstag für arme Kinder in Südafrika. Das hieß, dass jeder eine Arbeit finden musste und das dabei verdiente Geld von der Schule an die Kinder in Südafrika gespendet wurde. Ich war sehr glücklich darüber helfen zu können und meine Gastmutter gab mir die Aufgabe, das Auto zu putzen und Kleidung zu bügeln. Es war das erste Mal, dass ich das Auto putzte und sehr anstrengend, aber es hat sich gelohnt. Nachmittags ging ich mit meinem Leistungskurs Musik in ein chinesisches Restaurant in Mainz zum Essen. Niemand wusste, wie man mit Stäbchen isst, aber das war egal, denn allen schmeckte das chinesische Essen und ich war auch glücklich. Am Abend fand dann eine AFS- Party statt, zu welcher Ehemalige eingeladen waren, die mit AFS früher einmal ins Ausland gegangen sind. Ich und Kerim, ein Austauschschüler aus Bosnien, wurden gebeten ein Programm aufzuführen. Nachdem wir lange herum diskutiert hatten, entschieden wir uns schließlich dafür, dass Kerim Gitarre spielen und ich singen sollte, und wir dann noch zusammen ein Stück auf dem Klavier spielen sollten. Das Ergebnis konnte sich wirklich sehen lassen!
In den folgenden beiden Tagen war ich damit beschäftigt die Ankunft meiner jüngeren Gastschwester von ihrem Austausch in Südafrika vorzubereiten. Am Freitagabend ging ich mit den AFSern von hier auf einer kleinen Insel im Rhein zelten. Es war das erste Mal in meinem Leben, dass ich eine Nacht unter freiem Himmel verbrachte und in einem unbequemen Schlafsack im Zelt schlief, das war sehr aufregend! Ich glaube, dass Deutsche sehr gerne solchen Aktivitäten nachgehen und mit viel Spaß bei der Sache sind, schade nur, dass ich hier keinen ganzen, wunderschönen Sommer verbringen konnte. Wir alberten am Flussstrand herum und bauten Sandburgen wie kleine Kinder, kochten zusammen und stritten darum, wer zuerst das Antiinsektenmittel benutzen durfte.
Den ganzen Abend saßen wir zusammen und unterhielten uns. Wie nicht anders zu erwarten war, verstanden wir uns sehr gut, da wir alle ähnliche Erfahrungen gesammelt hatten und dadurch viele Gemeinsamkeiten hatten. Ich schätze diese Erfahrung außerordentlich.
Am Samstag wartete ich aufgeregt auf meine Gastschwester, die am nächsten Tag ankommen sollte. Mit meiner Gastmutter zusammen backte ich noch einen Kuchen für sie und räumte noch einmal auf. Plötzlich kam ein Anruf meiner Gastschwester, die meine Gastmutter fragte, ob sie einen Tag später kommen könne. Da war ich wirklich sprachlos. Sie sagte, der Grund sei, dass der Lufthansaflug überfüllt war und wenn sie einen Tag später fliegen würde, würde sie eine Entschädigung von 600 Euro dafür erhalten und das Hotel würde auch bezahlt. Meine Gastmutter hatte keine andere Wahl als zuzustimmen, sie hängte den Telefonhörer ein und sagte das wäre die typische Art meiner Gastschwester. Nach dieser langen Wartezeit bekamen wir sie am Montagmorgen endlich zu Gesicht. Ich war sehr aufgeregt, sie zu sehen. Es war wie eine Szene, die sich in zwei Wochen noch einmal abspielen könnte. Sie hatte ein wenig zugenommen, was für AFSler relativ normal ist, denn man sagt ja AFS = Another Fat Student (Übersetzt: „Noch ein dicker Student“) Ihre Laune bei der Rückkehr war sehr gut, wir unterhielten uns die ganze Zeit, ich hörte zu wie sie mir alles erzählte und am Ende war ich dann schon sehr müde. Jedenfalls konnte ich nachvollziehen, dass sie die 9 Monate dort auch sehr genossen hatte.
Am Mittwoch der darauffolgenden Woche sind wir zusammen nach Köln gefahren, weil ich immer den Kölner Dom und das Schokoladenmuseum sehen wollte. Als wir aus dem Bahnhof traten, stand ich voller Staunen da und konnte gar nicht weiter gehen. Obwohl ich so nah dran war, kam ich mir so vor als würde ich das alles im Fernsehen sehen. Der Dom war so schön, dass er mir vollkommen unwirklich vorkam. Anschließend entschieden wir uns auf den höchsten Turm zu steigen, was sehr anstrengend war. Ich war jedoch ein wenig enttäuscht, denn Köln sah von oben gesehen überhaupt nicht so schön aus. Danach gingen wir ins Schokoladenmuseum. Im Erdgeschoß des großen Gebäudes wurde man über Kakaobohnen, deren Eigenschaften, Transport und so weiter informiert. Im ersten Stock gab es eine Mini-Schokoladenfabrik und einen Schokospringbrunnen. Im zweiten Stock wurden einige Schokoladenmarken vorgestellt.
Wir spielten auch noch einige Spiele, ausgelassen wie kleine Kinder. Das Museum war sehr menschennah gemacht, überall standen Computer herum, wo verschiedenes erklärt wurde, an denen man aber auch durch Spiele so Einiges über Schokolade erfahren konnte. Es gab auch viele Einrichtungen, an denen man selbst Hand anlegen konnte und dadurch lernte, wie die Dinge zusammenhängen. Am Nachmittag spazierten wir durch die Altstadt bevor wir uns in einem Buchgeschäft hinsetzten und vor Müdigkeit kaum wieder aufstehen mochten. Während wir abends auf unseren Zug warteten, saßen wir noch vor dem Dom und hörten einem kleinen Männerchor zu. Die Sänger waren sehr niedlich, sie sangen nicht nur sondern tanzten auch, und obwohl alles sehr spontan aussah, war ihr Niveau ziemlich hoch und ihre Stimmen sehr stark. Schließlich setzten wir uns in den Zug und fuhren nach Hause. Das war meine Eintagesreise nach Köln, die erste Reise, die ich auf eigene Faust unternommen habe.
Fortsetzung folgt...
In den letzten zwei Schulwochen mussten die Schüler der 11. Klasse ein Praktikum machen, also mussten ich und ein anderer Austauschschüler während dieser letzten Zeit nicht zum Unterricht gehen. Daher schätzten wir unsere letzte Schulwoche ganz besonders. Dienstag war ein Projektarbeitstag für arme Kinder in Südafrika. Das hieß, dass jeder eine Arbeit finden musste und das dabei verdiente Geld von der Schule an die Kinder in Südafrika gespendet wurde. Ich war sehr glücklich darüber helfen zu können und meine Gastmutter gab mir die Aufgabe, das Auto zu putzen und Kleidung zu bügeln. Es war das erste Mal, dass ich das Auto putzte und sehr anstrengend, aber es hat sich gelohnt. Nachmittags ging ich mit meinem Leistungskurs Musik in ein chinesisches Restaurant in Mainz zum Essen. Niemand wusste, wie man mit Stäbchen isst, aber das war egal, denn allen schmeckte das chinesische Essen und ich war auch glücklich. Am Abend fand dann eine AFS- Party statt, zu welcher Ehemalige eingeladen waren, die mit AFS früher einmal ins Ausland gegangen sind. Ich und Kerim, ein Austauschschüler aus Bosnien, wurden gebeten ein Programm aufzuführen. Nachdem wir lange herum diskutiert hatten, entschieden wir uns schließlich dafür, dass Kerim Gitarre spielen und ich singen sollte, und wir dann noch zusammen ein Stück auf dem Klavier spielen sollten. Das Ergebnis konnte sich wirklich sehen lassen!
In den folgenden beiden Tagen war ich damit beschäftigt die Ankunft meiner jüngeren Gastschwester von ihrem Austausch in Südafrika vorzubereiten. Am Freitagabend ging ich mit den AFSern von hier auf einer kleinen Insel im Rhein zelten. Es war das erste Mal in meinem Leben, dass ich eine Nacht unter freiem Himmel verbrachte und in einem unbequemen Schlafsack im Zelt schlief, das war sehr aufregend! Ich glaube, dass Deutsche sehr gerne solchen Aktivitäten nachgehen und mit viel Spaß bei der Sache sind, schade nur, dass ich hier keinen ganzen, wunderschönen Sommer verbringen konnte. Wir alberten am Flussstrand herum und bauten Sandburgen wie kleine Kinder, kochten zusammen und stritten darum, wer zuerst das Antiinsektenmittel benutzen durfte.
Den ganzen Abend saßen wir zusammen und unterhielten uns. Wie nicht anders zu erwarten war, verstanden wir uns sehr gut, da wir alle ähnliche Erfahrungen gesammelt hatten und dadurch viele Gemeinsamkeiten hatten. Ich schätze diese Erfahrung außerordentlich.
Am Samstag wartete ich aufgeregt auf meine Gastschwester, die am nächsten Tag ankommen sollte. Mit meiner Gastmutter zusammen backte ich noch einen Kuchen für sie und räumte noch einmal auf. Plötzlich kam ein Anruf meiner Gastschwester, die meine Gastmutter fragte, ob sie einen Tag später kommen könne. Da war ich wirklich sprachlos. Sie sagte, der Grund sei, dass der Lufthansaflug überfüllt war und wenn sie einen Tag später fliegen würde, würde sie eine Entschädigung von 600 Euro dafür erhalten und das Hotel würde auch bezahlt. Meine Gastmutter hatte keine andere Wahl als zuzustimmen, sie hängte den Telefonhörer ein und sagte das wäre die typische Art meiner Gastschwester. Nach dieser langen Wartezeit bekamen wir sie am Montagmorgen endlich zu Gesicht. Ich war sehr aufgeregt, sie zu sehen. Es war wie eine Szene, die sich in zwei Wochen noch einmal abspielen könnte. Sie hatte ein wenig zugenommen, was für AFSler relativ normal ist, denn man sagt ja AFS = Another Fat Student (Übersetzt: „Noch ein dicker Student“) Ihre Laune bei der Rückkehr war sehr gut, wir unterhielten uns die ganze Zeit, ich hörte zu wie sie mir alles erzählte und am Ende war ich dann schon sehr müde. Jedenfalls konnte ich nachvollziehen, dass sie die 9 Monate dort auch sehr genossen hatte.
Am Mittwoch der darauffolgenden Woche sind wir zusammen nach Köln gefahren, weil ich immer den Kölner Dom und das Schokoladenmuseum sehen wollte. Als wir aus dem Bahnhof traten, stand ich voller Staunen da und konnte gar nicht weiter gehen. Obwohl ich so nah dran war, kam ich mir so vor als würde ich das alles im Fernsehen sehen. Der Dom war so schön, dass er mir vollkommen unwirklich vorkam. Anschließend entschieden wir uns auf den höchsten Turm zu steigen, was sehr anstrengend war. Ich war jedoch ein wenig enttäuscht, denn Köln sah von oben gesehen überhaupt nicht so schön aus. Danach gingen wir ins Schokoladenmuseum. Im Erdgeschoß des großen Gebäudes wurde man über Kakaobohnen, deren Eigenschaften, Transport und so weiter informiert. Im ersten Stock gab es eine Mini-Schokoladenfabrik und einen Schokospringbrunnen. Im zweiten Stock wurden einige Schokoladenmarken vorgestellt.
Wir spielten auch noch einige Spiele, ausgelassen wie kleine Kinder. Das Museum war sehr menschennah gemacht, überall standen Computer herum, wo verschiedenes erklärt wurde, an denen man aber auch durch Spiele so Einiges über Schokolade erfahren konnte. Es gab auch viele Einrichtungen, an denen man selbst Hand anlegen konnte und dadurch lernte, wie die Dinge zusammenhängen. Am Nachmittag spazierten wir durch die Altstadt bevor wir uns in einem Buchgeschäft hinsetzten und vor Müdigkeit kaum wieder aufstehen mochten. Während wir abends auf unseren Zug warteten, saßen wir noch vor dem Dom und hörten einem kleinen Männerchor zu. Die Sänger waren sehr niedlich, sie sangen nicht nur sondern tanzten auch, und obwohl alles sehr spontan aussah, war ihr Niveau ziemlich hoch und ihre Stimmen sehr stark. Schließlich setzten wir uns in den Zug und fuhren nach Hause. Das war meine Eintagesreise nach Köln, die erste Reise, die ich auf eigene Faust unternommen habe.
Fortsetzung folgt...
Mittwoch, 8. Juli 2009
Meine letzte Woche
Die letzen Wochen vor dem Abflug war noch einmal richtig viel los. Ich war auf Klassenfahrt in Nanjing, für 3 Tage zu Besuch bei Emre in Changzhou, mit einigen Austauschschülern in Suzhou, Emre kam mich nochmals in Shanghai besuchen. Ich versuchte, meine verbleibende Zeit in China gemeinsam mit meinen Freunden und meiner Familie zu genießen.
Endlich geschafft
Meine letzte Woche in China begann mit meinem Chinesischtest am Sonntag, den 21.Juni. Damit hatte ich endlich mein großes Ziel erreicht: den HSK (汉语水平考试) zu machen. Dieser Test ist ein international anerkannter Chinesischtest, der von der Beijing Universität erstellt wird. Ich musste mich jetzt schlussendlich im mittleren Level versuchen, da es mit der Anmeldung im leichten Level nicht geklappt hatte. Zurzeit steht noch ein großes Fragezeichen im Raum, ob ich bestanden habe oder nicht. Nach dem Test war ich allerdings ganz zuversichtlich, dass es klappten könnte.
Eigentlich hatte ich den Montag als letzten Schultag eingeplant und auch meine Klassenkameraden waren darauf eingestellt, dass nach dem Examen endgültig Schluss ist mit dem Unterricht. Die Stundenplanmacher machten uns dann allerdings einen Strich durch die Rechnung und am Montagmorgen erfuhren wir, dass noch bis Freitag Unterricht stattfinden würde. Die Abschiedsgeschenke für meine Lehrer verteilte ich dann aber doch schon im Voraus. Mit meiner Klassenlehrerin endete die Bescherung dann wieder einmal in einem ausgiebigen Tratsch und ein paar Freunde und ich verließen erst zwei Stunden nach Schulschluss die Schule. Langsam versuchte ich mir selbst klar zu machen, dass mein Chinaabendteuer nun endgültig vorbei sein würde. Ich konnte es damals nur noch nicht wirklich realisieren.
Mit Jing Jing unterwegs
Am Mittwoch ging ich mit Jing Jing kegeln, bevor wir beschlossen ein letztes Mal Peking Ente in der Huaihailu essen zu gehen. Diese Peking Ente war die beste Pekingente meines Lebens und auch die Beilagen haben hervorragend geschmeckt. Jing Jing übernachtet bei mir und bis tief in die Nacht quatschten wir noch mit meiner Schwester und meiner Mutter.
Am Donnerstagmorgen konnten wir wenigstens schön ausschlafen, bevor wir in meine Schule gingen. Meine Schwester wollte mich unbedingt von meiner Schule fern halten. Jing Jing wusste, das meine Klasse eine Überraschung für mich plante, denn Xiao Yu hatte es ihr auf Shanghainesisch erzählt, so dass ich es nicht verstehen konnte. Ich wollte aber unbedingt noch in die Schule, um eine Kalligraphie fertig zu schreiben. Für meine Schule habe ich ein Altchinesisches Gedicht in Kalligraphie geschrieben, das nun dort aufgehängt wird. Einen kleinen Blick ins Klassenzimmer konnte ich erhaschen, aber etwas gesehen habe ich nicht wirklich. Ich musste wohl auf den nächsten Tag - meinen endgültig letzten Schultag warten! Aber es sollte ja schließlich eine Überraschung sein. Zum Abendessen gingen wir das letzte Mal zu meiner Oma und mein Onkel zauberte dort für mich nochmals ein köstliches Essen. Danach hieß es Abschied nehmen von meiner Verwandtschaft! Besonders der Abschied von meiner Cousine war nicht einfach, denn dadurch, dass sie in den letzten Wochen bei uns wohnte war sie mir sehr ans Herz gewachsen. Abends stand dann noch packen auf dem Programm. Ich dachte ja, ich würde meine Sachen gut in den Koffer bekommen, denn ich hatte schon 20kg mit dem Schiff voraus geschickt.
Abschied-von der Schule
Doch am Freitagmorgen musste ich dann doch feststellen, dass mein Koffer zu schwer werden würde. Meine Gastmama half mir dann aber glücklicherweise beim Aussortieren und meinte sie würde meine Sachen in meinem Schrank für mich aufbewahren. D Also ließ ich fast mein halbes Zimmer in meinem Schrank in Shanghai! Aber bleibt auch immer ein Stück von mir im Haus. Punkt 11 Uhr ging ich an meinem definitiv letzten Tag in die Schule. Als ich das Klassenzimmer betrat, saßen alle in einem großen Stuhlkreis vor dem Pult und die Tafel war bunt bemalt. Meine Klasse hatte ein schönes Programm zusammengestellt und wir sangen ein letztes Mal (natürlich auch meinen persönlichen Chinasong 十年-zehn Jahre, der für mich ein Begleiter durch mein Jahr war) gemeinsam, machten ein paar Spiele um mein Shanghainesisch zu testen und meine Klasse schenkte mir eine Kalligraphie und ein Fotoalbum. Am meisten hat mich gerührt, als zwei meiner besten Freundinnen mir meine Schuluniformjacke, die in den letzten Tagen auf unerklärliche Weise verschwunden war, wieder gaben. Die ganze Klasse hatten auf der Uniform unterschrieben und auch einen paar Grüße darauf gemalt. Mir kamen die Tränen. Und nun sollte ich auch noch ein paar Abschiedsworte sagen, aber ich brachte fast nichts heraus. Ich bin meiner Klasse wahnsinnig dankbar für alles was sie für mich getan hat! Ein letztes Mal aß ich mit meinen Freunden gemeinsam zu Mittag. Während meine Mitschüler wieder in den Unterricht mussten ging ich durch die Klassen und holte mir ein paar Autogramme für meine Chinaflagge von anderen Mitschülern. Von meinen Lehrern bekam ich chinesische Pokerkarten geschenkt. Schließlich machte mich langsam daran, Abschied von allen zu nehmen. Vor allem beim Abschied von meiner Klassenlehrerin konnte ich die Tränen nicht mehr aufhalten.
Abschied - von meinen Freunden und dem Pearl Tower
Meine engeren Freunde und ich gingen am letzten Abend zum Karaoke singen nach Lujiazui in Pudong. In meinem Lieblingseinkaufzentrum neben dem Pearl Tower aßen wir zu Abend und dann ging es ein letztes Mal zum KTV. Gemeinsam sangen wir unsere Lieblingslieder und je später der Abend wurde desto fröhlicher und munterer wurden wir. Zwischendurch musste ich mich leider immer wieder von irgend jemandem verabschieden -Tränen unvermeidbar! Zum Abschluss gingen wir nochmals zum Bund und schauten in die schwarze Strömung des Huangpuflusses. Ich konnte es nicht glauben, bald zu all dem tschüss sagen zu müssen. Der Fluss, die Skyline, die breiten Straßen, die Altstadt - das alles war mir so vertraut geworden. Es war aber wunderschön ein letztes Mal am Bund entlang zu rennen, durch die Pfützen zu springen und ausgelassen zu sein. Beinahe wäre noch mein Schuh im Fluss gelandet. Als dann der Abschied vom Großteil der übriggebliebenen Freunde anstand, hatte ich keine Tränen mehr übrig und erst hinterher wurde mir wirklich klar, dass es kein Traum war, sondern Realität- ich würde sie alle für mindestens ein Jahr nicht wieder sehen. Bevor wir dann endgültig ins Taxi stiegen umarmte ich ein letztes Mal meinen geliebten Pearl Tower.
Abschied - von meiner Familie (Nummer I)
Morgens weckte mich Gewittergrollen auf. Der Koffer wurde gewogen, ich schminkte meine Gastschwester das letzte Mal und los ging die Fahrt zum AFS Workshop. Meine letzten zwei Tage in China würde ich nämlich in einem Hotel in Shanghai verbringen mit allen anderen AFS Austauschschülern aus ganz China. Schon auf der Fahrt saßen meine Schwester und ich schweigend auf der Rückbank und uns liefen die Tränen über die Wangen. Damals ahnte ich noch nicht, dass dies nicht der letzte Abschied von meiner Gastfamilie sein sollte. Emre nahm mich glücklicherweise beim Hotel in Empfang und half mir mit dem Gepäck. Danach stand der härteste Abschied an und ich brauchte sehr lange, bis ich mich davon erholte. Abschiede sind einfach sooo schwer. Das Wiedersehen mit den anderen AFSlern lenkte mich etwas ab. Am Mittag mussten wir ein paar Spiele machen, die aber nicht sehr interessant waren - wir unterhielten uns lieber. Zum Abendessen beschlossen eine kleine Gruppe Austauschschüler und ich, nochmals nach Shanghai in die Innenstadt zu fahren, dort zu essen und ein bisschen die Stadt anzuschauen. Ich war froh, aus dem Hotel herauszukommen und so stand ich 24 Stunden später unverhofft wieder am Bund - doch dieses Mal auf der anderen Seite und schaute hinüber zum Ufer, an dem wir gestern Abend entlang geschlendert waren. Fast die ganze Nacht durch haben wir AFSler uns unterhalten, aber irgendwann bin ich vor Müdigkeit eingeschlafen und wurde wieder geweckt, als die Abreise der Amerikaner anstand.
Abschied-von den AFSern und Überraschung am Flughafen
Schon wieder war Abschied angesagt - auch dieser sehr tränenreich, denn unter den Amerikanern hatte ich ein paar sehr gute Freunde gefunden. Zwei Stunden später hieß es auch für uns Deutsche „auf zum Flughafen“. Die Fahrt führte quer durch meine neue zweite Heimat Shanghai und wir passierten das Expo Gelände, meine Schule und die Autobahnbrücke, über die ich jeden Morgen gefahren bin. Am Flughafen schafften wir es zum Glück nach langem Hin und Her, alle mit unseren viel zu schweren Koffern heil durch die Gepäckkontrolle zu kommen. Während der ganzen Zeit habe ich mit meiner Schwester SMS geschrieben und sie wollte immer genau wissen wo ich bin. Ich erzählte ihr auch, dass ich vor lauter Abschied kaum Hunger hatte und nichts gegessen habe. Sie meinte, sie könne mir meine Lieblingsteigtaschen vorbeibringen. Ich meinte natürlich im Scherz „ja klar"! Fünf Minuten später stand sie vor mir!! Meine ganze Familie war noch einmal gekommen. Und Jing Jing war auch dabei. Es war super schön und hat mich riesig gefreut. Meine Cousine, mein Onkel, meine Eltern, meine Schwester und Jing Jing! Damit war meine Welt perfekt und mein Hunger auch wieder da. So konnte ich die Teigtaschen in aller Ruhe essen und meiner Schwester noch einen schönen französischen Zopf flechten. Wir rannten noch gemeinsam durch den Flughafen und der zweite Abschied von meiner Familie fiel mir dann auch nicht mehr ganz so schwer. Ich würde nächstes Jahr wieder kommen - das war klar! Jing Jing blieb noch bei, mir bis ich durch die Sicherheitskontrolle musste. Wir waren nun beide zwei Jahre lang viel zusammen und dazwischen nur einmal zwei Monate getrennt. Unsere deutsch-chinesische Freundschaft ist auf jeden Fall ein wertvoller Schatz, den wir beide gut hüten werden!
Abschied-aber jetzt endgültig!
Danach hieß es aber endgültig tschüss sagen! Wir gingen durch den Sicherheitscheck und von dort an gab es kein Zurück mehr. Die chinesischen Sicherheitsbeamten, die eigentlich mein Handgepäck durchsuchen sollten, waren total begeistert von meiner bunt beschrifteten Schuluniformjacke, die ich die ganze Zeit an hatte. Dadurch war mein Gepäck doppelt so schnell durch den Scanner und statt einer Durchleuchtung musste ich tausend Fragen zu meinem Austauschjahr beantworten. Einer der Beamten kannte sogar meine Schule. Eine halbe Stunde später schwang sich dann unsere Boeing 747 wie ein Riesenadler in die Lüfte, um uns dann während der ersten zwei Flugstunden heil durch heftige Turbulenzen zu bringen!
Endlich geschafft
Meine letzte Woche in China begann mit meinem Chinesischtest am Sonntag, den 21.Juni. Damit hatte ich endlich mein großes Ziel erreicht: den HSK (汉语水平考试) zu machen. Dieser Test ist ein international anerkannter Chinesischtest, der von der Beijing Universität erstellt wird. Ich musste mich jetzt schlussendlich im mittleren Level versuchen, da es mit der Anmeldung im leichten Level nicht geklappt hatte. Zurzeit steht noch ein großes Fragezeichen im Raum, ob ich bestanden habe oder nicht. Nach dem Test war ich allerdings ganz zuversichtlich, dass es klappten könnte.
Eigentlich hatte ich den Montag als letzten Schultag eingeplant und auch meine Klassenkameraden waren darauf eingestellt, dass nach dem Examen endgültig Schluss ist mit dem Unterricht. Die Stundenplanmacher machten uns dann allerdings einen Strich durch die Rechnung und am Montagmorgen erfuhren wir, dass noch bis Freitag Unterricht stattfinden würde. Die Abschiedsgeschenke für meine Lehrer verteilte ich dann aber doch schon im Voraus. Mit meiner Klassenlehrerin endete die Bescherung dann wieder einmal in einem ausgiebigen Tratsch und ein paar Freunde und ich verließen erst zwei Stunden nach Schulschluss die Schule. Langsam versuchte ich mir selbst klar zu machen, dass mein Chinaabendteuer nun endgültig vorbei sein würde. Ich konnte es damals nur noch nicht wirklich realisieren.
Mit Jing Jing unterwegs
Am Mittwoch ging ich mit Jing Jing kegeln, bevor wir beschlossen ein letztes Mal Peking Ente in der Huaihailu essen zu gehen. Diese Peking Ente war die beste Pekingente meines Lebens und auch die Beilagen haben hervorragend geschmeckt. Jing Jing übernachtet bei mir und bis tief in die Nacht quatschten wir noch mit meiner Schwester und meiner Mutter.
Am Donnerstagmorgen konnten wir wenigstens schön ausschlafen, bevor wir in meine Schule gingen. Meine Schwester wollte mich unbedingt von meiner Schule fern halten. Jing Jing wusste, das meine Klasse eine Überraschung für mich plante, denn Xiao Yu hatte es ihr auf Shanghainesisch erzählt, so dass ich es nicht verstehen konnte. Ich wollte aber unbedingt noch in die Schule, um eine Kalligraphie fertig zu schreiben. Für meine Schule habe ich ein Altchinesisches Gedicht in Kalligraphie geschrieben, das nun dort aufgehängt wird. Einen kleinen Blick ins Klassenzimmer konnte ich erhaschen, aber etwas gesehen habe ich nicht wirklich. Ich musste wohl auf den nächsten Tag - meinen endgültig letzten Schultag warten! Aber es sollte ja schließlich eine Überraschung sein. Zum Abendessen gingen wir das letzte Mal zu meiner Oma und mein Onkel zauberte dort für mich nochmals ein köstliches Essen. Danach hieß es Abschied nehmen von meiner Verwandtschaft! Besonders der Abschied von meiner Cousine war nicht einfach, denn dadurch, dass sie in den letzten Wochen bei uns wohnte war sie mir sehr ans Herz gewachsen. Abends stand dann noch packen auf dem Programm. Ich dachte ja, ich würde meine Sachen gut in den Koffer bekommen, denn ich hatte schon 20kg mit dem Schiff voraus geschickt.
Abschied-von der Schule
Doch am Freitagmorgen musste ich dann doch feststellen, dass mein Koffer zu schwer werden würde. Meine Gastmama half mir dann aber glücklicherweise beim Aussortieren und meinte sie würde meine Sachen in meinem Schrank für mich aufbewahren. D Also ließ ich fast mein halbes Zimmer in meinem Schrank in Shanghai! Aber bleibt auch immer ein Stück von mir im Haus. Punkt 11 Uhr ging ich an meinem definitiv letzten Tag in die Schule. Als ich das Klassenzimmer betrat, saßen alle in einem großen Stuhlkreis vor dem Pult und die Tafel war bunt bemalt. Meine Klasse hatte ein schönes Programm zusammengestellt und wir sangen ein letztes Mal (natürlich auch meinen persönlichen Chinasong 十年-zehn Jahre, der für mich ein Begleiter durch mein Jahr war) gemeinsam, machten ein paar Spiele um mein Shanghainesisch zu testen und meine Klasse schenkte mir eine Kalligraphie und ein Fotoalbum. Am meisten hat mich gerührt, als zwei meiner besten Freundinnen mir meine Schuluniformjacke, die in den letzten Tagen auf unerklärliche Weise verschwunden war, wieder gaben. Die ganze Klasse hatten auf der Uniform unterschrieben und auch einen paar Grüße darauf gemalt. Mir kamen die Tränen. Und nun sollte ich auch noch ein paar Abschiedsworte sagen, aber ich brachte fast nichts heraus. Ich bin meiner Klasse wahnsinnig dankbar für alles was sie für mich getan hat! Ein letztes Mal aß ich mit meinen Freunden gemeinsam zu Mittag. Während meine Mitschüler wieder in den Unterricht mussten ging ich durch die Klassen und holte mir ein paar Autogramme für meine Chinaflagge von anderen Mitschülern. Von meinen Lehrern bekam ich chinesische Pokerkarten geschenkt. Schließlich machte mich langsam daran, Abschied von allen zu nehmen. Vor allem beim Abschied von meiner Klassenlehrerin konnte ich die Tränen nicht mehr aufhalten.
Abschied - von meinen Freunden und dem Pearl Tower
Meine engeren Freunde und ich gingen am letzten Abend zum Karaoke singen nach Lujiazui in Pudong. In meinem Lieblingseinkaufzentrum neben dem Pearl Tower aßen wir zu Abend und dann ging es ein letztes Mal zum KTV. Gemeinsam sangen wir unsere Lieblingslieder und je später der Abend wurde desto fröhlicher und munterer wurden wir. Zwischendurch musste ich mich leider immer wieder von irgend jemandem verabschieden -Tränen unvermeidbar! Zum Abschluss gingen wir nochmals zum Bund und schauten in die schwarze Strömung des Huangpuflusses. Ich konnte es nicht glauben, bald zu all dem tschüss sagen zu müssen. Der Fluss, die Skyline, die breiten Straßen, die Altstadt - das alles war mir so vertraut geworden. Es war aber wunderschön ein letztes Mal am Bund entlang zu rennen, durch die Pfützen zu springen und ausgelassen zu sein. Beinahe wäre noch mein Schuh im Fluss gelandet. Als dann der Abschied vom Großteil der übriggebliebenen Freunde anstand, hatte ich keine Tränen mehr übrig und erst hinterher wurde mir wirklich klar, dass es kein Traum war, sondern Realität- ich würde sie alle für mindestens ein Jahr nicht wieder sehen. Bevor wir dann endgültig ins Taxi stiegen umarmte ich ein letztes Mal meinen geliebten Pearl Tower.
Abschied - von meiner Familie (Nummer I)
Morgens weckte mich Gewittergrollen auf. Der Koffer wurde gewogen, ich schminkte meine Gastschwester das letzte Mal und los ging die Fahrt zum AFS Workshop. Meine letzten zwei Tage in China würde ich nämlich in einem Hotel in Shanghai verbringen mit allen anderen AFS Austauschschülern aus ganz China. Schon auf der Fahrt saßen meine Schwester und ich schweigend auf der Rückbank und uns liefen die Tränen über die Wangen. Damals ahnte ich noch nicht, dass dies nicht der letzte Abschied von meiner Gastfamilie sein sollte. Emre nahm mich glücklicherweise beim Hotel in Empfang und half mir mit dem Gepäck. Danach stand der härteste Abschied an und ich brauchte sehr lange, bis ich mich davon erholte. Abschiede sind einfach sooo schwer. Das Wiedersehen mit den anderen AFSlern lenkte mich etwas ab. Am Mittag mussten wir ein paar Spiele machen, die aber nicht sehr interessant waren - wir unterhielten uns lieber. Zum Abendessen beschlossen eine kleine Gruppe Austauschschüler und ich, nochmals nach Shanghai in die Innenstadt zu fahren, dort zu essen und ein bisschen die Stadt anzuschauen. Ich war froh, aus dem Hotel herauszukommen und so stand ich 24 Stunden später unverhofft wieder am Bund - doch dieses Mal auf der anderen Seite und schaute hinüber zum Ufer, an dem wir gestern Abend entlang geschlendert waren. Fast die ganze Nacht durch haben wir AFSler uns unterhalten, aber irgendwann bin ich vor Müdigkeit eingeschlafen und wurde wieder geweckt, als die Abreise der Amerikaner anstand.
Abschied-von den AFSern und Überraschung am Flughafen
Schon wieder war Abschied angesagt - auch dieser sehr tränenreich, denn unter den Amerikanern hatte ich ein paar sehr gute Freunde gefunden. Zwei Stunden später hieß es auch für uns Deutsche „auf zum Flughafen“. Die Fahrt führte quer durch meine neue zweite Heimat Shanghai und wir passierten das Expo Gelände, meine Schule und die Autobahnbrücke, über die ich jeden Morgen gefahren bin. Am Flughafen schafften wir es zum Glück nach langem Hin und Her, alle mit unseren viel zu schweren Koffern heil durch die Gepäckkontrolle zu kommen. Während der ganzen Zeit habe ich mit meiner Schwester SMS geschrieben und sie wollte immer genau wissen wo ich bin. Ich erzählte ihr auch, dass ich vor lauter Abschied kaum Hunger hatte und nichts gegessen habe. Sie meinte, sie könne mir meine Lieblingsteigtaschen vorbeibringen. Ich meinte natürlich im Scherz „ja klar"! Fünf Minuten später stand sie vor mir!! Meine ganze Familie war noch einmal gekommen. Und Jing Jing war auch dabei. Es war super schön und hat mich riesig gefreut. Meine Cousine, mein Onkel, meine Eltern, meine Schwester und Jing Jing! Damit war meine Welt perfekt und mein Hunger auch wieder da. So konnte ich die Teigtaschen in aller Ruhe essen und meiner Schwester noch einen schönen französischen Zopf flechten. Wir rannten noch gemeinsam durch den Flughafen und der zweite Abschied von meiner Familie fiel mir dann auch nicht mehr ganz so schwer. Ich würde nächstes Jahr wieder kommen - das war klar! Jing Jing blieb noch bei, mir bis ich durch die Sicherheitskontrolle musste. Wir waren nun beide zwei Jahre lang viel zusammen und dazwischen nur einmal zwei Monate getrennt. Unsere deutsch-chinesische Freundschaft ist auf jeden Fall ein wertvoller Schatz, den wir beide gut hüten werden!
Abschied-aber jetzt endgültig!
Danach hieß es aber endgültig tschüss sagen! Wir gingen durch den Sicherheitscheck und von dort an gab es kein Zurück mehr. Die chinesischen Sicherheitsbeamten, die eigentlich mein Handgepäck durchsuchen sollten, waren total begeistert von meiner bunt beschrifteten Schuluniformjacke, die ich die ganze Zeit an hatte. Dadurch war mein Gepäck doppelt so schnell durch den Scanner und statt einer Durchleuchtung musste ich tausend Fragen zu meinem Austauschjahr beantworten. Einer der Beamten kannte sogar meine Schule. Eine halbe Stunde später schwang sich dann unsere Boeing 747 wie ein Riesenadler in die Lüfte, um uns dann während der ersten zwei Flugstunden heil durch heftige Turbulenzen zu bringen!
Dienstag, 16. Juni 2009
Mainz: Das Open Ohr Festival
Ich wünschte wirklich, dass ich all die Dinge, die ich in diesem letzten Monat zu tun habe, auf die ersten so langweiligen paar Monate verteilen könnte, und es dadurch nicht dazu kommen würde, dass ich keine Zeit habe, hier zu schreiben.
Letzte Woche hat in Mainz ein riesiges vier Tage lang andauerndes Festival stattgefunden. Übersetzt heißt der Name „Offenes Ohr“. Es findet jedes Jahr statt, und daraus hat sich hier mittlerweile eine Art Kultur entwickelt. Ich hatte schon sehr früh davon gehört, aber ich hätte nicht gedacht, dass es in so einem großen Rahmen stattfindet.
Es ist ein großes Vergnügen für junge Leute, vier Tage lang kommen viele Menschen aus fast allen Bundesländern hier zusammen, um zu zelten, mitzumachen und die verschiedenen Programme des Festes mit anzuschauen. Während dieser Zeit treten viele verschiedene kleine renommierte Bands und Einzelkünstler auf, die ganz unterschiedliche Musikrichtungen spielen. Außerdem gibt es Vorträge von Autoren und Filmemachern über ihre Werke, es werden sehr viele Filme gezeigt, aber auch Theaterstücke und Sketche. Dieses Jahr war das Hauptthema des Festivals „Religion“ und daher hatten auch alle Aktivitäten etwas Religion zu tun. Für Kinder gab es ein spezielles Programm, darunter Geschichten vorlesen und alle möglichen Spiele.
Das Festival fand in einem ehemaligen Militärhauptquartier statt. Hier waren an verschiedenen Stellen insgesamt drei Bühnen und zwei Zelte aufgebaut. Dazu gab es noch eine große Rasenfläche und einen Kellerraum zum Projizieren der Filme. An der Straße stand ein kleiner Laden neben dem anderen, die meisten davon sehr gemütlich. Sie verkauften beliebte indische Kleidung und verschiedenen Schmuck. Darüber hinaus gab es eine kurze Imbissstraße, welche jedoch sehr viel zu bieten hatte. In diesen paar Tagen habe ich sehr viele Hippies zu Gesicht bekommen, deren große Reisebusse sich am Eingang drängten. Überall herrschte während dieser Zeit eine gemütlichte und freie Stimmung.
Das Eintrittsticket für das Festival wurde gegen eine Stoffkette getauscht, die man um das Handgelenk band. Die Kette war das Erkennungszeichen und der Ausweis beim Herein- und Herausgehen. Viele der jungen Leute begannen, diese zu sammeln, sodass ihre Handgelenke schließlich voll von bunten Armketten waren. Obwohl der Eintrittspreis für mich ziemlich hoch war, hat es sich sehr gelohnt. Das Festival fing am Freitagnachmittag an. Mein Gastbruder bereitete sich schon sehr früh darauf vor. Obgleich der Ort des Festivals nicht sehr weit von unserem Zuhause entfernt war, zog er einen ganzen Karren voll von Sachen hinter sich her, ja sogar ein Zelt nahm er mit, um dort mit seinen Freunden zu kampieren. Morgens wurde auf der Bühne am Berghang immer sehr schöne Jazzmusik gespielt. Die Band spielte auf einem hohen Niveau und war sehr beliebt. Als ich dorthin kam, wurde ich von meinen Mitschülern ganz nach vorne vor die Bühne in die Menschenmenge gezogen zum Tanzen. Anfangs fand ich das ein wenig komisch, aber später lies ich mich in diese Atmosphäre mit hineinziehen und war sehr glücklich. Ich ging mit meinen Freunden überall hin, wir saßen am Boden und hörten einem bekannten jüdischen Schriftsteller zu, der etwas über sein Buch erzählte, und wir sahen uns „Persepolis“ an, einen autobiographischen Cartoon der iranischen Künstlerin Marjane Satrapi, der zu einen Film gemacht worden ist. Obwohl ich mich nicht so für Religion und Politik interessiere, gefiel mir dieser Film, der die meiste Zeit über schwarz-weiß war. Die Musik am Abend fand auf der größten Bühne auf der Hauptwiese statt. Dazu war eine in Deutschland sehr bekannte Band eingeladen. Und wieder einmal erlebte ich in Deutschland ein Massengedränge, ich hätte niemals gedacht, dass so wahnsinnig viele Menschen kommen würden.
Am Sonntag gab es nicht so viele Programme, für die ich mich interessierte. Die Band, die am Nachmittag spielte, fand ich auch ziemlich langweilig, aber die letzte Akrobatikaufführung am Abend überraschte mich positiv. Es trat eine Gruppe von Menschen aus aller Herren Länder auf. Sie nutzten die ganze große Rasenfläche für ihre verschiedenen Kunststücke. Die Zuschauer wollten ihnen alle am liebsten überallhin folgen. Den größten Eindruck machte auf mich eine Frau in einem langen weißen Rock, die sich in einem großen Reifen drehte. Sie war bestens mit der Geschwindigkeit des Reifens vertraut und sprang zwischendurch immer hin und her, sie war so beweglich, dass es aussah, als wäre das mit dem Reifen ein Kinderspiel. Dann war da noch eine spanische junge Frau, welche grazil ein seidenes Band durch die Luft schwang. Am letzten Tag des Festivals saß ich am kleinen Berghang und hörte der Mainzer Musikschule beim Spielen zu, das war wirklich toll. Man konnte dort beim sitzen nicht nur der Musik zuhören, sondern gleichzeitig auch Menschen beim Üben und Proben zusehen. Sie spielten mit Diabolos, warfen sie nach oben, sodass diese sich drehten und fingen sie wie bei der Gymnastik mit dem Band, das sie in beiden Händen koordinieren mussten, wieder auf. Obwohl ich dort nicht gezeltet habe, verbrachte ich viel Zeit auf dem Zeltplatz, denn alle Freunde versammelten sich dort, grillten, quatschten und hatten Spaß. Überall tollte man herum und hörte Musik aus kleinen Lautsprechern. Was für ein unglaublich entspannter und fröhlicher Anblick.
Als die letzte Band dann keine Kraft mehr hatte, weiter zu spielen, waren die Menschen immer noch ganz aus dem Häuschen. Jeder hat es mit Sicherheit genossen, dort diese vier Tage zu verbringen. Ich bin sehr froh darüber, mich entschieden zu haben, dorthin zu gehen und am eigenen Leib die deutsche Festivalatmosphäre mitzuerleben und Spaß mit den anderen gehabt zu haben. Das Open Ohr Festival hat mich so begeistert, dass ich glaube, ich werde immer meine „Eintrittskarte“ ums Handgelenk tragen.
Letzte Woche hat in Mainz ein riesiges vier Tage lang andauerndes Festival stattgefunden. Übersetzt heißt der Name „Offenes Ohr“. Es findet jedes Jahr statt, und daraus hat sich hier mittlerweile eine Art Kultur entwickelt. Ich hatte schon sehr früh davon gehört, aber ich hätte nicht gedacht, dass es in so einem großen Rahmen stattfindet.
Es ist ein großes Vergnügen für junge Leute, vier Tage lang kommen viele Menschen aus fast allen Bundesländern hier zusammen, um zu zelten, mitzumachen und die verschiedenen Programme des Festes mit anzuschauen. Während dieser Zeit treten viele verschiedene kleine renommierte Bands und Einzelkünstler auf, die ganz unterschiedliche Musikrichtungen spielen. Außerdem gibt es Vorträge von Autoren und Filmemachern über ihre Werke, es werden sehr viele Filme gezeigt, aber auch Theaterstücke und Sketche. Dieses Jahr war das Hauptthema des Festivals „Religion“ und daher hatten auch alle Aktivitäten etwas Religion zu tun. Für Kinder gab es ein spezielles Programm, darunter Geschichten vorlesen und alle möglichen Spiele.
Das Festival fand in einem ehemaligen Militärhauptquartier statt. Hier waren an verschiedenen Stellen insgesamt drei Bühnen und zwei Zelte aufgebaut. Dazu gab es noch eine große Rasenfläche und einen Kellerraum zum Projizieren der Filme. An der Straße stand ein kleiner Laden neben dem anderen, die meisten davon sehr gemütlich. Sie verkauften beliebte indische Kleidung und verschiedenen Schmuck. Darüber hinaus gab es eine kurze Imbissstraße, welche jedoch sehr viel zu bieten hatte. In diesen paar Tagen habe ich sehr viele Hippies zu Gesicht bekommen, deren große Reisebusse sich am Eingang drängten. Überall herrschte während dieser Zeit eine gemütlichte und freie Stimmung.
Das Eintrittsticket für das Festival wurde gegen eine Stoffkette getauscht, die man um das Handgelenk band. Die Kette war das Erkennungszeichen und der Ausweis beim Herein- und Herausgehen. Viele der jungen Leute begannen, diese zu sammeln, sodass ihre Handgelenke schließlich voll von bunten Armketten waren. Obwohl der Eintrittspreis für mich ziemlich hoch war, hat es sich sehr gelohnt. Das Festival fing am Freitagnachmittag an. Mein Gastbruder bereitete sich schon sehr früh darauf vor. Obgleich der Ort des Festivals nicht sehr weit von unserem Zuhause entfernt war, zog er einen ganzen Karren voll von Sachen hinter sich her, ja sogar ein Zelt nahm er mit, um dort mit seinen Freunden zu kampieren. Morgens wurde auf der Bühne am Berghang immer sehr schöne Jazzmusik gespielt. Die Band spielte auf einem hohen Niveau und war sehr beliebt. Als ich dorthin kam, wurde ich von meinen Mitschülern ganz nach vorne vor die Bühne in die Menschenmenge gezogen zum Tanzen. Anfangs fand ich das ein wenig komisch, aber später lies ich mich in diese Atmosphäre mit hineinziehen und war sehr glücklich. Ich ging mit meinen Freunden überall hin, wir saßen am Boden und hörten einem bekannten jüdischen Schriftsteller zu, der etwas über sein Buch erzählte, und wir sahen uns „Persepolis“ an, einen autobiographischen Cartoon der iranischen Künstlerin Marjane Satrapi, der zu einen Film gemacht worden ist. Obwohl ich mich nicht so für Religion und Politik interessiere, gefiel mir dieser Film, der die meiste Zeit über schwarz-weiß war. Die Musik am Abend fand auf der größten Bühne auf der Hauptwiese statt. Dazu war eine in Deutschland sehr bekannte Band eingeladen. Und wieder einmal erlebte ich in Deutschland ein Massengedränge, ich hätte niemals gedacht, dass so wahnsinnig viele Menschen kommen würden.
Am Sonntag gab es nicht so viele Programme, für die ich mich interessierte. Die Band, die am Nachmittag spielte, fand ich auch ziemlich langweilig, aber die letzte Akrobatikaufführung am Abend überraschte mich positiv. Es trat eine Gruppe von Menschen aus aller Herren Länder auf. Sie nutzten die ganze große Rasenfläche für ihre verschiedenen Kunststücke. Die Zuschauer wollten ihnen alle am liebsten überallhin folgen. Den größten Eindruck machte auf mich eine Frau in einem langen weißen Rock, die sich in einem großen Reifen drehte. Sie war bestens mit der Geschwindigkeit des Reifens vertraut und sprang zwischendurch immer hin und her, sie war so beweglich, dass es aussah, als wäre das mit dem Reifen ein Kinderspiel. Dann war da noch eine spanische junge Frau, welche grazil ein seidenes Band durch die Luft schwang. Am letzten Tag des Festivals saß ich am kleinen Berghang und hörte der Mainzer Musikschule beim Spielen zu, das war wirklich toll. Man konnte dort beim sitzen nicht nur der Musik zuhören, sondern gleichzeitig auch Menschen beim Üben und Proben zusehen. Sie spielten mit Diabolos, warfen sie nach oben, sodass diese sich drehten und fingen sie wie bei der Gymnastik mit dem Band, das sie in beiden Händen koordinieren mussten, wieder auf. Obwohl ich dort nicht gezeltet habe, verbrachte ich viel Zeit auf dem Zeltplatz, denn alle Freunde versammelten sich dort, grillten, quatschten und hatten Spaß. Überall tollte man herum und hörte Musik aus kleinen Lautsprechern. Was für ein unglaublich entspannter und fröhlicher Anblick.
Als die letzte Band dann keine Kraft mehr hatte, weiter zu spielen, waren die Menschen immer noch ganz aus dem Häuschen. Jeder hat es mit Sicherheit genossen, dort diese vier Tage zu verbringen. Ich bin sehr froh darüber, mich entschieden zu haben, dorthin zu gehen und am eigenen Leib die deutsche Festivalatmosphäre mitzuerleben und Spaß mit den anderen gehabt zu haben. Das Open Ohr Festival hat mich so begeistert, dass ich glaube, ich werde immer meine „Eintrittskarte“ ums Handgelenk tragen.
Sonntag, 14. Juni 2009
高一(11)班 Klasse 11-unser gemeinsamer Weg
Mein Austauschjahr geht langsam dem Ende zu und das bedeutet Abschied nehmen. Abschied unter anderem auch von meiner Schule und meiner chinesischen Klasse - High School Jahrgangsstufe 1 Klasse 11. Ich finde, dieser Abschied ist ein kleiner Rückblick wert-ein Rückblick drauf was wir gemeinsam erlebt haben und wie ich nach und nach Teil dieser Klasse wurde.
Der Weg mit meiner Klasse war wie ein Flussbett. An der Quelle springt das Wasser mit viel Hoffnung aus dem Felsen, doch die Steine im Bachbett sind groß. Langsam trägt das Wasser die Steine ab, die so flussabwärts immer kleiner werden und an der Flussmündung am Meer bestehten sie nur noch aus feinem Standstrand.
Aller Anfang ist schwer...
...und dieser war es besonders. Nicht zuletzt durch die riesige Sprachbarriere, vor der ich am Anfang stand. Mit meinen zwei Sätzen Chinesisch konnte ich nicht weit kommen. Ich war sehr sehr dankbar, dass sich einige Klassenkameraden durchrangen, mit mir Englisch zu sprechen, was in China nicht selbstverständlich ist. Viele Mitschüler grüßten mich zwar gerne mit „Hello“ aber das war dann auch schon das Ende der Unterhaltung. In Deutschland freuen sich die Meisten eher wenn sie eine Chance bekommen, Englisch, Französisch, Spanisch usw. zu reden. Ich habe es ganz besonders bei meiner Gastschwester gemerkt, wie wichtig Sprache ist und wie wichtig es ist, diese Hemmschwelle zu überwinden. Wir beide wussten zu Beginn auch nicht richtig, wie wir miteinander kommunizieren sollten, doch irgendwann verloren wir unsere Scheu und jetzt unterhält sich meine Schwester fließend mit mir in Englisch.
Doch der Wille zur Überwindung der Sprachbarriere um ao ein Teil meiner chinesischen Klasse zu werden, war der beste Motivator für mich. Ich hatte immer sofort die Möglichkeit, meine neu gelernten Vokabeln anzuwenden und hatte ein ständiges Ziel vor Augen. Oft konnte ich auch heimlich beobachten wie meine Mitschüler mit einem kleinen Grinsen im Gesicht durch mein chinesisches Buch blätterten und sich fragten wie wohl ein Ausländer chinesisch lernt. Auch heute noch bitte ich meine Klassenkameraden gerne um Hilfe bei meinen Chinesisch Hausaufgaben.
Schulaktivitäten helfen
Zunächst war das Interesse meiner Klasse an ihrer neuen Mitschülerin sehr groß. Manchmal war es schon etwas beängstigend, wie sich alle um einen kümmerten und ich kam mir vor wie ein exotischer Vogel im Zoo. Lernen und vor allem akzeptieren musste ich zunächst auch, dass in China manche Leute Freundschaften mit Ausländern schließen wollen, weil man ein Ausländer ist und nicht, weil sie dich selbst als Person interessant finden. In Deutschland ist es im Vergleich dazu nichts Besonderes, mit einem Ausländer befreundet zu sein. Außerdem wusste ich zunächst nicht so richtig, was ich mit meinen Mitschülern anfangen sollte, wie und vor allem WAS sollte ich mit ihnen reden? Ich hatte damals keine Ahnung für was sich chinesische Jugendlich interessieren.
Besonders schulische Aktivitäten halfen mir, eine immer engere Verbindung zu meiner Klasse und auch zu meiner gesamten Schule zu bekommen. Während in Deutschland fünf Minuten nach Schulschluss das Schulgebäude komplett leergefegt ist, kommt es oft vor, dass wir hier in China eine Stunde nach dem Klingelton immer noch zusammen sitzen und plaudern, die Jungs spielen Basketball und wer noch Fragen zum Unterricht hat, besucht die Lehrerzimmer. Um Neujahr herum hatte ich zum ersten Mal richtig das Gefühl, in meiner Schule und meiner Klasse angekommen zu sein. Das Gefühl, richtige Freunde zu haben hat mit zur Halbzeit meines Austauschjahres viel Mut für den Rest meines Aufenthaltes gemacht. Doch dann kam der AFS Ausflug nach Yunnan, die Reise nach Zhuhai, Macao und Hongkong (siehe Blogeintrag Januar), das Treffen mit den vielen anderen Austauschschülern in den Winterferien. Diese Ferien waren mit die schönsten meines Lebens, doch während ich Spaß hatte und umherreiste, saßen meine Klassenkameraden an ihren Hausaufgaben. Auf einmal schien der Faden wieder gerissen zu sein und ich hatte Bammel vor dem Schulbeginn.
Das zweite Halbjahr
Ganz so schlimm wie befürchtet wurde der Einstieg dann doch nicht. Vielleicht war es der zweimalige Sitzplatzwechsel (siehe Blogeintrag Februar), durch den ich wieder mehr Klassenkameraden besser kennenlernte, vielleicht war es das Englischvideo (siehe Blogeintrag März), das die Freundschaft mit einigen Mitschülern vertiefte, vielleicht war es meine Gastschwester, die mir Mut machte, wenn sie mich ermunterte einfach mit irgendjemand zu sprechen, auch wenn ich nur ein scheinbar dumme Frage stellte. Ich glaube, am Ende war es einfach das Zusammenspiel mehrerer Faktoren. Leider wechselte meine beste Freundin unter den Austauschschülern in Shanghai in eine andere Stadt und ich verlor auf einmal eine wichtige Stütze. Doch irgendwie hat mir das auch die Augen geöffnet. Ich dachte jetzt kommt der große Fall, doch es war kein Abgrund mehr vorhanden. Stattdessen ein Gefühl von Dazugehören, Akzeptanz und Toleranz. Ich wusste plötzlich, dass es - außer in meiner Gastfamilie - noch einen weiteren Ort gibt, an dem ich mich absolut wohl und nicht fremd fühle - meine Schule. Ich hätte nie gedacht, dass ich einmal so gerne in eine chinesische Schule gehen würde. Das liegt nicht am chinesischen Bildungssystem, dem ich das Deutsche weiterhin vorziehe, sondern es liegt an unserem Klassenzusammenhalt. Wenn ich anderen Austauschschülern, die mit mir in China sind, von meiner Klasse und meiner Schule erzähle beneiden sie mich oft ein wenig, weil alle wissen, wie schwer es ist für einen Ausländer ist, in einer chinesischen Klasse wirklich Anschluss zu finden, denn gerade im Jugendalter sind chinesische und westliche Jugendliche sehr verschieden. Manchmal sind es auch die Lehrer, die Freundschaften verhindern, denn sie glauben ihre Schüler könnten vom Lernen abgehalten werden. So ist es einer Freundin von mir passiert, die ihr Austauschjahr an einer der besten Schulen Shanghais verbringt. Als in der Mittagspause ihre Mitschüler mit ihr plauderten, statt zu lernen, bekamen sie vom Lehrer eine Rüge. Das ist für uns unvorstellbar, doch gerade in den sogenannten Eliteschulen in China fast normal. Deshalb bin ich froh, dass meine Schule nicht so streng ist und die Schüler nicht ganz so viel lernen müssen - leider aber immer noch genug.
Unvergesslich
Es wird immer Lehrer geben, die man netter findet als andere. Doch eine Lehrerin werde ich nie vergessen - meine Klassenlehrerin. In Deutschland reden Schüler mit wenigen Lehrern auch nach dem Unterricht noch ein bisschen und wenn man einen Lehrer auf der Straße trifft, was in meiner kleinen Stadt in Deutschland des Öfteren vorkommt, wünscht sich der eine oder andere dann doch gerne, dass sich der Boden auftut und einen verschlucken möge. Meine Klassenlehrerin jedoch muss jeden Tag Überstunden machen und ich glaube fast, sie macht es gerne. Sie tut es für ihre Schüler. Sie redet mit ihnen über ihrer Probleme und die Schüler kommen gerne zu ihr. Sie versucht, ihre Schüler zu verstehen und hat nicht nur die Mitarbeit im Unterricht und den Notenspiegel vor den Augen. Sie erkennt die Vorblieben und Vorzüge ihrer Schüler und bringt den einen oder anderen auch mal dazu über seinen Schatten zu springen und aus sich herauszugehen. Sie ist außerdem für FAST jeden Spaß zu haben. Wenn ich Hilfe brauche oder gerne Mal einen Tag oder Nachmittag frei hätte, frage ich sie lieb und sie hilft mir immer gerne und lässt mich auch mal gehen. Schwänzen muss ich bei ihr nicht.
Examen-nicht nur für chinesische Schüler der Horror
Examenzeiten sind für chinesische Schüler der blanke Horror. Es muss gelernt werden bis zum Geht- Nicht- Mehr. In dieser Zeit beneiden mich alle Mitschüler immer besonders, weil ich keine Klassenarbeiten mitschreiben muss-könnte ich auch gar nicht, denn ich verstehe sowieso kein Wort. In Wirklichkeit heißt das für mich immer viele langweilige, öde Hohlstunden und dann noch zwei endlos lange Tage, an denen der einzige Lichtblick meine zwei Chinesisch Stunden sind. Für meine Mitschüler ist es schwer zu glauben, dass ich Computerspiele hasse und stattdessen alleine in der Bibliothek sitze und mich langweile. Wenn ich in der Mittagspause ins Klassenzimmer zurückkomme fragen immer alle wie ich meine Zeit verbracht habe und finden dass ich eigentlich der glücklichste Mensch der Welt sein müsste. So unglaublich es sich anhört, ich würde an diesen Tagen immer viel dafür geben, mit ihnen gemeinsam zusammenzusitzen, Matheprobleme zu lösen, sich gegenseitig Geschichte abzufragen und schließlich Klassenarbeiten zu schreiben. Alles ist tausendmal besser als Langeweile-so richtig verstehen kann das nur keiner. Wenn die Examen vorbei sind bin ich jedes Mal mindestens genauso erleichtert wie meine Mitschüler.
Es heißt Abschied nehmen
Nun da wir uns alle zusammengerauft haben und ein dickes Band der Freundschaft entstanden ist, sollen sich unsere Wege wieder trennen. Allein beim Gedanken daran wird es mir flau im Magen. Ich bin zwar in meiner Schule weiterhin die Ausländerin mit der komischen Aussprache und die auch manchmal vielleicht ein bisschen verrückt ist, doch ich gehöre zu meiner Klasse, genauso wie meine Klasse und meine Freunde zu mir und meinem Leben hier gehören. Doch der Abschied kommt. Es werden Tränen fließen und ich werde schweren Herzens gehen müssen. Jetzt wo das Flusswasser den Weg ins Meer geschafft hat und die Steine zu Sand wurden, jetzt geht die Sonne unter. Doch eine Sonnenuntergang bedeutet auch immer, dass es wieder einen Sonnenaufgang geben wird! Ich komme wieder! Denn die nächsten Sommerferien kommen bestimmt.
Der Weg mit meiner Klasse war wie ein Flussbett. An der Quelle springt das Wasser mit viel Hoffnung aus dem Felsen, doch die Steine im Bachbett sind groß. Langsam trägt das Wasser die Steine ab, die so flussabwärts immer kleiner werden und an der Flussmündung am Meer bestehten sie nur noch aus feinem Standstrand.
Aller Anfang ist schwer...
...und dieser war es besonders. Nicht zuletzt durch die riesige Sprachbarriere, vor der ich am Anfang stand. Mit meinen zwei Sätzen Chinesisch konnte ich nicht weit kommen. Ich war sehr sehr dankbar, dass sich einige Klassenkameraden durchrangen, mit mir Englisch zu sprechen, was in China nicht selbstverständlich ist. Viele Mitschüler grüßten mich zwar gerne mit „Hello“ aber das war dann auch schon das Ende der Unterhaltung. In Deutschland freuen sich die Meisten eher wenn sie eine Chance bekommen, Englisch, Französisch, Spanisch usw. zu reden. Ich habe es ganz besonders bei meiner Gastschwester gemerkt, wie wichtig Sprache ist und wie wichtig es ist, diese Hemmschwelle zu überwinden. Wir beide wussten zu Beginn auch nicht richtig, wie wir miteinander kommunizieren sollten, doch irgendwann verloren wir unsere Scheu und jetzt unterhält sich meine Schwester fließend mit mir in Englisch.
Doch der Wille zur Überwindung der Sprachbarriere um ao ein Teil meiner chinesischen Klasse zu werden, war der beste Motivator für mich. Ich hatte immer sofort die Möglichkeit, meine neu gelernten Vokabeln anzuwenden und hatte ein ständiges Ziel vor Augen. Oft konnte ich auch heimlich beobachten wie meine Mitschüler mit einem kleinen Grinsen im Gesicht durch mein chinesisches Buch blätterten und sich fragten wie wohl ein Ausländer chinesisch lernt. Auch heute noch bitte ich meine Klassenkameraden gerne um Hilfe bei meinen Chinesisch Hausaufgaben.
Schulaktivitäten helfen
Zunächst war das Interesse meiner Klasse an ihrer neuen Mitschülerin sehr groß. Manchmal war es schon etwas beängstigend, wie sich alle um einen kümmerten und ich kam mir vor wie ein exotischer Vogel im Zoo. Lernen und vor allem akzeptieren musste ich zunächst auch, dass in China manche Leute Freundschaften mit Ausländern schließen wollen, weil man ein Ausländer ist und nicht, weil sie dich selbst als Person interessant finden. In Deutschland ist es im Vergleich dazu nichts Besonderes, mit einem Ausländer befreundet zu sein. Außerdem wusste ich zunächst nicht so richtig, was ich mit meinen Mitschülern anfangen sollte, wie und vor allem WAS sollte ich mit ihnen reden? Ich hatte damals keine Ahnung für was sich chinesische Jugendlich interessieren.
Besonders schulische Aktivitäten halfen mir, eine immer engere Verbindung zu meiner Klasse und auch zu meiner gesamten Schule zu bekommen. Während in Deutschland fünf Minuten nach Schulschluss das Schulgebäude komplett leergefegt ist, kommt es oft vor, dass wir hier in China eine Stunde nach dem Klingelton immer noch zusammen sitzen und plaudern, die Jungs spielen Basketball und wer noch Fragen zum Unterricht hat, besucht die Lehrerzimmer. Um Neujahr herum hatte ich zum ersten Mal richtig das Gefühl, in meiner Schule und meiner Klasse angekommen zu sein. Das Gefühl, richtige Freunde zu haben hat mit zur Halbzeit meines Austauschjahres viel Mut für den Rest meines Aufenthaltes gemacht. Doch dann kam der AFS Ausflug nach Yunnan, die Reise nach Zhuhai, Macao und Hongkong (siehe Blogeintrag Januar), das Treffen mit den vielen anderen Austauschschülern in den Winterferien. Diese Ferien waren mit die schönsten meines Lebens, doch während ich Spaß hatte und umherreiste, saßen meine Klassenkameraden an ihren Hausaufgaben. Auf einmal schien der Faden wieder gerissen zu sein und ich hatte Bammel vor dem Schulbeginn.
Das zweite Halbjahr
Ganz so schlimm wie befürchtet wurde der Einstieg dann doch nicht. Vielleicht war es der zweimalige Sitzplatzwechsel (siehe Blogeintrag Februar), durch den ich wieder mehr Klassenkameraden besser kennenlernte, vielleicht war es das Englischvideo (siehe Blogeintrag März), das die Freundschaft mit einigen Mitschülern vertiefte, vielleicht war es meine Gastschwester, die mir Mut machte, wenn sie mich ermunterte einfach mit irgendjemand zu sprechen, auch wenn ich nur ein scheinbar dumme Frage stellte. Ich glaube, am Ende war es einfach das Zusammenspiel mehrerer Faktoren. Leider wechselte meine beste Freundin unter den Austauschschülern in Shanghai in eine andere Stadt und ich verlor auf einmal eine wichtige Stütze. Doch irgendwie hat mir das auch die Augen geöffnet. Ich dachte jetzt kommt der große Fall, doch es war kein Abgrund mehr vorhanden. Stattdessen ein Gefühl von Dazugehören, Akzeptanz und Toleranz. Ich wusste plötzlich, dass es - außer in meiner Gastfamilie - noch einen weiteren Ort gibt, an dem ich mich absolut wohl und nicht fremd fühle - meine Schule. Ich hätte nie gedacht, dass ich einmal so gerne in eine chinesische Schule gehen würde. Das liegt nicht am chinesischen Bildungssystem, dem ich das Deutsche weiterhin vorziehe, sondern es liegt an unserem Klassenzusammenhalt. Wenn ich anderen Austauschschülern, die mit mir in China sind, von meiner Klasse und meiner Schule erzähle beneiden sie mich oft ein wenig, weil alle wissen, wie schwer es ist für einen Ausländer ist, in einer chinesischen Klasse wirklich Anschluss zu finden, denn gerade im Jugendalter sind chinesische und westliche Jugendliche sehr verschieden. Manchmal sind es auch die Lehrer, die Freundschaften verhindern, denn sie glauben ihre Schüler könnten vom Lernen abgehalten werden. So ist es einer Freundin von mir passiert, die ihr Austauschjahr an einer der besten Schulen Shanghais verbringt. Als in der Mittagspause ihre Mitschüler mit ihr plauderten, statt zu lernen, bekamen sie vom Lehrer eine Rüge. Das ist für uns unvorstellbar, doch gerade in den sogenannten Eliteschulen in China fast normal. Deshalb bin ich froh, dass meine Schule nicht so streng ist und die Schüler nicht ganz so viel lernen müssen - leider aber immer noch genug.
Unvergesslich
Es wird immer Lehrer geben, die man netter findet als andere. Doch eine Lehrerin werde ich nie vergessen - meine Klassenlehrerin. In Deutschland reden Schüler mit wenigen Lehrern auch nach dem Unterricht noch ein bisschen und wenn man einen Lehrer auf der Straße trifft, was in meiner kleinen Stadt in Deutschland des Öfteren vorkommt, wünscht sich der eine oder andere dann doch gerne, dass sich der Boden auftut und einen verschlucken möge. Meine Klassenlehrerin jedoch muss jeden Tag Überstunden machen und ich glaube fast, sie macht es gerne. Sie tut es für ihre Schüler. Sie redet mit ihnen über ihrer Probleme und die Schüler kommen gerne zu ihr. Sie versucht, ihre Schüler zu verstehen und hat nicht nur die Mitarbeit im Unterricht und den Notenspiegel vor den Augen. Sie erkennt die Vorblieben und Vorzüge ihrer Schüler und bringt den einen oder anderen auch mal dazu über seinen Schatten zu springen und aus sich herauszugehen. Sie ist außerdem für FAST jeden Spaß zu haben. Wenn ich Hilfe brauche oder gerne Mal einen Tag oder Nachmittag frei hätte, frage ich sie lieb und sie hilft mir immer gerne und lässt mich auch mal gehen. Schwänzen muss ich bei ihr nicht.
Examen-nicht nur für chinesische Schüler der Horror
Examenzeiten sind für chinesische Schüler der blanke Horror. Es muss gelernt werden bis zum Geht- Nicht- Mehr. In dieser Zeit beneiden mich alle Mitschüler immer besonders, weil ich keine Klassenarbeiten mitschreiben muss-könnte ich auch gar nicht, denn ich verstehe sowieso kein Wort. In Wirklichkeit heißt das für mich immer viele langweilige, öde Hohlstunden und dann noch zwei endlos lange Tage, an denen der einzige Lichtblick meine zwei Chinesisch Stunden sind. Für meine Mitschüler ist es schwer zu glauben, dass ich Computerspiele hasse und stattdessen alleine in der Bibliothek sitze und mich langweile. Wenn ich in der Mittagspause ins Klassenzimmer zurückkomme fragen immer alle wie ich meine Zeit verbracht habe und finden dass ich eigentlich der glücklichste Mensch der Welt sein müsste. So unglaublich es sich anhört, ich würde an diesen Tagen immer viel dafür geben, mit ihnen gemeinsam zusammenzusitzen, Matheprobleme zu lösen, sich gegenseitig Geschichte abzufragen und schließlich Klassenarbeiten zu schreiben. Alles ist tausendmal besser als Langeweile-so richtig verstehen kann das nur keiner. Wenn die Examen vorbei sind bin ich jedes Mal mindestens genauso erleichtert wie meine Mitschüler.
Es heißt Abschied nehmen
Nun da wir uns alle zusammengerauft haben und ein dickes Band der Freundschaft entstanden ist, sollen sich unsere Wege wieder trennen. Allein beim Gedanken daran wird es mir flau im Magen. Ich bin zwar in meiner Schule weiterhin die Ausländerin mit der komischen Aussprache und die auch manchmal vielleicht ein bisschen verrückt ist, doch ich gehöre zu meiner Klasse, genauso wie meine Klasse und meine Freunde zu mir und meinem Leben hier gehören. Doch der Abschied kommt. Es werden Tränen fließen und ich werde schweren Herzens gehen müssen. Jetzt wo das Flusswasser den Weg ins Meer geschafft hat und die Steine zu Sand wurden, jetzt geht die Sonne unter. Doch eine Sonnenuntergang bedeutet auch immer, dass es wieder einen Sonnenaufgang geben wird! Ich komme wieder! Denn die nächsten Sommerferien kommen bestimmt.
Montag, 1. Juni 2009
AFS-Midstay-Camp auf Hallig Hooge
Von Hamburg aus fuhr ich gemeinsam mit einem chinesischen Mädchen, welches ebenfalls am Camp teilnahm, im Zug bis Husum, einer kleinen Küstenstadt, welche die einzige ist, von welcher aus Schiffe zur Hallig Hooge fahren. Am Bahnhof trafen wir die anderen Austauschschüler und AFSler, mit welchen wir zusammen das Wochenende verbringen würden. Insgesamt waren wir 24 Leute aus aller Herren Länder. Ich war überrascht, dass darunter sieben Chinesen waren, davon zwei Landsleute aus Hongkong. Aus dieser Anzahl von Leuten ergaben sich letztendlich drei Hauptsprachen, in denen wir uns unterhielten, nämlich Deutsch, Spanisch und Chinesisch.
Nachdem wir ungefähr eine halbe Stunde mit dem Bus gefahren waren, erblickten wir schließlich das ungemein friedlich daliegende Meer. Alle waren ziemlich aufgeregt und schossen Fotos wie die Verrückten. Die Schifffahrt dauerte etwas eine Stunde, dabei spürten wir am eigenen Körper den starken Meereswind, sahen, wie die kleine Insel in der Ferne allmählich näher rückte und die Postkartenlandschaft vor unseren Augen Wirklichkeit wurde. Bis zu unserer Unterkunft hatten wir einen nicht ganz kurzen Fußweg zurückzulegen, bei dem wir einen ersten Eindruck von der Landschaft und Umgebung dieser kleinen Insel bekamen. Um uns herum war es so ruhig, dass wir nur unsere eigenen Stimmen hören konnten. Nur in der Ferne konnte man ein paar verstreute Häuser, ab und zu ein sich schlängelndes Flüsschen und Kühe und Pferde sehen, die uns geruhsam ansahen als wir vorbeigingen. Natur pur…Wir wohnten in der Naturüberwachungsstation von Hooge, welche zum Nationalpark des hiesigen Seegebiets gehört und Touristen allerlei Informationen zur Verfügung stellt. Als wir dort ankamen, stellten sich als erstes alle Mitarbeiter vor. Die meisten von ihnen waren junge Studenten, die hier ein Jahr freiwillig arbeiten. (Ich finde, man muss großen Mut haben, auf so einer kleinen, ruhigen Insel zu arbeiten, aber eine solche Erfahrung ist natürlich sehr wertvoll). Danach wurden die Zimmer aufgeteilt. Da wir zu viele waren, mussten einige von uns ihr Schlaflager auf dem Boden aufschlagen. Die Motive der Zimmer waren verschiedene Nationalparks weltweit. In den Gängen gab es viele Informationen über das Meer, das Land und die Tiere. An allen Orten, wo man Ressourcen nutzte (Wasserhähne, Lichtschalter…), war angeschrieben, wie viel davon in einer bestimmten Zeit verbraucht wird. Der verbrauch wurde dann anhand von Beispielen in für uns leichter verständliche Zahlen umgerechnet.
Um unsere Verpflegung mussten wir uns selbst kümmern. Im Speiseraum war es sehr eng, aber alle aßen in bester Laune. Auf dem Abendprogramm stand das gegenseitige Kennenlernen. Anschließend wurden noch einige Grundregeln und Aktivitäten verkündet. Danach suchten wir auf drei Karten unseren Standort, auf der Weltkarte, auf einer Deutschlandkarte und auf einer Karte, wo Kiel zu sehen war, die Stadt in der wir im Anschluss zwei Wochen verbringen werden. Es war sehr interessant, wie wir uns hier aus aller Welt kommend versammelt hatten…
Am zweiten Tag wollten wir eigentlich früh aufstehen und zum Meer gehen, aber wir waren in die falsche Richtung gelaufen und hatten dann nicht mehr genug Zeit. Das Programm an diesem Morgen war es, Hooge kennenzulernen. Als erstes zeigten uns die Mitarbeiter Hooge mittels einer Powerpoint-Präsentation und informierten uns über diesen Nationalpark. Anschließend machten wir uns, in kleine Gruppen aufgeteilt, auf den Weg. Wir kamen an einem Restaurant, einem Laden usw. vorbei, bis wir ein sehr altes Haus mit einer seltsam geformten weißen Tür erreichten. Erst nach langen Erklärungen verstand ich, dass es Knochen eines Wales waren, den die Menschen, die hier früher gelebt haben, aus dem Meer gefischt hatten. Wir setzten unseren Weg entlang des kleinen Pfades fort und kamen zur Schule dieser kleinen Insel. Es gibt dort nur vier Schüler und zwei Lehrer (von denen einer auch ein Freiwilliger ist). Schließlich leben aber auch nur knapp über 100 Bewohner auf der Insel. Die Erklärungen der Mitarbeiter, wie der Unterricht aussieht, überraschten mich gar nicht, denn ich assoziierte das mit den „Grundschulen der Hoffnung“ in den Bergregionen Chinas, in welchen sehr schlechte Bedingungen herrschen. Anschließend gingen wir zu der sehr alten kleinen Kirche der Insel, welche von außen sehr einladend und gemütlich aussah. Der Friedhof hatte eine Besonderheit, die Anzahl der Sterbefälle nämlich übersteigt die Kapazitäten des Friedhofes. Daher geht es nicht anders, als dass ein Grabstein von Mehreren genutzt wird, selbst wenn diese nicht aus derselben Familie stammten. Der Boden in der kleinen Kirche bestand aus Sand und die Holzbänke wiesen das Alter der Kirche aus. Im hinteren Teil stand eine kleine Orgel und an der Decke hingen exquisite Schiffsmodelle. Nach dem wir wieder hinausgegangen waren, legten wir uns auf die Wiese zum Sonnen. Wir hatten wirklich Glück mit dem Wetter.
Das Nachmittagsprogramm an diesem Tag war für mich am interessantesten. Wir wanderten bei Ebbe barfuss ins Watt. Das ist eine Eigenart des Meeres, anfangs wagte ich nicht zu glauben, dass wir dort wirklich herumgehen würden, aber letztendlich war genau das das Interessanteste. Zunächst war es für alle ein wenig schwierig, den einen Fuß aus dem Schlamm zu ziehen, während der andere gerade darin versank, mal versank er ganz tief, mal trat man auf eine Muschel, an der man sich schneiden konnte und stieß einen Schrei aus - unseren Füßen, die bereits vom Schlamm „verschluckt“ waren, war das letztendlich total egal. Wir folgten den Mitarbeitern überall hin, sahen sehr viele verschiedene Tiere, gruben aus der Tiefe viele Wattwürmer aus, sahen, wie sich Muscheln in die Erde hineinbohrten, entdeckten kleine Fischchen, die sich um Seegras tummelten und sammelten kleine Krabben. Wo es Wasser gab, wuschen wir schleunigst unsere Füße ab. Dann spielten wir noch ein sehr interessantes Spiel: Alle mussten sich in einer Reihe aufstellen, dann die Augen schließen und nach Gefühl 100 Schritte nach vorne gehen. Ich war sehr erstaunt als ich meine Augen wieder öffnete und alle, die vorher in einer Reihe gestanden hatten, nun verteilt an verschiedenen Plätzen standen, und zwar total durcheinander! Es gab fast keine zwei Leute, die dieselbe Richtung genommen hatten! Der Meereswind bläst aus allen Richtungen und zerstört so völlig die Sinneswahrnehmung. Nachdem diese Aktivität beendet war, drängten sich alle um einen Wasserhahn, um sich die Füße mit sehr kaltem Wasser abzuwaschen! Zum Schluss sah man über dem Watt langsam Nebel aufkommen.
Am letzten Tag fuhren wir aufs Meer zum Angeln! Wir bestiegen ein Boot im Hafen auf der anderen Seite. Es war nicht sehr groß, aber die Umgebung wunderschön und wie bisher sehr ruhig. Alle drängten sich auf dem kleinen Boot und schauten auf das Meer hinaus, wie es sich am Horizont mit dem Himmel verband. Wir hatten Glück und fingen viele verschiedene Fische, Krabben und andere kleine Meerestiere (manche davon sahen ganz schön komisch aus). Die Leute vom Boot kannten sich sehr gut mit jeder einzelnen Tierart aus und erklärten uns sehr viel dazu. Das war wirklich interessant. Die anderen Parkmitarbeiter, die mit uns gekommen waren, saßen neben uns und machten sich dazu Notizen. Sie notierten die Menge an Tieren einer Art, die wir herausgeholt hatten und berechneten deren Anzahl und Bestand in diesem Meeresabschnitt. Als wir wieder zurückgekehrt waren, sahen wir uns einen Film über die Stürme an, die Hooge heimgesucht haben. Das Wasser stand bis zu den Türen der Häuser, alle Gegenstände mussten an höhere Plätze gestellt werden. Mir wurde schon beim Ansehen Angst und Bange…
Nachdem wir wieder bei unserem Quartier angekommen waren, sollte jeder seine Meinung über das Wochenende äußern und dann spielten wir noch ein paar AFS-Spiele und bedankten uns sehr herzlich bei den dortigen Angestellten. Unser Wochenende neigte sich dem Ende zu, aber keiner hätte gedacht, dass es noch in der letzten Sekunde zu regnen anfangen würde. Nachdem alle ihre Sachen zusammengepackt hatten, mussten wir eilig los, um unser Boot zu erwischen. Wir wurden von oben bis unten nass, setzten aber brav unseren Weg fort. Der Regen wurde immer stärker, und alle waren bis auf die Haut durchweicht, trotzdem schafften wir die 20 Minuten Fußweg… Das Boot war schon voller Menschen und in der Kabine herrschte großer Andrang. Zum Glück fanden wir draußen beim Maschinenraum noch einen kleinen Raum, aus dem ununterbrochen warme Luft strömte, was besseres konnte uns gar nicht passieren, da wir schon starr vor Kälte waren. Nach diesen Strapazen und der endlosen Fahrt waren alle vollkommen erschöpft. Nach dem Verlassen des Bootes mussten wir wiederum eine halbe Stunde mit dem Bus fahren. Alle waren völlig durchnässt und man fühlte sich einfach schlecht. Schließlich bestiegen wir dann unseren Zug in Richtung Kiel, wo wir die nächsten zwei Wochen verbringen würden.
Hooge hat sich uns mit sehr schönen Erinnerungen eingeprägt, und ich werde immer erfüllt von Ruhe daran zurückdenken.
Nachdem wir ungefähr eine halbe Stunde mit dem Bus gefahren waren, erblickten wir schließlich das ungemein friedlich daliegende Meer. Alle waren ziemlich aufgeregt und schossen Fotos wie die Verrückten. Die Schifffahrt dauerte etwas eine Stunde, dabei spürten wir am eigenen Körper den starken Meereswind, sahen, wie die kleine Insel in der Ferne allmählich näher rückte und die Postkartenlandschaft vor unseren Augen Wirklichkeit wurde. Bis zu unserer Unterkunft hatten wir einen nicht ganz kurzen Fußweg zurückzulegen, bei dem wir einen ersten Eindruck von der Landschaft und Umgebung dieser kleinen Insel bekamen. Um uns herum war es so ruhig, dass wir nur unsere eigenen Stimmen hören konnten. Nur in der Ferne konnte man ein paar verstreute Häuser, ab und zu ein sich schlängelndes Flüsschen und Kühe und Pferde sehen, die uns geruhsam ansahen als wir vorbeigingen. Natur pur…Wir wohnten in der Naturüberwachungsstation von Hooge, welche zum Nationalpark des hiesigen Seegebiets gehört und Touristen allerlei Informationen zur Verfügung stellt. Als wir dort ankamen, stellten sich als erstes alle Mitarbeiter vor. Die meisten von ihnen waren junge Studenten, die hier ein Jahr freiwillig arbeiten. (Ich finde, man muss großen Mut haben, auf so einer kleinen, ruhigen Insel zu arbeiten, aber eine solche Erfahrung ist natürlich sehr wertvoll). Danach wurden die Zimmer aufgeteilt. Da wir zu viele waren, mussten einige von uns ihr Schlaflager auf dem Boden aufschlagen. Die Motive der Zimmer waren verschiedene Nationalparks weltweit. In den Gängen gab es viele Informationen über das Meer, das Land und die Tiere. An allen Orten, wo man Ressourcen nutzte (Wasserhähne, Lichtschalter…), war angeschrieben, wie viel davon in einer bestimmten Zeit verbraucht wird. Der verbrauch wurde dann anhand von Beispielen in für uns leichter verständliche Zahlen umgerechnet.
Um unsere Verpflegung mussten wir uns selbst kümmern. Im Speiseraum war es sehr eng, aber alle aßen in bester Laune. Auf dem Abendprogramm stand das gegenseitige Kennenlernen. Anschließend wurden noch einige Grundregeln und Aktivitäten verkündet. Danach suchten wir auf drei Karten unseren Standort, auf der Weltkarte, auf einer Deutschlandkarte und auf einer Karte, wo Kiel zu sehen war, die Stadt in der wir im Anschluss zwei Wochen verbringen werden. Es war sehr interessant, wie wir uns hier aus aller Welt kommend versammelt hatten…
Am zweiten Tag wollten wir eigentlich früh aufstehen und zum Meer gehen, aber wir waren in die falsche Richtung gelaufen und hatten dann nicht mehr genug Zeit. Das Programm an diesem Morgen war es, Hooge kennenzulernen. Als erstes zeigten uns die Mitarbeiter Hooge mittels einer Powerpoint-Präsentation und informierten uns über diesen Nationalpark. Anschließend machten wir uns, in kleine Gruppen aufgeteilt, auf den Weg. Wir kamen an einem Restaurant, einem Laden usw. vorbei, bis wir ein sehr altes Haus mit einer seltsam geformten weißen Tür erreichten. Erst nach langen Erklärungen verstand ich, dass es Knochen eines Wales waren, den die Menschen, die hier früher gelebt haben, aus dem Meer gefischt hatten. Wir setzten unseren Weg entlang des kleinen Pfades fort und kamen zur Schule dieser kleinen Insel. Es gibt dort nur vier Schüler und zwei Lehrer (von denen einer auch ein Freiwilliger ist). Schließlich leben aber auch nur knapp über 100 Bewohner auf der Insel. Die Erklärungen der Mitarbeiter, wie der Unterricht aussieht, überraschten mich gar nicht, denn ich assoziierte das mit den „Grundschulen der Hoffnung“ in den Bergregionen Chinas, in welchen sehr schlechte Bedingungen herrschen. Anschließend gingen wir zu der sehr alten kleinen Kirche der Insel, welche von außen sehr einladend und gemütlich aussah. Der Friedhof hatte eine Besonderheit, die Anzahl der Sterbefälle nämlich übersteigt die Kapazitäten des Friedhofes. Daher geht es nicht anders, als dass ein Grabstein von Mehreren genutzt wird, selbst wenn diese nicht aus derselben Familie stammten. Der Boden in der kleinen Kirche bestand aus Sand und die Holzbänke wiesen das Alter der Kirche aus. Im hinteren Teil stand eine kleine Orgel und an der Decke hingen exquisite Schiffsmodelle. Nach dem wir wieder hinausgegangen waren, legten wir uns auf die Wiese zum Sonnen. Wir hatten wirklich Glück mit dem Wetter.
Das Nachmittagsprogramm an diesem Tag war für mich am interessantesten. Wir wanderten bei Ebbe barfuss ins Watt. Das ist eine Eigenart des Meeres, anfangs wagte ich nicht zu glauben, dass wir dort wirklich herumgehen würden, aber letztendlich war genau das das Interessanteste. Zunächst war es für alle ein wenig schwierig, den einen Fuß aus dem Schlamm zu ziehen, während der andere gerade darin versank, mal versank er ganz tief, mal trat man auf eine Muschel, an der man sich schneiden konnte und stieß einen Schrei aus - unseren Füßen, die bereits vom Schlamm „verschluckt“ waren, war das letztendlich total egal. Wir folgten den Mitarbeitern überall hin, sahen sehr viele verschiedene Tiere, gruben aus der Tiefe viele Wattwürmer aus, sahen, wie sich Muscheln in die Erde hineinbohrten, entdeckten kleine Fischchen, die sich um Seegras tummelten und sammelten kleine Krabben. Wo es Wasser gab, wuschen wir schleunigst unsere Füße ab. Dann spielten wir noch ein sehr interessantes Spiel: Alle mussten sich in einer Reihe aufstellen, dann die Augen schließen und nach Gefühl 100 Schritte nach vorne gehen. Ich war sehr erstaunt als ich meine Augen wieder öffnete und alle, die vorher in einer Reihe gestanden hatten, nun verteilt an verschiedenen Plätzen standen, und zwar total durcheinander! Es gab fast keine zwei Leute, die dieselbe Richtung genommen hatten! Der Meereswind bläst aus allen Richtungen und zerstört so völlig die Sinneswahrnehmung. Nachdem diese Aktivität beendet war, drängten sich alle um einen Wasserhahn, um sich die Füße mit sehr kaltem Wasser abzuwaschen! Zum Schluss sah man über dem Watt langsam Nebel aufkommen.
Am letzten Tag fuhren wir aufs Meer zum Angeln! Wir bestiegen ein Boot im Hafen auf der anderen Seite. Es war nicht sehr groß, aber die Umgebung wunderschön und wie bisher sehr ruhig. Alle drängten sich auf dem kleinen Boot und schauten auf das Meer hinaus, wie es sich am Horizont mit dem Himmel verband. Wir hatten Glück und fingen viele verschiedene Fische, Krabben und andere kleine Meerestiere (manche davon sahen ganz schön komisch aus). Die Leute vom Boot kannten sich sehr gut mit jeder einzelnen Tierart aus und erklärten uns sehr viel dazu. Das war wirklich interessant. Die anderen Parkmitarbeiter, die mit uns gekommen waren, saßen neben uns und machten sich dazu Notizen. Sie notierten die Menge an Tieren einer Art, die wir herausgeholt hatten und berechneten deren Anzahl und Bestand in diesem Meeresabschnitt. Als wir wieder zurückgekehrt waren, sahen wir uns einen Film über die Stürme an, die Hooge heimgesucht haben. Das Wasser stand bis zu den Türen der Häuser, alle Gegenstände mussten an höhere Plätze gestellt werden. Mir wurde schon beim Ansehen Angst und Bange…
Nachdem wir wieder bei unserem Quartier angekommen waren, sollte jeder seine Meinung über das Wochenende äußern und dann spielten wir noch ein paar AFS-Spiele und bedankten uns sehr herzlich bei den dortigen Angestellten. Unser Wochenende neigte sich dem Ende zu, aber keiner hätte gedacht, dass es noch in der letzten Sekunde zu regnen anfangen würde. Nachdem alle ihre Sachen zusammengepackt hatten, mussten wir eilig los, um unser Boot zu erwischen. Wir wurden von oben bis unten nass, setzten aber brav unseren Weg fort. Der Regen wurde immer stärker, und alle waren bis auf die Haut durchweicht, trotzdem schafften wir die 20 Minuten Fußweg… Das Boot war schon voller Menschen und in der Kabine herrschte großer Andrang. Zum Glück fanden wir draußen beim Maschinenraum noch einen kleinen Raum, aus dem ununterbrochen warme Luft strömte, was besseres konnte uns gar nicht passieren, da wir schon starr vor Kälte waren. Nach diesen Strapazen und der endlosen Fahrt waren alle vollkommen erschöpft. Nach dem Verlassen des Bootes mussten wir wiederum eine halbe Stunde mit dem Bus fahren. Alle waren völlig durchnässt und man fühlte sich einfach schlecht. Schließlich bestiegen wir dann unseren Zug in Richtung Kiel, wo wir die nächsten zwei Wochen verbringen würden.
Hooge hat sich uns mit sehr schönen Erinnerungen eingeprägt, und ich werde immer erfüllt von Ruhe daran zurückdenken.
Samstag, 30. Mai 2009
Drachenbootfest in den Wellen der Shanghaier Lebensader
Drachenbootfest-der deutsche Name für den heutigen Tag klingt sehr chinesisch und aufregend. Wirklich um Drachenboote geht es allerdings nicht mehr in Shanghai, aber ein wunderschöner Tag war es allemal.
Das Drachenbootfest wird nach dem Mondkalender gefeiert und findet somit immer im Mai/Juni statt. Es wird zu Ehren eines berühmten chinesischen Schriftstellers gefeiert, der sich aus Protest gegen den König, der ihn wegen seiner politischen Einstellung entlassen hatte, im Fluss ertränkt hat. Rettungsversuche mit Drachenbooten schlugen leider fehl. Damit die Fische seine Leiche nicht fraßen, warfen die Leute Reis als Futter in den Fluss und wickelten den Reis in Schilfbätter ein. So entstanden Zongzi. Eine Reistasche aus klebrigem Reis gefüllt mit Fleisch oder Ei. Heute habe ich mich fast nur von Zongzi ernährt, genauso wie an Chinesisch Neujahr von Frühlingsrollen. In China hat jedes Fest seine eigene Spezialität, die besonders an diesem Tag gegessen wird.
Zum Mittagessen gingen wir zum Haus meiner Großeltern mütterlicherseits. Auf dem Weg dort hin fiel mir schon auf, dass die meisten Haustüren mit großen Schilfgräsern geschmückt waren. Wir machten ein paar Huntun (eine Art chinesische Maultaschen). Mittlerweile kann ich Huntun auch schon selbst falten. Mittags fuhren wir mit dem Auto zu meinen Großeltern väterlicherseits, die noch sehr auf dem Land leben und in dem Teil Pudongs, der noch immer wie vor 20 Jahren aussieht, also vor der Zeit der Wolkenkratzer. Nachdem wir ein paar der besten Zongzi der Welt gegessen hatten, die von meiner Oma, gingen meine Eltern, meine Schwester, mein kleiner Cousin und ich zum Flussufer des Huangpus. Der Fluss teilt Shanghai in zwei Hälften und es gibt im Stadtzentrum vier große Brücken, die die beiden Stadtteile Pudong und Puxi verbinden. Eine fünfte wird gerade gebaut und flussabwärts findet man noch zwei weitere. Die fünfte "Minpubridge" konnten wir im Bau bewundern. Es war faszinierend, auf der einen Seite auf Feldern zu stehen, alte Hütten zu betrachten und zwischen dem hohen Schilf auf das andere Ufer zu blicken, an dem sich Krähne, Frachtschiffe und Farbrikschloote aufreihen. Ich konnte mir auf einmal richtig vorstellen, wie es in der heutigen Finanzzone Lujiazui aussah. Auch die Kindheit meiner Mutter, von der sie gerne erzählt, rückte ein Stück näher. Genau an dieser Stelle hatten meine Mutter und mein Vater in ihren junge Jahren oft gebadet und auch wir stiegen ins Wasser. Heute ist der ehemalig sandige Boden des Huangpus allerdings mit Steinen übersäht und auch das Schilfgras hat abgenommen. Trotzdem machte es Spaß, in der untergehenden Abendsonne durchs kühle Wasser der Lebensader Shanghais zu waten. Zum Abendessen gab es wieder Zongzi, aber ich genoss es, einen Tag nur diese Köstlichkeit zu essen und ließ den üblichen Reis ausnahmsweise weg.
Das Drachenbootfest wird nach dem Mondkalender gefeiert und findet somit immer im Mai/Juni statt. Es wird zu Ehren eines berühmten chinesischen Schriftstellers gefeiert, der sich aus Protest gegen den König, der ihn wegen seiner politischen Einstellung entlassen hatte, im Fluss ertränkt hat. Rettungsversuche mit Drachenbooten schlugen leider fehl. Damit die Fische seine Leiche nicht fraßen, warfen die Leute Reis als Futter in den Fluss und wickelten den Reis in Schilfbätter ein. So entstanden Zongzi. Eine Reistasche aus klebrigem Reis gefüllt mit Fleisch oder Ei. Heute habe ich mich fast nur von Zongzi ernährt, genauso wie an Chinesisch Neujahr von Frühlingsrollen. In China hat jedes Fest seine eigene Spezialität, die besonders an diesem Tag gegessen wird.
Zum Mittagessen gingen wir zum Haus meiner Großeltern mütterlicherseits. Auf dem Weg dort hin fiel mir schon auf, dass die meisten Haustüren mit großen Schilfgräsern geschmückt waren. Wir machten ein paar Huntun (eine Art chinesische Maultaschen). Mittlerweile kann ich Huntun auch schon selbst falten. Mittags fuhren wir mit dem Auto zu meinen Großeltern väterlicherseits, die noch sehr auf dem Land leben und in dem Teil Pudongs, der noch immer wie vor 20 Jahren aussieht, also vor der Zeit der Wolkenkratzer. Nachdem wir ein paar der besten Zongzi der Welt gegessen hatten, die von meiner Oma, gingen meine Eltern, meine Schwester, mein kleiner Cousin und ich zum Flussufer des Huangpus. Der Fluss teilt Shanghai in zwei Hälften und es gibt im Stadtzentrum vier große Brücken, die die beiden Stadtteile Pudong und Puxi verbinden. Eine fünfte wird gerade gebaut und flussabwärts findet man noch zwei weitere. Die fünfte "Minpubridge" konnten wir im Bau bewundern. Es war faszinierend, auf der einen Seite auf Feldern zu stehen, alte Hütten zu betrachten und zwischen dem hohen Schilf auf das andere Ufer zu blicken, an dem sich Krähne, Frachtschiffe und Farbrikschloote aufreihen. Ich konnte mir auf einmal richtig vorstellen, wie es in der heutigen Finanzzone Lujiazui aussah. Auch die Kindheit meiner Mutter, von der sie gerne erzählt, rückte ein Stück näher. Genau an dieser Stelle hatten meine Mutter und mein Vater in ihren junge Jahren oft gebadet und auch wir stiegen ins Wasser. Heute ist der ehemalig sandige Boden des Huangpus allerdings mit Steinen übersäht und auch das Schilfgras hat abgenommen. Trotzdem machte es Spaß, in der untergehenden Abendsonne durchs kühle Wasser der Lebensader Shanghais zu waten. Zum Abendessen gab es wieder Zongzi, aber ich genoss es, einen Tag nur diese Köstlichkeit zu essen und ließ den üblichen Reis ausnahmsweise weg.
Dienstag, 26. Mai 2009
Reisetagebuch Claudia Wiedemann - Teil II
Mittwoch, 29.04.2009 - dem Himmel ein Stück näher
Zurück in Shanghai musste Verena zur Schule und wir zogen alleine los. Als Banker in Thüringen wollte Bernd die Niederlassung der hessisch-thüringischen Landesbank besuchen. Und die hat ihr Büro im 64. Stock des World Financial Centers, mit 492 m „nur“ das dritthöchste Gebäude der Welt aber das mit der höchsten Aussichtsplattform der Welt. Allein das Betreten des Towers erzeugt ein Kribbeln in der Magengegend. Die Bankmitarbeiterin empfing uns in perfektem Deutsch, sie hatte mehrere Jahre in Deutschland studiert. Der Ausblick aus den Bürofenstern ist grandios, bei gutem Wetter wie heute hat man den Jin Mao Tower und den Pearl Tower direkt vor der Nase und Shanghai liegt einem zu Füßen. Bei schlechtem Wetter allerdings ist es das Arbeiten hier oben nicht so angenehm, weil man vor den Fenstern nur Nebel und Wolken sieht und Wind und Regen in dieser Höhe mit großer Wucht gegen die Scheiben prallen, von Gewittern ganz zu schweigen. Im 74.-93. Stockwerk befindet sich ein luxuriöses 5-Sterne Hotel und der Blick von dort aus hätte Heike und mir eigentlich gereicht. Bernd aber war nicht zu bremsen. „Los jetzt, wenn wir schon mal da sind!“. Ich hatte wirklich Angst, denn ich bin nicht schwindelfrei und schaffte es letztes Jahr nicht einmal, bei einer Stadtbesichtigung den kleinen Erfurter Stadtturm zu erklimmen. Und nun das: im 100. Stock läuft man in einer Höhe von 472 m auf einem überdachten und verglasten Übergang - einer Skybridge - zwischen zwei Gebäudeteilen hin und her. Auch der Boden ist teilweise verglast und man kann direkt in die Tiefe auf die Straßen schauen. Ich war echt schockiert und hatte nur ein Ziel vor Augen: möglichst schnell auf die andere Seite der Skybridge zu gelangen, um von dort aus mit dem Aufzug sofort wieder nach unten zu fahren. Mit butterweichen Knien und halb geschlossenen Augen eilte ich hinüber, ohne einen Blick nach links und rechts oder gar nach unten zu werfen. Mit dem Wissen, den Aufzug jederzeit erreichen zu können fasste ich all meinen Mut zusammen und tastete ich mich vorsichtig wieder zurück auf die Skybridge und versuchte, die grandiose Aussicht zu genießen. Wir schauten tatsächlich auf den Pearl Tower und den Jin Mao Tower herunter! Und obwohl wir wegen des guten Wetters eine gigantische Fernsicht hatten, konnten wir das Ende von Shanghai nicht ausmachen. Das Gefühl, diese Megacity aus fast 500 m Höhe zu sehen, ist mit Worten nicht zu beschreiben. Es war das absolute Highlight unserer Besichtigungen und die Momente dort oben auf der Skybridge werden uns immer in Erinnerung bleiben.
Donnerstag, 30.04.2009 - Blick in die Zukunft und Expo-Fieber
Während Verena in der Schule war, besichtigten wir das Stadtplanungsmuseum. Hier sieht man auf fünf Stockwerken die ehrgeizigen Pläne Shanghais und kann einen Blick in die Zukunft werfen. Hauptattraktion ist ein riesiges Modell Shanghais auf über 600 qm, das u.a. auch zeigt, wie das Expo-Gelände aussehen wird sowie sämtliche geplanten Wolkenkratzer der nächsten Jahre. Ein ganzes Stockwerk widmet sich der Weltausstellung, die am 1. Mai 2010 beginnt und in Shanghai mit dem Slogan „Better City, Better live“ und dem blauen Maskottchen „Haibao“ allgegenwärtig ist. Seit Jahren schon machen die Städteplaner Shanghai fit für dieses Ereignis. Das Museum zeigt auch interessante Bilder aus den 1930er Jahren und beim Betrachten stellen wir enttäuscht fest, dass ein Großteil des ursprünglichen Shanghai dem Modernisierungswahn der Städteplaner zum Opfer gefallen ist.
Nach dem interessanten Museumsbesuch machten wir uns auf den Weg zum Stoffmarkt. Dort gibt es Unmengen von verschiedenen Stoffen, auch Seide, in prachtvollen Farben. Es herrscht ein buntes Treiben und vor allem Touristen lassen sich an den Verkaufsständen Kleidungsstücke maßschneidern.
Es war der letzte Abend von Bernd und Heike, morgen Abend würden sie wieder zurück nach Deutschland fliegen und deshalb wollten wir diesen Abend nochmals richtig genießen. Wir hatten bisher vom Shanghaier Nachtleben noch nichts mitbekommen, weil wir jeden Tag 10-12 Stunden unterwegs waren und abends todmüde in unsere harten Hotelbetten gefallen sind. Nun war die letzte Gelegenheit und auf unsere Fremdenführerin war auch hier Verlass. Sie kennt sich nicht nur bei Tag hervorragend aus in Shanghai, sondern muss auch am Abend nicht lange überlegen, wo’s hingehen soll. Verena führte uns nach Xintiandi, dem trendigen Unterhaltungsviertel mit seinen vielen Restaurants und Cafes. Obwohl wir für Discos natürlich schon zu alt sind, schauten wir trotzdem mal vorbei. Besser gefiel es uns aber in der Bar Rouge, wo man von einer großen Dachterrasse aus eine grandiose Aussicht auf die glitzerende Skyline der Stadt hat.
Freitag, 01.05.2009 - Die Massen strömen
Ich freute mich sehr, Emre wiederzusehen. Emre geht in Heidenheim zusammen mit Verena in die Klasse und verbringt sein Auslandsjahr in Changzhou. Er war über das Maiwochenende nach Shanghai gekommen, um Verena zu besuchen und die Stadt zu sehen. Wir fuhren alle zusammen in die Stadt. Dort angekommen hätten wir aber am Liebsten wieder umgedreht. Eine solche Masse von Menschen hatten wir noch nie gesehen. Der 1. Mai ist auch in China Feiertag und entsprechend viele Menschen nutzten diesen Tag zum Shoppen - die Läden sind ja auch an Sonn- und Feiertagen geöffnet. Ganze Straßenzüge war für den Verkehr gesperrt und um für die Menschenmassen Platz zu machen. Es war kein Durchkommen mehr, weder mit dem Taxi noch zu Fuß. Wir beschlossen, uns auf das Wasser zu flüchten. Eine Schifffahrt auf dem Huangpu war heute bei diesem schönen Wetter genau das Richtige. Nochmals staunten wir über die bombastische Skyline von Shanghai, die wir nun vom Wasser aus betrachten konnten. Für Heike und Bernd eine schöne Gelegenheit, um von Shanghai Abschied zu nehmen.
Und wie immer, beendeten wir den Tag mit einem Highlight. Shanghai ist die einzige Stadt weltweit, in der die Magnetschwebebahn „Transrapid“ verkehrt. Wir begleiteten Bernd und Heike zum Flughafen und rauschten mit 300 km/h über die Gleise. Richtigen spüren kann mit die hohe Geschwindigkeit nicht direkt, aber wenn man auf dem Display im Zug die Beschleunigung von 0 auf 300 km/h (bei Nacht) oder gar 400 km/h (bei Tag) verfolgt, wird einem schon ein bisschen unheimlich zumute. Die Fahrt von der Stadt zum Flughafen dauert ganze 8 Minuten. Wehmütig nahmen wir Abschied von Bernd und Heike. Wir hatten schöne und erlebnisreiche Tage miteinander verbracht und Verena hat sich sehr gefreut, ihrem Onkel und ihrer Tante Shanghai zeigen zu können.
Samstag, 02.05.2009/Sonntag, 03.05.2009 - Freudiges Wiedersehen
Am Samstag stürzten wir uns nochmals in das Getümmel der Shanghaier Altstadt, denn Emre sollte diesen Teil von Shanghai auch kennenlernen. Der beginnende Regen trieb uns ins Shanghai Museum. Dies ist eines der herausragendsten Museen für klassische chinesische Kunst und Kultur. Leider hatten wir zu wenig Zeit und konnten nicht alle Teile besichtigen. Verena will sich hierfür nochmals einen Tag Zeit nehmen.
Am Sonntag gab es ein freudiges Wiedersehen mit JingJing, die von September 2008 bis Juli 2009 ihr Auslandsjahr in Heidenheim verbracht hatte. In dieser Zeit war JingJing öfter zu Besuch bei uns in Zang und sie hat unsere Interesse für China geweckt, was sicher dazu beigetragen hat, dass sich Verena für ein Auslandsjahr in China entschieden hat. Ich freute mich sehr, JingJing wiederzusehen und auch ihre Eltern kennenzulernen, die uns am Abend in ein typisches chinesisches Restaurant eingeladen hatten. Dort konnte man sich in Aquarien aussuchen, welchen Fisch, Krebs oder Lobster man gerne auf dem Teller hätte. Frischer geht es nicht mehr! JingJing zeigte uns einen großen Tempel mitten in Shanghai und führte uns in ein schönes, buntes Künstlerviertel in Puxi. Die Atmosphäre dort gefiel uns sehr gut und wir streiften durch die engen Gässchen mit vielen kleinen Läden und Galerien.
Am Abend reiste Emre wieder zurück zu seiner Gastfamilie nach Changzhou. Seine Eltern freuten sich sehr, als ich ihnen nach meiner Rückkehr erzählte, wie gut es Emre in China geht. Wir hatten unsere Kinder zusammen zum Frankfurter Flughafen gebracht und sie dort wehmütig verabschiedet. Nun freuen wir uns darauf, dass wir sie dort schon in ein paar Wochen wieder gemeinsam abholen können. Die Zeit verging wie im Flug.
Montag, 04.05.2009 - Werksbesichtigung bei Voith Turbo
Die ganze Zeit über hatte ich mich auf die Werksbesichtigung bei Voith Turbo in Shanghai gefreut. Ich arbeite in Heidenheim bei Voith als Marketingassistentin und habe viel Kontakt mit dem Ausland, natürlich auch mit China. Es war schön, die Kolleginnen und Kollegen, die ich vom Telefon oder per e-mail kenne, zu treffen. Im Industriegebiet in Puxi haben viele ausländische Firmen ihre Niederlassungen und Verena und ich bestaunten die modernen Industriebauten, die oft inmitten von gepflegten Grünflächen stehen. Auch Voith Turbo hat hier ein neues Gebäude mit Fertigungshallen. Bei einem Werksrundgang hatten wir Gelegenheit, uns nochmals bei der Niederlassungsleiterin Frau Dr. Suberg für das Stipendium, das Verena von Voith für ihren China-Aufenthalt bekommen hatte, zu bedanken. Ich freue mich sehr, dass mein Arbeitgeber den Austausch von jungen Leuten fördert und so in die Jugend investiert.
Dienstag, 05.05.2009 - Tag des Abschieds
Oh weh - heute hieß es Abschied nehmen. Auch für mich war nun der Urlaub vorbei und mir war vor dem Abschied echt bange. Zuvor begleitete ich Verena nochmals in ihre Schule und nahm an ihrer Deutschstunde teil. Ich hatte Bilder von zu Hause mitgebracht, die ich Verenas Schüler zeigte - Verena als Baby, unser Haus, unsere Familienmitglieder, Skiurlaub in den Bergen usw, usw. Die Schüler waren alle sehr schüchtern und nur wenige trauten sich, mit mir auf Englisch zu sprechen. Auf meine Frage, an was sie denken, wenn sie Deutschland hören, meldete sich der einzige Junge in der Klasse: „football“. Bei den Sprachübungen, die die Schüler laut und deutlich im Chor absolvierten, konnte ich feststellen, dass sie eine sehr gute Aussprache haben. Offensichtlich fällt Chinesen die deutsche Aussprache leicht.
Verenas Gastmama kochte nochmals ein köstliches Abschiedsessen für mich und los ging es zum Flughafen. Im Gegensatz zu Verena und ihrer Gastmama machte ich mir wenig Sorgen wegen meines Gepäcks. Irgendwie würde ich die 3 Koffer schon nach Deutschland bringen. Aber leider nahm es die Dame am Flugschalter sehr genau und ich musste mein Übergepäck auf ein erträgliches Maß reduzieren und auspacken. Weil hier doch etwas Hektik aufkam fiel der Abschied kurz aus. Das war mir gerade recht, denn mir fiel es schon schwer Verena zurückzulassen. Eine herzliche Umarmung, ein kurzes Winken und ich verschwand schnell hinter der Tür zum Security-Check. Oh, wie ich Abschied hasse!!
Zusammenfassung
Diese Reise war einfach toll. Zum ersten Mal China erleben war unglaublich spannend und interessant und ich möchte auf jeden Fall noch mehr sehen von diesem Land.
Das Schönste an allem war aber, Verena wiederzusehen, ihre Gastfamilie kennenzulernen und zu spüren, dass es ihr gut geht, dass sie sich wohl fühlt und dass sie sich prima eingelebt hat, was ganz sicher nicht einfach war. Von meinen anfänglichen Zweifeln, ob die Reise sinnvoll ist und ob es gut ist für Verena, Besuch aus der Heimat zu bekommen, ist nichts übrig geblieben. Weil ich es jetzt selbst gesehen habe, kann ich nur zu gut verstehen, wenn Verena von ihrem Jahr in China schwärmt. Und ich weiss, wie schwer ihr der Abschied von Shanghai, von ihren Freunden und ganz besonders von ihrer Gastfamilie fallen wird. Und natürlich kann ich verstehen, dass sie möglichst bald wieder nach China reisen möchte - gerne schaue ich mir dann zusammen mit ihr Peking an.
Zurück in Shanghai musste Verena zur Schule und wir zogen alleine los. Als Banker in Thüringen wollte Bernd die Niederlassung der hessisch-thüringischen Landesbank besuchen. Und die hat ihr Büro im 64. Stock des World Financial Centers, mit 492 m „nur“ das dritthöchste Gebäude der Welt aber das mit der höchsten Aussichtsplattform der Welt. Allein das Betreten des Towers erzeugt ein Kribbeln in der Magengegend. Die Bankmitarbeiterin empfing uns in perfektem Deutsch, sie hatte mehrere Jahre in Deutschland studiert. Der Ausblick aus den Bürofenstern ist grandios, bei gutem Wetter wie heute hat man den Jin Mao Tower und den Pearl Tower direkt vor der Nase und Shanghai liegt einem zu Füßen. Bei schlechtem Wetter allerdings ist es das Arbeiten hier oben nicht so angenehm, weil man vor den Fenstern nur Nebel und Wolken sieht und Wind und Regen in dieser Höhe mit großer Wucht gegen die Scheiben prallen, von Gewittern ganz zu schweigen. Im 74.-93. Stockwerk befindet sich ein luxuriöses 5-Sterne Hotel und der Blick von dort aus hätte Heike und mir eigentlich gereicht. Bernd aber war nicht zu bremsen. „Los jetzt, wenn wir schon mal da sind!“. Ich hatte wirklich Angst, denn ich bin nicht schwindelfrei und schaffte es letztes Jahr nicht einmal, bei einer Stadtbesichtigung den kleinen Erfurter Stadtturm zu erklimmen. Und nun das: im 100. Stock läuft man in einer Höhe von 472 m auf einem überdachten und verglasten Übergang - einer Skybridge - zwischen zwei Gebäudeteilen hin und her. Auch der Boden ist teilweise verglast und man kann direkt in die Tiefe auf die Straßen schauen. Ich war echt schockiert und hatte nur ein Ziel vor Augen: möglichst schnell auf die andere Seite der Skybridge zu gelangen, um von dort aus mit dem Aufzug sofort wieder nach unten zu fahren. Mit butterweichen Knien und halb geschlossenen Augen eilte ich hinüber, ohne einen Blick nach links und rechts oder gar nach unten zu werfen. Mit dem Wissen, den Aufzug jederzeit erreichen zu können fasste ich all meinen Mut zusammen und tastete ich mich vorsichtig wieder zurück auf die Skybridge und versuchte, die grandiose Aussicht zu genießen. Wir schauten tatsächlich auf den Pearl Tower und den Jin Mao Tower herunter! Und obwohl wir wegen des guten Wetters eine gigantische Fernsicht hatten, konnten wir das Ende von Shanghai nicht ausmachen. Das Gefühl, diese Megacity aus fast 500 m Höhe zu sehen, ist mit Worten nicht zu beschreiben. Es war das absolute Highlight unserer Besichtigungen und die Momente dort oben auf der Skybridge werden uns immer in Erinnerung bleiben.
Donnerstag, 30.04.2009 - Blick in die Zukunft und Expo-Fieber
Während Verena in der Schule war, besichtigten wir das Stadtplanungsmuseum. Hier sieht man auf fünf Stockwerken die ehrgeizigen Pläne Shanghais und kann einen Blick in die Zukunft werfen. Hauptattraktion ist ein riesiges Modell Shanghais auf über 600 qm, das u.a. auch zeigt, wie das Expo-Gelände aussehen wird sowie sämtliche geplanten Wolkenkratzer der nächsten Jahre. Ein ganzes Stockwerk widmet sich der Weltausstellung, die am 1. Mai 2010 beginnt und in Shanghai mit dem Slogan „Better City, Better live“ und dem blauen Maskottchen „Haibao“ allgegenwärtig ist. Seit Jahren schon machen die Städteplaner Shanghai fit für dieses Ereignis. Das Museum zeigt auch interessante Bilder aus den 1930er Jahren und beim Betrachten stellen wir enttäuscht fest, dass ein Großteil des ursprünglichen Shanghai dem Modernisierungswahn der Städteplaner zum Opfer gefallen ist.
Nach dem interessanten Museumsbesuch machten wir uns auf den Weg zum Stoffmarkt. Dort gibt es Unmengen von verschiedenen Stoffen, auch Seide, in prachtvollen Farben. Es herrscht ein buntes Treiben und vor allem Touristen lassen sich an den Verkaufsständen Kleidungsstücke maßschneidern.
Es war der letzte Abend von Bernd und Heike, morgen Abend würden sie wieder zurück nach Deutschland fliegen und deshalb wollten wir diesen Abend nochmals richtig genießen. Wir hatten bisher vom Shanghaier Nachtleben noch nichts mitbekommen, weil wir jeden Tag 10-12 Stunden unterwegs waren und abends todmüde in unsere harten Hotelbetten gefallen sind. Nun war die letzte Gelegenheit und auf unsere Fremdenführerin war auch hier Verlass. Sie kennt sich nicht nur bei Tag hervorragend aus in Shanghai, sondern muss auch am Abend nicht lange überlegen, wo’s hingehen soll. Verena führte uns nach Xintiandi, dem trendigen Unterhaltungsviertel mit seinen vielen Restaurants und Cafes. Obwohl wir für Discos natürlich schon zu alt sind, schauten wir trotzdem mal vorbei. Besser gefiel es uns aber in der Bar Rouge, wo man von einer großen Dachterrasse aus eine grandiose Aussicht auf die glitzerende Skyline der Stadt hat.
Freitag, 01.05.2009 - Die Massen strömen
Ich freute mich sehr, Emre wiederzusehen. Emre geht in Heidenheim zusammen mit Verena in die Klasse und verbringt sein Auslandsjahr in Changzhou. Er war über das Maiwochenende nach Shanghai gekommen, um Verena zu besuchen und die Stadt zu sehen. Wir fuhren alle zusammen in die Stadt. Dort angekommen hätten wir aber am Liebsten wieder umgedreht. Eine solche Masse von Menschen hatten wir noch nie gesehen. Der 1. Mai ist auch in China Feiertag und entsprechend viele Menschen nutzten diesen Tag zum Shoppen - die Läden sind ja auch an Sonn- und Feiertagen geöffnet. Ganze Straßenzüge war für den Verkehr gesperrt und um für die Menschenmassen Platz zu machen. Es war kein Durchkommen mehr, weder mit dem Taxi noch zu Fuß. Wir beschlossen, uns auf das Wasser zu flüchten. Eine Schifffahrt auf dem Huangpu war heute bei diesem schönen Wetter genau das Richtige. Nochmals staunten wir über die bombastische Skyline von Shanghai, die wir nun vom Wasser aus betrachten konnten. Für Heike und Bernd eine schöne Gelegenheit, um von Shanghai Abschied zu nehmen.
Und wie immer, beendeten wir den Tag mit einem Highlight. Shanghai ist die einzige Stadt weltweit, in der die Magnetschwebebahn „Transrapid“ verkehrt. Wir begleiteten Bernd und Heike zum Flughafen und rauschten mit 300 km/h über die Gleise. Richtigen spüren kann mit die hohe Geschwindigkeit nicht direkt, aber wenn man auf dem Display im Zug die Beschleunigung von 0 auf 300 km/h (bei Nacht) oder gar 400 km/h (bei Tag) verfolgt, wird einem schon ein bisschen unheimlich zumute. Die Fahrt von der Stadt zum Flughafen dauert ganze 8 Minuten. Wehmütig nahmen wir Abschied von Bernd und Heike. Wir hatten schöne und erlebnisreiche Tage miteinander verbracht und Verena hat sich sehr gefreut, ihrem Onkel und ihrer Tante Shanghai zeigen zu können.
Samstag, 02.05.2009/Sonntag, 03.05.2009 - Freudiges Wiedersehen
Am Samstag stürzten wir uns nochmals in das Getümmel der Shanghaier Altstadt, denn Emre sollte diesen Teil von Shanghai auch kennenlernen. Der beginnende Regen trieb uns ins Shanghai Museum. Dies ist eines der herausragendsten Museen für klassische chinesische Kunst und Kultur. Leider hatten wir zu wenig Zeit und konnten nicht alle Teile besichtigen. Verena will sich hierfür nochmals einen Tag Zeit nehmen.
Am Sonntag gab es ein freudiges Wiedersehen mit JingJing, die von September 2008 bis Juli 2009 ihr Auslandsjahr in Heidenheim verbracht hatte. In dieser Zeit war JingJing öfter zu Besuch bei uns in Zang und sie hat unsere Interesse für China geweckt, was sicher dazu beigetragen hat, dass sich Verena für ein Auslandsjahr in China entschieden hat. Ich freute mich sehr, JingJing wiederzusehen und auch ihre Eltern kennenzulernen, die uns am Abend in ein typisches chinesisches Restaurant eingeladen hatten. Dort konnte man sich in Aquarien aussuchen, welchen Fisch, Krebs oder Lobster man gerne auf dem Teller hätte. Frischer geht es nicht mehr! JingJing zeigte uns einen großen Tempel mitten in Shanghai und führte uns in ein schönes, buntes Künstlerviertel in Puxi. Die Atmosphäre dort gefiel uns sehr gut und wir streiften durch die engen Gässchen mit vielen kleinen Läden und Galerien.
Am Abend reiste Emre wieder zurück zu seiner Gastfamilie nach Changzhou. Seine Eltern freuten sich sehr, als ich ihnen nach meiner Rückkehr erzählte, wie gut es Emre in China geht. Wir hatten unsere Kinder zusammen zum Frankfurter Flughafen gebracht und sie dort wehmütig verabschiedet. Nun freuen wir uns darauf, dass wir sie dort schon in ein paar Wochen wieder gemeinsam abholen können. Die Zeit verging wie im Flug.
Montag, 04.05.2009 - Werksbesichtigung bei Voith Turbo
Die ganze Zeit über hatte ich mich auf die Werksbesichtigung bei Voith Turbo in Shanghai gefreut. Ich arbeite in Heidenheim bei Voith als Marketingassistentin und habe viel Kontakt mit dem Ausland, natürlich auch mit China. Es war schön, die Kolleginnen und Kollegen, die ich vom Telefon oder per e-mail kenne, zu treffen. Im Industriegebiet in Puxi haben viele ausländische Firmen ihre Niederlassungen und Verena und ich bestaunten die modernen Industriebauten, die oft inmitten von gepflegten Grünflächen stehen. Auch Voith Turbo hat hier ein neues Gebäude mit Fertigungshallen. Bei einem Werksrundgang hatten wir Gelegenheit, uns nochmals bei der Niederlassungsleiterin Frau Dr. Suberg für das Stipendium, das Verena von Voith für ihren China-Aufenthalt bekommen hatte, zu bedanken. Ich freue mich sehr, dass mein Arbeitgeber den Austausch von jungen Leuten fördert und so in die Jugend investiert.
Dienstag, 05.05.2009 - Tag des Abschieds
Oh weh - heute hieß es Abschied nehmen. Auch für mich war nun der Urlaub vorbei und mir war vor dem Abschied echt bange. Zuvor begleitete ich Verena nochmals in ihre Schule und nahm an ihrer Deutschstunde teil. Ich hatte Bilder von zu Hause mitgebracht, die ich Verenas Schüler zeigte - Verena als Baby, unser Haus, unsere Familienmitglieder, Skiurlaub in den Bergen usw, usw. Die Schüler waren alle sehr schüchtern und nur wenige trauten sich, mit mir auf Englisch zu sprechen. Auf meine Frage, an was sie denken, wenn sie Deutschland hören, meldete sich der einzige Junge in der Klasse: „football“. Bei den Sprachübungen, die die Schüler laut und deutlich im Chor absolvierten, konnte ich feststellen, dass sie eine sehr gute Aussprache haben. Offensichtlich fällt Chinesen die deutsche Aussprache leicht.
Verenas Gastmama kochte nochmals ein köstliches Abschiedsessen für mich und los ging es zum Flughafen. Im Gegensatz zu Verena und ihrer Gastmama machte ich mir wenig Sorgen wegen meines Gepäcks. Irgendwie würde ich die 3 Koffer schon nach Deutschland bringen. Aber leider nahm es die Dame am Flugschalter sehr genau und ich musste mein Übergepäck auf ein erträgliches Maß reduzieren und auspacken. Weil hier doch etwas Hektik aufkam fiel der Abschied kurz aus. Das war mir gerade recht, denn mir fiel es schon schwer Verena zurückzulassen. Eine herzliche Umarmung, ein kurzes Winken und ich verschwand schnell hinter der Tür zum Security-Check. Oh, wie ich Abschied hasse!!
Zusammenfassung
Diese Reise war einfach toll. Zum ersten Mal China erleben war unglaublich spannend und interessant und ich möchte auf jeden Fall noch mehr sehen von diesem Land.
Das Schönste an allem war aber, Verena wiederzusehen, ihre Gastfamilie kennenzulernen und zu spüren, dass es ihr gut geht, dass sie sich wohl fühlt und dass sie sich prima eingelebt hat, was ganz sicher nicht einfach war. Von meinen anfänglichen Zweifeln, ob die Reise sinnvoll ist und ob es gut ist für Verena, Besuch aus der Heimat zu bekommen, ist nichts übrig geblieben. Weil ich es jetzt selbst gesehen habe, kann ich nur zu gut verstehen, wenn Verena von ihrem Jahr in China schwärmt. Und ich weiss, wie schwer ihr der Abschied von Shanghai, von ihren Freunden und ganz besonders von ihrer Gastfamilie fallen wird. Und natürlich kann ich verstehen, dass sie möglichst bald wieder nach China reisen möchte - gerne schaue ich mir dann zusammen mit ihr Peking an.
Reisetagebuch Claudia Wiedemann - Teil I
Mittwoch, 22.04.2009 - Die Reise beginnt
München - Shanghai - nonstop. Es war es soweit, unsere große Reise konnte beginnen. Ausgestattet mit nagelneuen Reisepässen und Einreisevisa nach China standen wir am Lufthansaschalter und hofften auf die Gnade der hübschen Dame. Unsere Koffer waren prall gefüllt und hatten Übergewicht! Wir mussten viele Geschenke mitbringen für Verenas Familie, für Freunde und Lehrer.
Keiner von uns war vorher in China gewesen und entsprechend groß war unsere Vorfreude auf das fremde, ferne Land. Und natürlich freuten wir uns riesig auf Verena. Aber war es richtig, nach China zu reisen und Verena zu besuchen? Wird sie damit klar kommen, wenn wir plötzlich in ihre neue Welt eindringen, ihren Tagesablauf durcheinander bringen und nach 2 Wochen wieder abreisen und sie zurücklassen? Würde sie mit zwei Familien gleichzeitig klar kommen? Oft waren mir diese Gedanken durch den Kopf gegangen und ich war mir nicht sicher, wie alles werden würde.
Donnerstag, 23.04.2009 - Wiedersehen ist so schön
„Mamsi, Mamsi“ hörte ich es rufen, noch bevor ich sie sah. Erwartungsvoll schritten Heike, Bernd und ich durch die Zollkontrolle auf dem Shanghaier Flughafen. Trotz 11-stündigem Flug in den engen Sitzen der Economie-Class waren wir jetzt hellwach und hielten gespannt Ausschau nach Verena, die irgendwo in dieser wartenden Menschenmenge sein musste. Und dann kam sie auch schon auf uns zugestürmt, unsere Chinesin! Die Wiedersehensfreude war riesig. Tränen hatte es gegeben beim Abschied vor etwas mehr als sieben Monaten auf dem Frankfurter Flughafen, Freundentränen rollten nun beim Wiedersehen in Shanghai. Verenas Gasteltern standen lächelnd dabei um uns dann herzlich zu begrüßen.
Verenas Familie lud uns an diesem ersten Abend in ein Hot-Pot-Restaurant ein. Hot Pot ist das chinesische Pendant zu unserem Fondue, wobei aber jeder Gast seinen eigenen Topf mit einer kochenden Suppe vor sich, in der Fleisch, Fisch und Gemüse in kürzester Zeit gegart werden. Dazu gibt es eine große Auswahl an verschiedenen Dips. Zum ersten Mal aßen wir mit Stäbchen und ich hatte so meine Probleme damit. Welch’ Glück, dass auch kleine Porzellanlöffel eingedeckt waren. Das gesellige Essen trug dazu bei, dass die beiden Familien sich in lockerer Atmosphäre näher kommen konnten.
Freitag, 24.04.2009 - zwei Welten an einem Tag
Wecker brauchten wir keinen. Der Verkehr auf der 6-spurigen Straße vor unserem Hotel und das ständige Gehupe sorgten jeden Morgen dafür, dass wir rechtzeitig aufwachten.
Wir fuhren mit dem Taxi zur Sanlin High School, um Verena dort abzuholen und uns die Schule anzusehen. Dort angekommen, waren wir etwas entsetzt über die Umgebung. Es sieht wirklich nicht sehr schön aus. Überall Baustellen, Schmutz und ältere Wohnblocks. Der Regen ließ alles vermutlich noch trister erscheinen. Umso überraschter waren wir, als uns Verena an der Pforte abholte und wir das Schulgelände betraten. Alles gepflegt, ordentlich und sauber. Ein schöner kleiner Park mit einem See und einem Pavillion lädt zum Verweilen ein. Wir trafen Verenas Klassenlehrerin und die Sportlehrerin. In der Turnhalle musste Verena eine Kostprobe ihrer Tai Chi - Kenntnisse zum Besten geben und wir durften gleich mitmachen. Das ist schwerer als es aussieht! Verenas Mitschüler starrten uns schüchtern an. Solche Besucher sind sie nicht gewöhnt. Das war ein komisches Gefühl und ich konnte ein wenig nachempfinden, wie es Verena am Anfang hier ergangen sein musste, als erste und einzige Ausländerin unter den 1900 chinesischen Schülern. Jetzt haben sich die Schüler aber an sie gewöhnt und auch Verena fühlt sich dort sehr wohl. Das Klassenzimmer ist spartanisch eingerichtet und kleiner, als normale deutsche Klassenzimmer, aber es haben 45 Schüler darin Platz! Erstaunt war ich, dass jedes Zimmer mit Laptop und Beamer ausgestattet ist. Tafelaufschriebe gibt es anscheinend kaum noch, die Lehrer unterrichten mit Powerpointpräsentationen.
Von der fast ländlichen Umgebung der Schule fuhren wir in eine andere Welt: Zum ersten Mal sahen wir Shanghai Downtown - und staunten nur noch. Wenn man am Peoples Square aus der U-Bahn aussteigt steht man mitten in Shanghai. Man kann die vielen verschiedenen Gebäude und Wolkenkratzer gar nicht auf einmal wahrnehmen. Jedes für sich ist ein Kunstwerk. Das chin. Geschichtsmuseum, das aussieht wie ein Tontopf, die Oper mit ihrem imposant geschwungenen Dach, ein Wolkenkratzer, dessen Dach aussieht wie eine große Lotusblüte, daneben einer mit einer riesigen Kugel auf dem Dach usw, usw. Man weiss wirklich nicht, wo man zuerst hinschauen soll. Staunend bogen wir in die Nanjing Road, einer der Haupteinkaufstraßen, ein und bekamen einen ersten Eindruck von der Menschenmenge, die hier unterwegs ist.
Zwischenzeitlich war es schon dunkel geworden und Verena wollte uns noch etwas Besonderes zeigen. Und tatsächlich - am Ende der Nanjing Road angekommen stockte uns der Atem. Wir standen am Bund, der berühmtesten Uferpromenade Shanghais, und blickten über den Huangpu River hinüber nach Pudong auf die fantastische Skyline von Shanghai. Es sah tatsächlich so aus, wie auf der Postkarte, die Verena geschickt hatte! Vor uns der Pearl Tower, das Wahrzeichen von Shanghai. Darum herum unzählige futuristische Wolkenkratzer, die im abendlichen Lichterglanz miteinander wetteiferten. An manchen Fassaden werden regelrechte Videoclips gezeigt. Wir waren überwältigt von diesem Anblick und konnten uns nicht sattsehen. Trotz aller Begeisterung dachten wir aber auch an den enormen Energieverbrauch. Verena beruhigte unser Gewissen und erklärte uns, dass um 22.00 Uhr ist die Lichtershow vorbei ist und Shanghai dunkel wird.
Samstag, 25.04.2009 - das alte Shanghai
Verena übernachtete mit uns im Hotel und so konnten wir morgens alle zusammen mit dem Bus in die City fahren. Eigentlich wären wir lieber mit dem Taxi gefahren, denn das Gedränge im Bus war nicht besonders angenehm, zumal wir die ganze Zeit stehen mussten. Verena wusste, warum sie uns die holperige Busfahrt zumutete: Linie Nr. 581 fährt eine spektakuläre Route über die Nanpu-Brücke. Diese überspannt mit einer Länge von 8346 m den Huangpu. Die schwindelerregende Auffahrt in Puxi zieht sich über fast 4km spiralförmig in eine Höhe von 46m. Von dort aus hat man eine grandiose Aussicht auf den Huangpu und auf Shanghai mit all den wundervollen Gebäuden, die wir gestern Abend im Lichterglanz zum ersten mal gesehen hatten.
Danach führte uns Verena zu ihrem Lieblingsplatz, die Shanghaier Altstadt. In den kleinen Gassen mit den alten traditionellen Häusern und vielen kleinen lokalen Märkten kann man noch das alte Shanghai sehen. Das Leben findet größtenteils auf der Straße statt. Dort wird gekocht, gegessen und gewaschen. Lebensmittel werden in großen Körben angeboten, auch lebende Aale, Frösche, Schildkröten und Schnecken sind darunter. Leider werden immer mehr Straßenzüge abgerissen um Platz für neue, moderne Gebäude zu schaffen und vielleicht ist in ein paar Jahren nichts mehr zu sehen von der Altstadt Shanghais. Nur wenige Meter davon entfernt befindet sich das neue, moderne Shanghai. Ob die Bewohner der Altstadt jemals dort gewesen sind? Zumindest einen Blick in die neue Welt werfen können sie jeden Tag, denn die modernen Wolkenkratzer ragen gleich hinter ihren bescheidenen Hütten in die Höhe.
In der Altstadt befindet sich auch der älteste Tempel Shanghais, der Stadtgotttempel. Ein angenehmer Geruch von Räucherstäbchen liegt dort in der Luft. Wir konnten zum ersten Mal beobachten, wie die Gläubigen an einem offenen Feuer ein großes Bündel Räucherkerzen entzünden, diese mit beiden Händen festhalten und sich damit in alle vier Himmelsrichtungen verbeugen. Auf dem Hauptplatz des Tempelmarktes, der den Tempel umgibt steht das berühmteste Teehaus Shanghais mit der Neun-Biegungen-Brücke. Man hat den Eindruck, dass sich ganz Shanghai auf dieser kleinen Brücke tummelt. Der Menschenstrom gerät an bestimmten Stellen komplett ins Stocken, weil jeder seine Lieben mit dem Teehaus im Hintergrund fotographieren will. Hier drücken einem fremde Leute ihre Kamera in die Hand und bitten darum, ein Gruppenbild von ihrer Familie zu machen - am Besten mit uns zusammen. Wir entflohen dem Gedränge in den Yu Garten, einem der berühmtesten und ältesten Gartenanlagen Chinas und genossen die Ruhe zwischen Pavillons, Türmen und wunderschön angelegten Grotten und Teichen.
Und auch dieser Tag endete mit einem Highlight. Das Abendessen im Drehrestaurant der mittleren Kugel des Oriental Pearl Towers wird uns unvergesslich bleiben. Dieser dritthöchste Fernsehturm der Welt ist das Wahrzeichen Shanghais und wenn man davor steht, ist er viel, viel größer als man sich das je hatte vorstellen können.
Sonntag, 26.04. bis Dienstag 28.04.2009
Am Sonntag waren wir bei Verenas Gasteltern eingeladen und sahen so zum ersten Mal, ihr Zuhause in Zhoupu. Wie ich in Teil 1 meines Berichtes schon erwähnt habe, ist Zhoupu eine andere Welt als das moderne Shanghai. 45 Minuten Fahrzeit mit Bus und U-Bahn liegen zwischen diesen zwei Welten. Für uns war es sehr interessant, beide Seiten zu sehen und auch für Verena ist es ein Bereicherung, China auf so unterschiedliche Art und Weise kennenzulernen und zu erleben. Verenas Gastmama servierte uns ein köstliches Abendessen. Wir saßen in fröhlicher Runde beisammen und unterhielten uns prächtig - dank Verena und Sindy, die ständig übersetzen mussten. Dieser intensive und gute Kontakt mit Verenas Gastfamilie gab unserer Reise eine ganz besondere Note. Ich finde es wunderbar, wenn Menschen aus zwei so verschiedenen Kulturen wie China und Deutschland gut gelaunt an einem Tisch sitzen, sich austauschen und damit Verständnis für einander entwickeln. Für mich waren das eines der wertvollsten Erlebnisse unserer Reise.
Verenas Gasteltern luden uns zu einem 2-tägigen Ausflug nach Hangzhou ein. Ca. 3 Autostunden sündlich von Shanghai befindet sich für die Chinesen „der Himmel auf Erden“, wie sie die Region um Hangzhou nennen. Die Stadt am wunderschönen und romantischen Westsee zählt für die Chinesen zu einem der schönsten und begehrtesten Ausflugsziele des ganzen Landes. Bei traumhaft schönem Wetter schipperten wir mit einem der kleinen Boote auf dem See von Insel zu Insel. Am Abend faszinierten uns die mit Musik untermalten Wasserspiele auf dem See. Die reizvolle grüne Umgebung mit sanften Hügeln, Bambuswäldern und Teeplantagen ist bekannt für Seidenherstellung und als Anbaugebiet von Chinas bestem grünen Tee - dem Drachenbrunnentee. Dieser wertvolle Tee ist außerhalb Chinas nicht zu kaufen, da die Chinesen ihn lieber selbst trinken. Wir standen mitten in den Plantagen und konnten zusehen, wie die Teepflückerinnen die winzig kleinen Blättchen dieser Kostbarkeit mühsam von Hand in ihre Weidenkörbe pflückten. Oberhalb des Sees befindet sich eines der bekanntesten Klöster Chinas mit dem imposanten Lingyin Tempel. An einem ganz gewöhnlichen Wochentag hatte man den Eindruck, dass halb China hier unterwegs ist. Wir trafen André, einen Weltenbummler aus Hamburg, der als Frührentner seit 2 Monaten in Indien, Indonesien und China unterwegs ist, eigentlich genug hat von Tempeln und heiligen Kühen, wie er uns verschmitzt erklärte. Ein wenig beneideten wir ihn um seine Freiheit. Der Mann sieht etwas von der Welt!
Beeindruckt hat uns auch die Hu Qingyu Apotheke, eine der ältesten und traditionsreichsten Apotheken Chinas. Das alte Gebäude mit seinen schönen Schnitzereien ist wirklich imposant und man kann zusehen, wie traditionelle chinesische Medikamente gemischt werden. Wir ergänzten unsere Reiseapotheke mit echtem chinesischen Tigerbalsam und Minzetropfen.
Die zwei Tage außerhalb der lärmenden Großstadt waren eine schöne Abwechslung und wir sind Verenas Gasteltern dankbar, dass sie uns diese herrliche und berühmte Gegend ihrer Heimat gezeigt haben. Vor lauter Erschöpfung verschliefen wir fast die ganz Heimfahrt und bekamen nur am Rande mit, wie Verenas Gastpapa in dem Gewirr von modernen und großzügig gebauten Autobahnen zurück nach Shanghai fuhr.
München - Shanghai - nonstop. Es war es soweit, unsere große Reise konnte beginnen. Ausgestattet mit nagelneuen Reisepässen und Einreisevisa nach China standen wir am Lufthansaschalter und hofften auf die Gnade der hübschen Dame. Unsere Koffer waren prall gefüllt und hatten Übergewicht! Wir mussten viele Geschenke mitbringen für Verenas Familie, für Freunde und Lehrer.
Keiner von uns war vorher in China gewesen und entsprechend groß war unsere Vorfreude auf das fremde, ferne Land. Und natürlich freuten wir uns riesig auf Verena. Aber war es richtig, nach China zu reisen und Verena zu besuchen? Wird sie damit klar kommen, wenn wir plötzlich in ihre neue Welt eindringen, ihren Tagesablauf durcheinander bringen und nach 2 Wochen wieder abreisen und sie zurücklassen? Würde sie mit zwei Familien gleichzeitig klar kommen? Oft waren mir diese Gedanken durch den Kopf gegangen und ich war mir nicht sicher, wie alles werden würde.
Donnerstag, 23.04.2009 - Wiedersehen ist so schön
„Mamsi, Mamsi“ hörte ich es rufen, noch bevor ich sie sah. Erwartungsvoll schritten Heike, Bernd und ich durch die Zollkontrolle auf dem Shanghaier Flughafen. Trotz 11-stündigem Flug in den engen Sitzen der Economie-Class waren wir jetzt hellwach und hielten gespannt Ausschau nach Verena, die irgendwo in dieser wartenden Menschenmenge sein musste. Und dann kam sie auch schon auf uns zugestürmt, unsere Chinesin! Die Wiedersehensfreude war riesig. Tränen hatte es gegeben beim Abschied vor etwas mehr als sieben Monaten auf dem Frankfurter Flughafen, Freundentränen rollten nun beim Wiedersehen in Shanghai. Verenas Gasteltern standen lächelnd dabei um uns dann herzlich zu begrüßen.
Verenas Familie lud uns an diesem ersten Abend in ein Hot-Pot-Restaurant ein. Hot Pot ist das chinesische Pendant zu unserem Fondue, wobei aber jeder Gast seinen eigenen Topf mit einer kochenden Suppe vor sich, in der Fleisch, Fisch und Gemüse in kürzester Zeit gegart werden. Dazu gibt es eine große Auswahl an verschiedenen Dips. Zum ersten Mal aßen wir mit Stäbchen und ich hatte so meine Probleme damit. Welch’ Glück, dass auch kleine Porzellanlöffel eingedeckt waren. Das gesellige Essen trug dazu bei, dass die beiden Familien sich in lockerer Atmosphäre näher kommen konnten.
Freitag, 24.04.2009 - zwei Welten an einem Tag
Wecker brauchten wir keinen. Der Verkehr auf der 6-spurigen Straße vor unserem Hotel und das ständige Gehupe sorgten jeden Morgen dafür, dass wir rechtzeitig aufwachten.
Wir fuhren mit dem Taxi zur Sanlin High School, um Verena dort abzuholen und uns die Schule anzusehen. Dort angekommen, waren wir etwas entsetzt über die Umgebung. Es sieht wirklich nicht sehr schön aus. Überall Baustellen, Schmutz und ältere Wohnblocks. Der Regen ließ alles vermutlich noch trister erscheinen. Umso überraschter waren wir, als uns Verena an der Pforte abholte und wir das Schulgelände betraten. Alles gepflegt, ordentlich und sauber. Ein schöner kleiner Park mit einem See und einem Pavillion lädt zum Verweilen ein. Wir trafen Verenas Klassenlehrerin und die Sportlehrerin. In der Turnhalle musste Verena eine Kostprobe ihrer Tai Chi - Kenntnisse zum Besten geben und wir durften gleich mitmachen. Das ist schwerer als es aussieht! Verenas Mitschüler starrten uns schüchtern an. Solche Besucher sind sie nicht gewöhnt. Das war ein komisches Gefühl und ich konnte ein wenig nachempfinden, wie es Verena am Anfang hier ergangen sein musste, als erste und einzige Ausländerin unter den 1900 chinesischen Schülern. Jetzt haben sich die Schüler aber an sie gewöhnt und auch Verena fühlt sich dort sehr wohl. Das Klassenzimmer ist spartanisch eingerichtet und kleiner, als normale deutsche Klassenzimmer, aber es haben 45 Schüler darin Platz! Erstaunt war ich, dass jedes Zimmer mit Laptop und Beamer ausgestattet ist. Tafelaufschriebe gibt es anscheinend kaum noch, die Lehrer unterrichten mit Powerpointpräsentationen.
Von der fast ländlichen Umgebung der Schule fuhren wir in eine andere Welt: Zum ersten Mal sahen wir Shanghai Downtown - und staunten nur noch. Wenn man am Peoples Square aus der U-Bahn aussteigt steht man mitten in Shanghai. Man kann die vielen verschiedenen Gebäude und Wolkenkratzer gar nicht auf einmal wahrnehmen. Jedes für sich ist ein Kunstwerk. Das chin. Geschichtsmuseum, das aussieht wie ein Tontopf, die Oper mit ihrem imposant geschwungenen Dach, ein Wolkenkratzer, dessen Dach aussieht wie eine große Lotusblüte, daneben einer mit einer riesigen Kugel auf dem Dach usw, usw. Man weiss wirklich nicht, wo man zuerst hinschauen soll. Staunend bogen wir in die Nanjing Road, einer der Haupteinkaufstraßen, ein und bekamen einen ersten Eindruck von der Menschenmenge, die hier unterwegs ist.
Zwischenzeitlich war es schon dunkel geworden und Verena wollte uns noch etwas Besonderes zeigen. Und tatsächlich - am Ende der Nanjing Road angekommen stockte uns der Atem. Wir standen am Bund, der berühmtesten Uferpromenade Shanghais, und blickten über den Huangpu River hinüber nach Pudong auf die fantastische Skyline von Shanghai. Es sah tatsächlich so aus, wie auf der Postkarte, die Verena geschickt hatte! Vor uns der Pearl Tower, das Wahrzeichen von Shanghai. Darum herum unzählige futuristische Wolkenkratzer, die im abendlichen Lichterglanz miteinander wetteiferten. An manchen Fassaden werden regelrechte Videoclips gezeigt. Wir waren überwältigt von diesem Anblick und konnten uns nicht sattsehen. Trotz aller Begeisterung dachten wir aber auch an den enormen Energieverbrauch. Verena beruhigte unser Gewissen und erklärte uns, dass um 22.00 Uhr ist die Lichtershow vorbei ist und Shanghai dunkel wird.
Samstag, 25.04.2009 - das alte Shanghai
Verena übernachtete mit uns im Hotel und so konnten wir morgens alle zusammen mit dem Bus in die City fahren. Eigentlich wären wir lieber mit dem Taxi gefahren, denn das Gedränge im Bus war nicht besonders angenehm, zumal wir die ganze Zeit stehen mussten. Verena wusste, warum sie uns die holperige Busfahrt zumutete: Linie Nr. 581 fährt eine spektakuläre Route über die Nanpu-Brücke. Diese überspannt mit einer Länge von 8346 m den Huangpu. Die schwindelerregende Auffahrt in Puxi zieht sich über fast 4km spiralförmig in eine Höhe von 46m. Von dort aus hat man eine grandiose Aussicht auf den Huangpu und auf Shanghai mit all den wundervollen Gebäuden, die wir gestern Abend im Lichterglanz zum ersten mal gesehen hatten.
Danach führte uns Verena zu ihrem Lieblingsplatz, die Shanghaier Altstadt. In den kleinen Gassen mit den alten traditionellen Häusern und vielen kleinen lokalen Märkten kann man noch das alte Shanghai sehen. Das Leben findet größtenteils auf der Straße statt. Dort wird gekocht, gegessen und gewaschen. Lebensmittel werden in großen Körben angeboten, auch lebende Aale, Frösche, Schildkröten und Schnecken sind darunter. Leider werden immer mehr Straßenzüge abgerissen um Platz für neue, moderne Gebäude zu schaffen und vielleicht ist in ein paar Jahren nichts mehr zu sehen von der Altstadt Shanghais. Nur wenige Meter davon entfernt befindet sich das neue, moderne Shanghai. Ob die Bewohner der Altstadt jemals dort gewesen sind? Zumindest einen Blick in die neue Welt werfen können sie jeden Tag, denn die modernen Wolkenkratzer ragen gleich hinter ihren bescheidenen Hütten in die Höhe.
In der Altstadt befindet sich auch der älteste Tempel Shanghais, der Stadtgotttempel. Ein angenehmer Geruch von Räucherstäbchen liegt dort in der Luft. Wir konnten zum ersten Mal beobachten, wie die Gläubigen an einem offenen Feuer ein großes Bündel Räucherkerzen entzünden, diese mit beiden Händen festhalten und sich damit in alle vier Himmelsrichtungen verbeugen. Auf dem Hauptplatz des Tempelmarktes, der den Tempel umgibt steht das berühmteste Teehaus Shanghais mit der Neun-Biegungen-Brücke. Man hat den Eindruck, dass sich ganz Shanghai auf dieser kleinen Brücke tummelt. Der Menschenstrom gerät an bestimmten Stellen komplett ins Stocken, weil jeder seine Lieben mit dem Teehaus im Hintergrund fotographieren will. Hier drücken einem fremde Leute ihre Kamera in die Hand und bitten darum, ein Gruppenbild von ihrer Familie zu machen - am Besten mit uns zusammen. Wir entflohen dem Gedränge in den Yu Garten, einem der berühmtesten und ältesten Gartenanlagen Chinas und genossen die Ruhe zwischen Pavillons, Türmen und wunderschön angelegten Grotten und Teichen.
Und auch dieser Tag endete mit einem Highlight. Das Abendessen im Drehrestaurant der mittleren Kugel des Oriental Pearl Towers wird uns unvergesslich bleiben. Dieser dritthöchste Fernsehturm der Welt ist das Wahrzeichen Shanghais und wenn man davor steht, ist er viel, viel größer als man sich das je hatte vorstellen können.
Sonntag, 26.04. bis Dienstag 28.04.2009
Am Sonntag waren wir bei Verenas Gasteltern eingeladen und sahen so zum ersten Mal, ihr Zuhause in Zhoupu. Wie ich in Teil 1 meines Berichtes schon erwähnt habe, ist Zhoupu eine andere Welt als das moderne Shanghai. 45 Minuten Fahrzeit mit Bus und U-Bahn liegen zwischen diesen zwei Welten. Für uns war es sehr interessant, beide Seiten zu sehen und auch für Verena ist es ein Bereicherung, China auf so unterschiedliche Art und Weise kennenzulernen und zu erleben. Verenas Gastmama servierte uns ein köstliches Abendessen. Wir saßen in fröhlicher Runde beisammen und unterhielten uns prächtig - dank Verena und Sindy, die ständig übersetzen mussten. Dieser intensive und gute Kontakt mit Verenas Gastfamilie gab unserer Reise eine ganz besondere Note. Ich finde es wunderbar, wenn Menschen aus zwei so verschiedenen Kulturen wie China und Deutschland gut gelaunt an einem Tisch sitzen, sich austauschen und damit Verständnis für einander entwickeln. Für mich waren das eines der wertvollsten Erlebnisse unserer Reise.
Verenas Gasteltern luden uns zu einem 2-tägigen Ausflug nach Hangzhou ein. Ca. 3 Autostunden sündlich von Shanghai befindet sich für die Chinesen „der Himmel auf Erden“, wie sie die Region um Hangzhou nennen. Die Stadt am wunderschönen und romantischen Westsee zählt für die Chinesen zu einem der schönsten und begehrtesten Ausflugsziele des ganzen Landes. Bei traumhaft schönem Wetter schipperten wir mit einem der kleinen Boote auf dem See von Insel zu Insel. Am Abend faszinierten uns die mit Musik untermalten Wasserspiele auf dem See. Die reizvolle grüne Umgebung mit sanften Hügeln, Bambuswäldern und Teeplantagen ist bekannt für Seidenherstellung und als Anbaugebiet von Chinas bestem grünen Tee - dem Drachenbrunnentee. Dieser wertvolle Tee ist außerhalb Chinas nicht zu kaufen, da die Chinesen ihn lieber selbst trinken. Wir standen mitten in den Plantagen und konnten zusehen, wie die Teepflückerinnen die winzig kleinen Blättchen dieser Kostbarkeit mühsam von Hand in ihre Weidenkörbe pflückten. Oberhalb des Sees befindet sich eines der bekanntesten Klöster Chinas mit dem imposanten Lingyin Tempel. An einem ganz gewöhnlichen Wochentag hatte man den Eindruck, dass halb China hier unterwegs ist. Wir trafen André, einen Weltenbummler aus Hamburg, der als Frührentner seit 2 Monaten in Indien, Indonesien und China unterwegs ist, eigentlich genug hat von Tempeln und heiligen Kühen, wie er uns verschmitzt erklärte. Ein wenig beneideten wir ihn um seine Freiheit. Der Mann sieht etwas von der Welt!
Beeindruckt hat uns auch die Hu Qingyu Apotheke, eine der ältesten und traditionsreichsten Apotheken Chinas. Das alte Gebäude mit seinen schönen Schnitzereien ist wirklich imposant und man kann zusehen, wie traditionelle chinesische Medikamente gemischt werden. Wir ergänzten unsere Reiseapotheke mit echtem chinesischen Tigerbalsam und Minzetropfen.
Die zwei Tage außerhalb der lärmenden Großstadt waren eine schöne Abwechslung und wir sind Verenas Gasteltern dankbar, dass sie uns diese herrliche und berühmte Gegend ihrer Heimat gezeigt haben. Vor lauter Erschöpfung verschliefen wir fast die ganz Heimfahrt und bekamen nur am Rande mit, wie Verenas Gastpapa in dem Gewirr von modernen und großzügig gebauten Autobahnen zurück nach Shanghai fuhr.
Freitag, 22. Mai 2009
Hafenstadt Hamburg
Verena hat sich kürzlich für eine Zeit vom Blog verabschiedet, daher habe ich es mir auch erlaubt, eine Weile unterzutauchen. Nun bin ich wieder da und schreibe weiter.
Meine Station vor dem „AFS Midstay Camp“ war die wunderschöne Hafenstadt Hamburg, die nach Berlin die zweitgrößte Stadt in Deutschland ist. Auf dem Weg dorthin war ich sehr aufgekratzt, einerseits schwelgte ich in der wunderschönen Landschaft an den Ufern des Rheins, andererseits konnte ich gar nicht mehr aufhören zu lachen wenn der typische Satz, der auch noch ziemlich unnatürlich klang, „Thank you for traveling with Deutsche Bahn“ vom Schaffner durchgesagt wurde. Dann wiederum sah ich für einen kurzen Moment, als wir in Köln hielten, den Kölner Dom, der mich richtig begeisterte. Anschließend hatte der Zug einen Defekt und wir mussten eine Stunde warten, was sterbenslangweilig war…
Aber endlich kamen wir in Hamburg an. Die Pläne, die wir uns unterwegs für diesen Nachmittag ausgedacht hatten, fielen zwar ins Wasser, aber wir kamen rechtzeitig zur großen Aufführung am Abend, zum Musical König der Löwen. Das Theater, in welchem die Aufführung stattfand, befindet sich auf einer kleinen Insel inmitten des Flusses. Schon von weitem konnte man das gelbe Gebäude mit dem Abbild eines Löwenkopfes darauf erkennen. Wir fuhren auf einem Schiff hinüber und sahen, dass schon sehr viel Andrang herrschte. Das Gedränge ließ erahnen, dass diese Vorstellung sehr eindrucksvoll werden würde. Die Bühne war rund und sehr prächtig dekoriert. Von der Zuschauertribüne konnte man die Trommler sehen und nachdem wir ein wenig gewartet hatten, begann endlich die Show. Das Anfangslied und das Auftauchen der verschiedenen Tiere nahmen dem Publikum den Atem. Die Requisiten und Schauspieler passten perfekt zueinander, besonders beeindruckend war es, wie die Schauspieler die Tiere imitieren konnten. Die ganze Zeit über während der Aufführung war ich ganz berauscht und so aufgeregt, wie damals als ich als Kind das erste Mal den Cartoon vom König der Löwen gesehen habe.
Einen besonders tiefen Eindruck hinterließen die lustigen Charaktere. Zazu und Timon waren sehr schwierig darzustellen, da sie so klein sind. Sie wurden durch Requisiten dargestellt, dazu setzten die Schauspieler noch Mimik und Körper ein, und so entstand ein perfekter lustiger Effekt. Natürlich wurde viel afrikanische Musik gespielt, aber das Lied „Can you feel the love tonight“ klang auf Deutsch ein bisschen komisch. Die Reaktion des Publikums nach Ende der Aufführung fiel sehr fulminant aus, alle erhoben sich von ihren Plätzen und es gab einen sehr langen Applaus. Als wir hinaus gingen, regnete es, aber das beeinflusste unsere ausgelassene Stimmung nicht, auch wenn ich die ganze Zeit an diesen seltsamen Liedtext denken musste. Ich finde, dass man mit einem Musical das Gefühl der Musik am besten ausdrücken kann. Hier gibt es fast jeden Tag Aufführungen und berühmte Musicals.
Am Morgen des zweiten Tages fuhren wir mit einem Besichtigungsschiff zum riesigen Hafen und durchquerten zunächst die Speicherstadt. Die alten Gebäude, die dort im Wasser stehen, haben alle dieselbe Farbe. Früher legten die Schiffe hier an, und die Fracht wurde mithilfe eines Hakens durch eine Luke in den Speicher gehoben. Nachdem wir diesen einheitlichen Gebäudekomplex verlassen hatten, fuhren wir in den Hafen hinein. Dort sahen wir sehr viele sehr große Schiffe und auch „Fabriken auf dem Wasser“, in welchen Schiffe gebaut werden. Der Hafen war so groß, dass man dachte, man könne das Ende gar nicht sehen. Überall standen Stahlgerüste und es gab relativ viele Container aus China, die sich dort stapelten, was mich kein bisschen überraschte. Als ich dann aber das Schild „China Shipping“ las, packte mich doch eine gewisse Aufregung. Es gab auch riesige Luxusdampfer, bei deren Vorbeifahren man sich selbst unbedeutend klein vorkam.
Vom Schiff aus das Hamburger Ufer zu sehen, was sehr schön. Es gibt dort nämlich nicht so viele hoch emporragende Gebäude, sondern eher viele verschiedene filigran gebaute Kirchen. Obwohl Hamburg eine sehr wichtige Verkehrsstadt ist, kommt nicht so ein Gefühl der Kälte auf, das Wälder aus Stahl erwecken. Anschließend gingen wir ins Stadtzentrum. Hamburg ist weltweit die Stadt mit der größten Anzahl an Brücken, überall sieht man Wasser. Als wir am Flussufer entlang spazierten, sagte meine Gastmutter, dass sie jeden Winter Meldungen höre, dass sich Schwäne oder andere Vogelarten hier versammeln, um in ihr Winterquartier zu fliegen, das fand ich wirklich niedlich.
Dann gingen wir das Rathaus anschauen, was wiederum ein Gebäude ist, das jeden in Staunen versetzt. Auf dem Platz davor gab es Menschen, die starr wie Marionetten herumstehen; solange niemand der ganz in Silber gekleideten und geschminkten Frau mit dem Apfel in der Hand eine Münze gibt, bewegt sie sich nicht. Ich habe sie genau beobachtet, und tatsächlich bewegte sie lange Zeit nicht einmal ihre Finger! Ich sah auch eine alte Oma, die schwer krank war und auf einem Akkordeon ganz komische Musik spielte und bettelte. Ein solcher Anblick macht einen sehr traurig. Aber ich bewunderte sie auch, denn dass jemand Akkordeon spielt um zu betteln, sieht man in China eigentlich nie. Danach sind wir in der Stadt herumgeschlendert. Am Flussufer gab es viele kleine Restaurants, die eine sehr schöne Atmosphäre schufen und tatsächlich sah man überall kleine Brücken. Was mich am meisten überraschte war, dass ich eine „Bank of China“ entdeckte!
Am Nachmittag machten wir eine Stadtrundfahrt durch ganz Hamburg. Wir fuhren an der Universität und an Wohnvierteln für Prominente, einer vom Krieg zerstörten Kirche und dem Hauptbahnhof mit einer Galerie von rund um die Uhr geöffneten Läden vorbei. Der größte Saturn-Elektronikmarkt Deutschlands ist eigentlich nichts Besonderes. Es gibt außerdem sehr viele Luxushotels und in der Mitte des Flusses gibt es eine hohe Wasserfontäne, die wahrscheinlich als schöne Augenweide dienen soll. Die ganze Stadt wirkt sehr warm und gemütlich. Die Reiseführerin im Bus erläuterte uns alles auf eine sehr eindrucksvolle Weise, sie sprach jedoch ein ganz komisches Deutsch und war akustisch auch sehr schlecht zu verstehen, daher war es für mich ganz schön anstrengend zuzuhören und ich gab schließlich auf. Im Bus saßen noch zwei Leute, die genau dasselbe empfanden wie ich, ihre Köpfe sanken bald in die Schräglage, sie waren eingeschlafen… Da Hamburg eine Hafenstadt ist, gibt es dort ein sehr bekanntes Rotlichtviertel. Als wir daran vorbeifuhren, erschrak ich sehr, das Ausmaß an Offenheit der Deutschen ist wirklich erstaunlich…
Da unser Aufenthalt in Hamburg nur von kurzer Dauer war, war diese Art der Besichtigung sehr effizient. Hamburg ist eine sehr schöne Stadt, aber leider hatte ich nicht die Möglichkeit, länger zu bleiben. Am nächsten Morgen werde ich meinen großen Koffer packen, durch die Einkaufsgalerie gehen und noch einmal das Meer sehen!!
Meine Station vor dem „AFS Midstay Camp“ war die wunderschöne Hafenstadt Hamburg, die nach Berlin die zweitgrößte Stadt in Deutschland ist. Auf dem Weg dorthin war ich sehr aufgekratzt, einerseits schwelgte ich in der wunderschönen Landschaft an den Ufern des Rheins, andererseits konnte ich gar nicht mehr aufhören zu lachen wenn der typische Satz, der auch noch ziemlich unnatürlich klang, „Thank you for traveling with Deutsche Bahn“ vom Schaffner durchgesagt wurde. Dann wiederum sah ich für einen kurzen Moment, als wir in Köln hielten, den Kölner Dom, der mich richtig begeisterte. Anschließend hatte der Zug einen Defekt und wir mussten eine Stunde warten, was sterbenslangweilig war…
Aber endlich kamen wir in Hamburg an. Die Pläne, die wir uns unterwegs für diesen Nachmittag ausgedacht hatten, fielen zwar ins Wasser, aber wir kamen rechtzeitig zur großen Aufführung am Abend, zum Musical König der Löwen. Das Theater, in welchem die Aufführung stattfand, befindet sich auf einer kleinen Insel inmitten des Flusses. Schon von weitem konnte man das gelbe Gebäude mit dem Abbild eines Löwenkopfes darauf erkennen. Wir fuhren auf einem Schiff hinüber und sahen, dass schon sehr viel Andrang herrschte. Das Gedränge ließ erahnen, dass diese Vorstellung sehr eindrucksvoll werden würde. Die Bühne war rund und sehr prächtig dekoriert. Von der Zuschauertribüne konnte man die Trommler sehen und nachdem wir ein wenig gewartet hatten, begann endlich die Show. Das Anfangslied und das Auftauchen der verschiedenen Tiere nahmen dem Publikum den Atem. Die Requisiten und Schauspieler passten perfekt zueinander, besonders beeindruckend war es, wie die Schauspieler die Tiere imitieren konnten. Die ganze Zeit über während der Aufführung war ich ganz berauscht und so aufgeregt, wie damals als ich als Kind das erste Mal den Cartoon vom König der Löwen gesehen habe.
Einen besonders tiefen Eindruck hinterließen die lustigen Charaktere. Zazu und Timon waren sehr schwierig darzustellen, da sie so klein sind. Sie wurden durch Requisiten dargestellt, dazu setzten die Schauspieler noch Mimik und Körper ein, und so entstand ein perfekter lustiger Effekt. Natürlich wurde viel afrikanische Musik gespielt, aber das Lied „Can you feel the love tonight“ klang auf Deutsch ein bisschen komisch. Die Reaktion des Publikums nach Ende der Aufführung fiel sehr fulminant aus, alle erhoben sich von ihren Plätzen und es gab einen sehr langen Applaus. Als wir hinaus gingen, regnete es, aber das beeinflusste unsere ausgelassene Stimmung nicht, auch wenn ich die ganze Zeit an diesen seltsamen Liedtext denken musste. Ich finde, dass man mit einem Musical das Gefühl der Musik am besten ausdrücken kann. Hier gibt es fast jeden Tag Aufführungen und berühmte Musicals.
Am Morgen des zweiten Tages fuhren wir mit einem Besichtigungsschiff zum riesigen Hafen und durchquerten zunächst die Speicherstadt. Die alten Gebäude, die dort im Wasser stehen, haben alle dieselbe Farbe. Früher legten die Schiffe hier an, und die Fracht wurde mithilfe eines Hakens durch eine Luke in den Speicher gehoben. Nachdem wir diesen einheitlichen Gebäudekomplex verlassen hatten, fuhren wir in den Hafen hinein. Dort sahen wir sehr viele sehr große Schiffe und auch „Fabriken auf dem Wasser“, in welchen Schiffe gebaut werden. Der Hafen war so groß, dass man dachte, man könne das Ende gar nicht sehen. Überall standen Stahlgerüste und es gab relativ viele Container aus China, die sich dort stapelten, was mich kein bisschen überraschte. Als ich dann aber das Schild „China Shipping“ las, packte mich doch eine gewisse Aufregung. Es gab auch riesige Luxusdampfer, bei deren Vorbeifahren man sich selbst unbedeutend klein vorkam.
Vom Schiff aus das Hamburger Ufer zu sehen, was sehr schön. Es gibt dort nämlich nicht so viele hoch emporragende Gebäude, sondern eher viele verschiedene filigran gebaute Kirchen. Obwohl Hamburg eine sehr wichtige Verkehrsstadt ist, kommt nicht so ein Gefühl der Kälte auf, das Wälder aus Stahl erwecken. Anschließend gingen wir ins Stadtzentrum. Hamburg ist weltweit die Stadt mit der größten Anzahl an Brücken, überall sieht man Wasser. Als wir am Flussufer entlang spazierten, sagte meine Gastmutter, dass sie jeden Winter Meldungen höre, dass sich Schwäne oder andere Vogelarten hier versammeln, um in ihr Winterquartier zu fliegen, das fand ich wirklich niedlich.
Dann gingen wir das Rathaus anschauen, was wiederum ein Gebäude ist, das jeden in Staunen versetzt. Auf dem Platz davor gab es Menschen, die starr wie Marionetten herumstehen; solange niemand der ganz in Silber gekleideten und geschminkten Frau mit dem Apfel in der Hand eine Münze gibt, bewegt sie sich nicht. Ich habe sie genau beobachtet, und tatsächlich bewegte sie lange Zeit nicht einmal ihre Finger! Ich sah auch eine alte Oma, die schwer krank war und auf einem Akkordeon ganz komische Musik spielte und bettelte. Ein solcher Anblick macht einen sehr traurig. Aber ich bewunderte sie auch, denn dass jemand Akkordeon spielt um zu betteln, sieht man in China eigentlich nie. Danach sind wir in der Stadt herumgeschlendert. Am Flussufer gab es viele kleine Restaurants, die eine sehr schöne Atmosphäre schufen und tatsächlich sah man überall kleine Brücken. Was mich am meisten überraschte war, dass ich eine „Bank of China“ entdeckte!
Am Nachmittag machten wir eine Stadtrundfahrt durch ganz Hamburg. Wir fuhren an der Universität und an Wohnvierteln für Prominente, einer vom Krieg zerstörten Kirche und dem Hauptbahnhof mit einer Galerie von rund um die Uhr geöffneten Läden vorbei. Der größte Saturn-Elektronikmarkt Deutschlands ist eigentlich nichts Besonderes. Es gibt außerdem sehr viele Luxushotels und in der Mitte des Flusses gibt es eine hohe Wasserfontäne, die wahrscheinlich als schöne Augenweide dienen soll. Die ganze Stadt wirkt sehr warm und gemütlich. Die Reiseführerin im Bus erläuterte uns alles auf eine sehr eindrucksvolle Weise, sie sprach jedoch ein ganz komisches Deutsch und war akustisch auch sehr schlecht zu verstehen, daher war es für mich ganz schön anstrengend zuzuhören und ich gab schließlich auf. Im Bus saßen noch zwei Leute, die genau dasselbe empfanden wie ich, ihre Köpfe sanken bald in die Schräglage, sie waren eingeschlafen… Da Hamburg eine Hafenstadt ist, gibt es dort ein sehr bekanntes Rotlichtviertel. Als wir daran vorbeifuhren, erschrak ich sehr, das Ausmaß an Offenheit der Deutschen ist wirklich erstaunlich…
Da unser Aufenthalt in Hamburg nur von kurzer Dauer war, war diese Art der Besichtigung sehr effizient. Hamburg ist eine sehr schöne Stadt, aber leider hatte ich nicht die Möglichkeit, länger zu bleiben. Am nächsten Morgen werde ich meinen großen Koffer packen, durch die Einkaufsgalerie gehen und noch einmal das Meer sehen!!
Montag, 18. Mai 2009
Besuch aus Deutschland - Eindrücke
Vor kurzem waren meine Mutter, mein Onkel und meine Tante aus Deutschland auf Besuch! Diese Zeit war wunderschoen und fuer mich auch sehr eindrucksvoll, denn ich konnte nocheinmal aus der Sicht eines Chinareisenden mein Leben hier betrachten. Bevor sie kamen hatte ich einige Bedenken, wie es klappen wuerde mit meinen zwei Familien, der chinesischen und der deutschen und was meine Mutter zu meinen Veraenderungen sagen wird. Aeusserlich habe ich mich ebenso veraendert wie meine Denkweise, mein Verhalten und vieles andere. Diese Sorgen waren im Nachhinein voellig umsonst und es hat mir riesigen Spass gemacht, ihnen Shanghai, meine Schule und ganz besonders meine Gastfamilie vorzustellen. Allerdings musste ich auch immer viel uebersetzen wenn wir mit beiden Familien zusammen waren und das war vorallem waehrend der zwei Tage in Hangzhou sehr anstrengend. Aber jetzt ueberlasse ich das Erzaehlen meiner Mutter, die noch einen unvoreingenommenen Blick auf die chinesische Kultur hat.
Was sie zu erzählen hat:
Ende April/Anfang Mai besuchte ich zusammen mit meinem Bruder Bernd und seiner Frau Heike Verena in Shanghai. Wir wohnten in einem Hotel und trafen uns täglich mit Verena. Hin und wieder musste sie zur Schule, an einigen Tagen bekam sie aber auch frei. Bevor ich die einzelnen Stationen unserer 2-wöchigen Reise beschreibe, möchte ich einige der vielen Eindrücke, die wir gewonnen haben, beschreiben. Es fällt mir schwer, mich hier auf das Wichtigste zu beschränken, denn wir haben so viel gesehen, so viel erlebt in dieser für uns völlig anderen Welt.
Verenas Gastfamilie und ihr Zuhause
Ich war sehr gespannt auf Verenas Gasteltern Wei Sun und Xu Qing und ihre Gastschwester Sun Ruo Yu, die wir der Einfachheit halber „Sindy“ nennen durften. Die einzigen Wörter, die im Chinesischen gleich sind wie im Deutschen sind „Mama“ und „Baba“. Und Verena nennt ihre Gasteltern auch so, was in den folgenden Tagen zu amüsanten Verwechslungen führte, denn immer wenn Verena „Mama“ sagte, reagierten prompt zwei Mamas. Verenas Gasteltern waren mir auf Anhieb sympathisch und ich bin sehr dankbar, dass Verena eine solch liebe und nette Familie gefunden hat. Die Eltern behandeln sie wie eine eigene Tochter und es herrscht eine große Vertrautheit zwischen ihnen und Verena. Wir waren mehrmals zu Besuch bei Verenas Gastfamilie und verbrachten dort schöne Stunden. Schade nur, dass wir nicht direkt miteinander sprechen konnten. Es gäbe so viel zu erzählen und zu diskutieren…. So waren Verena und Sindy, die englisch spricht, als Dolmetscherinnen im Dauerstress. Trotz dieser Sprachbarrieren entwickelten sich interessante Gespräche und wir hatten viel Spaß miteinander.
Verenas Gastschwester wird im Juni für ein Jahr nach Dänemark reisen. Die beiden Mädchen verstehen sich gut, gehen in eine Klasse und genießen es als Einzelkinder, für eine begrenzte Zeit eine Schwester zu haben.
Die Familie wohnt ca. 25 km außerhalb vom Stadtzentrum im Stadtteil Zhoupu und ich war überrascht, wie groß der Unterschied zwischen dem topmodernen Stadtkern von Shanghai und diesem traditionellen Stadtteil ist. Das sind zwei komplett getrennte Welten. In Verenas Wohngegend gibt es noch schmale Gässchen, in denen eine ganze Familie in einem einzigen Raum wohnt, wo vor der Haustüre gekocht wird, wo sich das Leben vielfach auf der Straße abspielt, wo es mehr Rikschas gibt als Taxis, wo der Friseur 1,50 Euro kostet, wo man zu zweit für 3 Euro frühstücken kann, wo man als Ausländer angestarrt wird, weil sich hierher normalerweise keiner verirrt.
Verenas Familie wohnt in einem 6-stöckigen Wohnblock in einer schönen und gemütlichen Wohnung. Verena hat unter dem Dach ein eigenes Zimmer.
Das Land des Lächelns
Ausländer sind in Shanghai immer noch etwas Besonders und werden gerne fotographiert. Selbst in der Innenstadt von Shanghai fällt man als solcher auf und wenn man dann noch blonde, lange Locken hat wie Heike, ist die Sensation perfekt. Mehrmals stellten sich Chinesen unauffällig neben uns und ließen sich zusammen mit uns ablichten. Oder sie fragten uns gleich direkt, ob sie ein Foto mit uns machen dürfen - und das trotz ihrer Schüchternheit. Kleine Kinder, über die wir uns wunderten, dass sie überhaupt schon sprechen konnten, machten ihre Eltern auf uns aufmerksam und flüsterten „waigouren = Ausländer". Im Bus, wo man ganz besonders auffällt, sprach uns ein Chinese auf englisch an. Er hatte einige Zeit in Mainz gearbeitet. Als wir auf der Straße über dem ausgebreiteten Stadtplan brüteten fragte uns eine Chinesin „can I help you“ und gab uns wertvolle Tipps. China, das Land des Lächelns - wir können es bestätigen. Überall trafen wir auf sehr freundliche und hilfsbereite Chinesen, die Ausländern gegenüber sehr aufgeschlossen und gastfreundlich sind. Von einer Weltstadt wie Shanghai hätten wir das nicht erwartet. Wir fühlten uns willkommen.
Wann fällt ein Chinese unter Chinesen auf? Wenn er zwei Kinder dabei hat. Solche Familien sind wirklich eine Rarität, das registrierten sogar wir und für Chinesen selbst ist es eine kleine Sensation. Durch die Ein-Kind-Politik, die in Shanghai ganz besonders restriktiv überwacht wird, bleibt so mancher Kinderwunsch unerfüllt. Verenas Gastmama konnte es nicht fassen, dass wir in Deutschland für Kinder Geld bekommen und trotzdem zu wenige davon haben. In China ist es umgekehrt: Man muss eine hohe Straße für ein zweites Kind bezahlen und das können sich nur wenige reiche Chinesen leisten. Unter Umständen verliert man auch seinen Job. Die Chinesen lieben ihre Kinder abgöttisch, vergöttern und verwöhnen sie über die Maße. Oma, Opa, Eltern - alle sparen und sorgen für "die kleinen Kaiser von morgen", wie man sie auch nennt.
Chinesische Küche: Kann man Nudelsuppe mit Stäbchen essen?
Wir hatten in Deutschland ja so einige Schauermärchen über chinesisches Essen gehört und so war unsere Reiseapotheke gefüllt mit Magentropfen und allerhand Chemie gegen „akute Darmprobleme“. Ich will es vorweg nehmen: wir haben keine einzige Tablette benötigt und wir haben das chinesische Essen in all seinen Variationen genossen. Es schmeckt um ein Vielfaches besser als hier in Deutschland. Und wir haben an ganz verschiedenen Stellen gegessen. In großen und kleinen Restaurants, wo wir aber ohne die Hilfe von Verena beim Bestellen hilflos gewesen wären, in den Restaurantabteilungen der großen Kaufhäuser, wo es wahre Essmeilen gibt und wo die Gerichte vor den Augen der Gäste zubereitet werden, an Straßenständen, wo es köstliche Kleinigkeiten wie Frühlingsrollen, gegrillte Garnelenspieße, gefüllte Teigtaschen, mit Gemüse, Fisch oder Fleisch gefüllte Klöße aus Hefe- oder Reisteig gibt. Ganz Shanghai ist eine große Schlemmermeile. In China geht man viel häufiger in ein Restaurant zum Essen als in Deutschland, denn es ist um ein Vielfaches günstiger als bei uns.
Das beste Essen aber kocht Verenas Gastmama! Sie ist eine wahre Meisterköchin und wir nahmen die Essenseinladungen sehr gerne an.
Woran ich mich schwer gewöhnen konnte, war das Frühstück im Hotel. Es kostete mich Überwindung, morgens schon eine warme Mahlzeit zu mir zu nehmen. Nudelsuppe oder Reis um diese Tageszeit sind gewöhnungsbedürftig.
Eine Herausforderung war das Essen mit Stäbchen. Verstohlen amüsiert beobachteten uns die Chinesen bei unseren ersten Essversuchen und auch wir selbst mussten lachen, wenn eine glitschige Teigtasche aus den Stäbchen flutschte und am anderen Tischende landete. Nach 3 Tagen hatten wir die Sache aber im Griff und konnten sogar Nudelsuppe mit Stäbchen essen.
Woran ich mich nicht gewöhnen konnte, war das warme Wasser, das zu jedem Essen als Getränk gereicht wird. Dann lieber grünen Tee, den Verenas Gastpapa uns als Teekenner in allen Variationen servierte oder chinesisches Bier, das besser schmeckte, als erwartet. Vermisst haben wir Kaffee. Diesen bekommt man nur in den teuren Starbucks-Läden, wo eine Tasse Cappuccino mehr kostet als ein chin. Mittagessen, so dass man freiwillig darauf verzichtet.
Die Essmanieren der Chinesen sind manchmal auch gewöhnungsbedürftig. Vor allem Heike hatte Probleme, wenn sie beim Frühstück mit schlürfenden und schmatzenden Tischnachbarn konfrontiert wurde. Aber Nudelsuppe lässt sich ohne Löffel nun mal am Besten schlürfend essen.
Fortbewegung in Shanghai: Das Chaos fließt
Eigentlich ist alles chaotisch, aber irgendwie fließt trotzdem alles. Auf den oft 6 oder 8-spurigen Straßen tummelt sich alles, was Räder hat: ständig hupende Autos, Radfahrer mit Anhänger, Mopedfahrer, Fußgänger, Busse und Unmengen von Taxis. Als Fußgänger sollte man nicht erwarten, dass die Autos anhalten, wenn die Ampel rot ist oder dass gar jemand an einem Zebrastreifen hält. Verkehrsregeln gibt es zwar, aber sie werden in aller Regel nicht eingehalten. Alles ist machbar: Taxis halten mitten auf der Straße an, um
Fahrgäste aus- und einsteigen zu lassen, Autos wechseln die Fahrspur in halsbrecherischer Slalomfahrt und ohne zu blinken, Fahrräder und Mopeds fahren nachts grundsätzlich unbeleuchtet - auch entgegen der Fahrtrichtung - und Fußgänger huschen über 6-spurige Straßen. Wenn dann nichts mehr geht, steht mittendrin ein Polizist und regelt die Sache wieder. Zu Stoßzeiten gibt es natürlich Staus, aber ansonsten fließt der Verkehr erstaunlich gut. Es ist unwahrscheinlich laut, weil alle ständig hupen, ob nötig oder nicht. Spektakulär sind die Brücken über den Huangpu-Fluss, der Shanghai in einen Ostteil - Pudong und in einen Westteil - Puxi teilt.
Nützlich sind die Unmengen von Taxis. Man stellt sich einfach an die Straße, winkt und zeigt dem Fahrer einen Zettel mit seinem Wunschziel, unbedingt geschrieben in chinesischen Schriftzeichen. Die Taxifahrer sprechen kein englisch, können keine lateinische Schrift lesen und wollen mit dem Stadtplan von Shanghai nichts zu tun haben. Taxifahren ist sehr billig, für 4,00 Euro fährt man mindestens eine halbe Stunde durch die Stadt.
Wer nicht auf der Straße unterwegs ist, drängt sich in eine der überfüllten aber überwiegend neuen und sehr modernen U-Bahnen. An fast allen Haltestellen sind die Gleise mit einer Schutzwand aus Glas gesichert. Die U-Bahnstationen sind teilweise architektonische Kunstwerke, wie die am Science and Technologie Museum. Manche sind riesig groß mit 15 oder mehr Ausgängen wie die am Peoples Sqaure. Wehe, wenn man den falschen Ausgang erwischt. Dann läuft man nicht einfach mal um den Block, sondern man kann sich auf eine kilometerlange Wanderung einstellen oder steigt am Besten gleich in ein Taxi. In den U-Bahnen werden alle Durchsagen auch auf englisch gemacht, die Stationen sind in chinesischer und lateinischer Schrift angeschrieben. Das macht U-Bahn fahren in Shanghai einfach, zumal jede Bahn ihre eigene Farbe hat, so dass man sogar an den Sitzen erkennen kann, ob man in der richtigen Linie sitzt. Beim Ein- und Aussteigen wird kräftig gerempelt und so vergaßen auch wir ziemlich schnell unsere guten Manieren und taten alles, damit wir zum Aussteigen rechtzeitig an der Tür standen. Eine Herausforderung ist die Fahrt mit einem der völlig überfüllten Busse. Die Leute stehen dicht gedrängt, Jüngere machen Alten bereitwillig Platz. Eine Kontrolleurin begleitet den Bus und sammelt die Fahrscheine ein oder nimmt Bargeld entgegen. Diesen Damen entgeht kein einziger Gast und ich war immer erstaunt, wie genau sie wissen, wer in dem Gedränge neu zugestiegen ist. Busfahren ist für Ausländer praktisch unmöglich, weil es keine Busfahrpläne gibt und weil man im Bus seine Ausstiegsstelle auf chinesisch sagen muss, damit die Kontrolleurin den richtigen Preis berechnen kann. Mit genauen Instruktionen von Verena haben wir aber auch dieses Abenteuer gewagt.
Man muss die Chinesen echt dafür bewundern, wie sie es schaffen, diese Massen von Leuten von A nach B zu bringen. Mit der aufladbaren Transportation Card kann man auf allen Linien der Metro fahren und auch im Bus und Taxi bezahlen. Das lästige Kaufen eines Fahrscheines kann man sich so sparen. Es ist alles im Fluss……
Shanghai Downtown: Staunen, Staunen und nochmals Staunen
Shanghai ist eine Stadt der Superlative, eine Stadt des Gigantismus: die höchste Aussichtsplattform der Welt, die spektakulärsten Wolkenkratzer, die längste Bogenbrücke der Welt, mit 18 Mio. Einwohnern die größte und neben Hongkong auch die fortschrittlichste Stadt Chinas, die Stadt mit der einzigen Magnetschwebebahn weltweit. Wir kamen aus dem Staunen nicht heraus. Die einzelnen Sehenswürdigkeiten beschreibe ich in meinem Reisetagebuch. Aufgefallen ist mir, wie groß die Unterschiede von arm und reich sind und wie nah sie beieinander sind.
Shoppingparadis Shanghai
In Shanghai gibt es unzählige rieisge, sehr moderne und sehr teure Shoppingcenter, in denen alle international bekannten Markenlabes vertreten sind: Gucci, Prada, Dior, Boss, Lancome…Wir fragten uns nur, wer dort einkauft. Wir jedenfalls nicht, denn die Preise sind höher als bei uns. Gibt es tatsächlich so viele reiche Chinesen, die diesen Einkaufstempeln zu Provit verhelfen? Wir jedenfalls bevorzugten die billigere Lösung: Fakemärkte. Hier bekommt man alles von der Kleidung - ebenfalls Markenlabels aber kopiert und für Damen nur bis Größe 38 - Taschen, Koffer, Schuhe, Schmuck, Uhren, Sonnenbrillen, Krawatten, Seidentücher. Und hier wird gehandelt was das Zeug hält. Jeder chin. Händler ist mit einem Taschenrechner ausgestatten, in den er den „best price for my friend from Germany“ tippt und uns unter die Nase hält. Mit der Zeit bekamen wir ein Gefühl dafür, wieviel man für was bezahlt und erkannten, dass sich die Händler über unsere ersten Einkäufe sicher gefreut haben. Auf den Fakemärkten sieht man viele Ausländer, Chinesen selbst gehen gewöhnlich nicht dort hin.
Leider kann man durch die Märkte nicht einfach hindurchschlendern und sich umsehen. Die Händler stürmen sofort auf einen zu und preisen ihre Waren an, sie laufen einem sogar hinterher.
Nachts alleine in Shanghai - kein Problem
Ich habe mich noch in keiner Stadt so sicher gefühlt wie in Shanghai. Nie wurden wir in irgendeiner Weise belästigt. Ich habe keinen einzigen Betrunkenen gesehen. In der U-Bahn - auch zu später Stunde - sitzen alle friedlich und oft schlafend auf ihren Plätzen. Es gibt keine Randalierer, keine Spur von Agressivität, trotz dieser Masse von Leuten. Zu Hause hatte ich oft ein ungutes Gefühl, wenn mir Verena erzählte, dass sie nachts alleine mit der U-Bahn und dem Bus von der Stadtmitte aus in ihren dunklen Vorort gefahren ist. Nun weiss ich, dass ich mir keine Sorgen zu machen brauche. Auch als Frau alleine kann man sich in Shanghai völlig frei und sicher bewegen. Für uns Europäerinnen, die wir von unseren Städten anderes gewohnt sind, ist das sehr, sehr angenehm.
Vereinzelt sieht man Bettler, zum Teil auch Frauen mit kleinen Kindern. Aber es sind wesentlich weniger als man in Berlin, London oder Moskau antrifft.
Was sie zu erzählen hat:
Ende April/Anfang Mai besuchte ich zusammen mit meinem Bruder Bernd und seiner Frau Heike Verena in Shanghai. Wir wohnten in einem Hotel und trafen uns täglich mit Verena. Hin und wieder musste sie zur Schule, an einigen Tagen bekam sie aber auch frei. Bevor ich die einzelnen Stationen unserer 2-wöchigen Reise beschreibe, möchte ich einige der vielen Eindrücke, die wir gewonnen haben, beschreiben. Es fällt mir schwer, mich hier auf das Wichtigste zu beschränken, denn wir haben so viel gesehen, so viel erlebt in dieser für uns völlig anderen Welt.
Verenas Gastfamilie und ihr Zuhause
Ich war sehr gespannt auf Verenas Gasteltern Wei Sun und Xu Qing und ihre Gastschwester Sun Ruo Yu, die wir der Einfachheit halber „Sindy“ nennen durften. Die einzigen Wörter, die im Chinesischen gleich sind wie im Deutschen sind „Mama“ und „Baba“. Und Verena nennt ihre Gasteltern auch so, was in den folgenden Tagen zu amüsanten Verwechslungen führte, denn immer wenn Verena „Mama“ sagte, reagierten prompt zwei Mamas. Verenas Gasteltern waren mir auf Anhieb sympathisch und ich bin sehr dankbar, dass Verena eine solch liebe und nette Familie gefunden hat. Die Eltern behandeln sie wie eine eigene Tochter und es herrscht eine große Vertrautheit zwischen ihnen und Verena. Wir waren mehrmals zu Besuch bei Verenas Gastfamilie und verbrachten dort schöne Stunden. Schade nur, dass wir nicht direkt miteinander sprechen konnten. Es gäbe so viel zu erzählen und zu diskutieren…. So waren Verena und Sindy, die englisch spricht, als Dolmetscherinnen im Dauerstress. Trotz dieser Sprachbarrieren entwickelten sich interessante Gespräche und wir hatten viel Spaß miteinander.
Verenas Gastschwester wird im Juni für ein Jahr nach Dänemark reisen. Die beiden Mädchen verstehen sich gut, gehen in eine Klasse und genießen es als Einzelkinder, für eine begrenzte Zeit eine Schwester zu haben.
Die Familie wohnt ca. 25 km außerhalb vom Stadtzentrum im Stadtteil Zhoupu und ich war überrascht, wie groß der Unterschied zwischen dem topmodernen Stadtkern von Shanghai und diesem traditionellen Stadtteil ist. Das sind zwei komplett getrennte Welten. In Verenas Wohngegend gibt es noch schmale Gässchen, in denen eine ganze Familie in einem einzigen Raum wohnt, wo vor der Haustüre gekocht wird, wo sich das Leben vielfach auf der Straße abspielt, wo es mehr Rikschas gibt als Taxis, wo der Friseur 1,50 Euro kostet, wo man zu zweit für 3 Euro frühstücken kann, wo man als Ausländer angestarrt wird, weil sich hierher normalerweise keiner verirrt.
Verenas Familie wohnt in einem 6-stöckigen Wohnblock in einer schönen und gemütlichen Wohnung. Verena hat unter dem Dach ein eigenes Zimmer.
Das Land des Lächelns
Ausländer sind in Shanghai immer noch etwas Besonders und werden gerne fotographiert. Selbst in der Innenstadt von Shanghai fällt man als solcher auf und wenn man dann noch blonde, lange Locken hat wie Heike, ist die Sensation perfekt. Mehrmals stellten sich Chinesen unauffällig neben uns und ließen sich zusammen mit uns ablichten. Oder sie fragten uns gleich direkt, ob sie ein Foto mit uns machen dürfen - und das trotz ihrer Schüchternheit. Kleine Kinder, über die wir uns wunderten, dass sie überhaupt schon sprechen konnten, machten ihre Eltern auf uns aufmerksam und flüsterten „waigouren = Ausländer". Im Bus, wo man ganz besonders auffällt, sprach uns ein Chinese auf englisch an. Er hatte einige Zeit in Mainz gearbeitet. Als wir auf der Straße über dem ausgebreiteten Stadtplan brüteten fragte uns eine Chinesin „can I help you“ und gab uns wertvolle Tipps. China, das Land des Lächelns - wir können es bestätigen. Überall trafen wir auf sehr freundliche und hilfsbereite Chinesen, die Ausländern gegenüber sehr aufgeschlossen und gastfreundlich sind. Von einer Weltstadt wie Shanghai hätten wir das nicht erwartet. Wir fühlten uns willkommen.
Wann fällt ein Chinese unter Chinesen auf? Wenn er zwei Kinder dabei hat. Solche Familien sind wirklich eine Rarität, das registrierten sogar wir und für Chinesen selbst ist es eine kleine Sensation. Durch die Ein-Kind-Politik, die in Shanghai ganz besonders restriktiv überwacht wird, bleibt so mancher Kinderwunsch unerfüllt. Verenas Gastmama konnte es nicht fassen, dass wir in Deutschland für Kinder Geld bekommen und trotzdem zu wenige davon haben. In China ist es umgekehrt: Man muss eine hohe Straße für ein zweites Kind bezahlen und das können sich nur wenige reiche Chinesen leisten. Unter Umständen verliert man auch seinen Job. Die Chinesen lieben ihre Kinder abgöttisch, vergöttern und verwöhnen sie über die Maße. Oma, Opa, Eltern - alle sparen und sorgen für "die kleinen Kaiser von morgen", wie man sie auch nennt.
Chinesische Küche: Kann man Nudelsuppe mit Stäbchen essen?
Wir hatten in Deutschland ja so einige Schauermärchen über chinesisches Essen gehört und so war unsere Reiseapotheke gefüllt mit Magentropfen und allerhand Chemie gegen „akute Darmprobleme“. Ich will es vorweg nehmen: wir haben keine einzige Tablette benötigt und wir haben das chinesische Essen in all seinen Variationen genossen. Es schmeckt um ein Vielfaches besser als hier in Deutschland. Und wir haben an ganz verschiedenen Stellen gegessen. In großen und kleinen Restaurants, wo wir aber ohne die Hilfe von Verena beim Bestellen hilflos gewesen wären, in den Restaurantabteilungen der großen Kaufhäuser, wo es wahre Essmeilen gibt und wo die Gerichte vor den Augen der Gäste zubereitet werden, an Straßenständen, wo es köstliche Kleinigkeiten wie Frühlingsrollen, gegrillte Garnelenspieße, gefüllte Teigtaschen, mit Gemüse, Fisch oder Fleisch gefüllte Klöße aus Hefe- oder Reisteig gibt. Ganz Shanghai ist eine große Schlemmermeile. In China geht man viel häufiger in ein Restaurant zum Essen als in Deutschland, denn es ist um ein Vielfaches günstiger als bei uns.
Das beste Essen aber kocht Verenas Gastmama! Sie ist eine wahre Meisterköchin und wir nahmen die Essenseinladungen sehr gerne an.
Woran ich mich schwer gewöhnen konnte, war das Frühstück im Hotel. Es kostete mich Überwindung, morgens schon eine warme Mahlzeit zu mir zu nehmen. Nudelsuppe oder Reis um diese Tageszeit sind gewöhnungsbedürftig.
Eine Herausforderung war das Essen mit Stäbchen. Verstohlen amüsiert beobachteten uns die Chinesen bei unseren ersten Essversuchen und auch wir selbst mussten lachen, wenn eine glitschige Teigtasche aus den Stäbchen flutschte und am anderen Tischende landete. Nach 3 Tagen hatten wir die Sache aber im Griff und konnten sogar Nudelsuppe mit Stäbchen essen.
Woran ich mich nicht gewöhnen konnte, war das warme Wasser, das zu jedem Essen als Getränk gereicht wird. Dann lieber grünen Tee, den Verenas Gastpapa uns als Teekenner in allen Variationen servierte oder chinesisches Bier, das besser schmeckte, als erwartet. Vermisst haben wir Kaffee. Diesen bekommt man nur in den teuren Starbucks-Läden, wo eine Tasse Cappuccino mehr kostet als ein chin. Mittagessen, so dass man freiwillig darauf verzichtet.
Die Essmanieren der Chinesen sind manchmal auch gewöhnungsbedürftig. Vor allem Heike hatte Probleme, wenn sie beim Frühstück mit schlürfenden und schmatzenden Tischnachbarn konfrontiert wurde. Aber Nudelsuppe lässt sich ohne Löffel nun mal am Besten schlürfend essen.
Fortbewegung in Shanghai: Das Chaos fließt
Eigentlich ist alles chaotisch, aber irgendwie fließt trotzdem alles. Auf den oft 6 oder 8-spurigen Straßen tummelt sich alles, was Räder hat: ständig hupende Autos, Radfahrer mit Anhänger, Mopedfahrer, Fußgänger, Busse und Unmengen von Taxis. Als Fußgänger sollte man nicht erwarten, dass die Autos anhalten, wenn die Ampel rot ist oder dass gar jemand an einem Zebrastreifen hält. Verkehrsregeln gibt es zwar, aber sie werden in aller Regel nicht eingehalten. Alles ist machbar: Taxis halten mitten auf der Straße an, um
Fahrgäste aus- und einsteigen zu lassen, Autos wechseln die Fahrspur in halsbrecherischer Slalomfahrt und ohne zu blinken, Fahrräder und Mopeds fahren nachts grundsätzlich unbeleuchtet - auch entgegen der Fahrtrichtung - und Fußgänger huschen über 6-spurige Straßen. Wenn dann nichts mehr geht, steht mittendrin ein Polizist und regelt die Sache wieder. Zu Stoßzeiten gibt es natürlich Staus, aber ansonsten fließt der Verkehr erstaunlich gut. Es ist unwahrscheinlich laut, weil alle ständig hupen, ob nötig oder nicht. Spektakulär sind die Brücken über den Huangpu-Fluss, der Shanghai in einen Ostteil - Pudong und in einen Westteil - Puxi teilt.
Nützlich sind die Unmengen von Taxis. Man stellt sich einfach an die Straße, winkt und zeigt dem Fahrer einen Zettel mit seinem Wunschziel, unbedingt geschrieben in chinesischen Schriftzeichen. Die Taxifahrer sprechen kein englisch, können keine lateinische Schrift lesen und wollen mit dem Stadtplan von Shanghai nichts zu tun haben. Taxifahren ist sehr billig, für 4,00 Euro fährt man mindestens eine halbe Stunde durch die Stadt.
Wer nicht auf der Straße unterwegs ist, drängt sich in eine der überfüllten aber überwiegend neuen und sehr modernen U-Bahnen. An fast allen Haltestellen sind die Gleise mit einer Schutzwand aus Glas gesichert. Die U-Bahnstationen sind teilweise architektonische Kunstwerke, wie die am Science and Technologie Museum. Manche sind riesig groß mit 15 oder mehr Ausgängen wie die am Peoples Sqaure. Wehe, wenn man den falschen Ausgang erwischt. Dann läuft man nicht einfach mal um den Block, sondern man kann sich auf eine kilometerlange Wanderung einstellen oder steigt am Besten gleich in ein Taxi. In den U-Bahnen werden alle Durchsagen auch auf englisch gemacht, die Stationen sind in chinesischer und lateinischer Schrift angeschrieben. Das macht U-Bahn fahren in Shanghai einfach, zumal jede Bahn ihre eigene Farbe hat, so dass man sogar an den Sitzen erkennen kann, ob man in der richtigen Linie sitzt. Beim Ein- und Aussteigen wird kräftig gerempelt und so vergaßen auch wir ziemlich schnell unsere guten Manieren und taten alles, damit wir zum Aussteigen rechtzeitig an der Tür standen. Eine Herausforderung ist die Fahrt mit einem der völlig überfüllten Busse. Die Leute stehen dicht gedrängt, Jüngere machen Alten bereitwillig Platz. Eine Kontrolleurin begleitet den Bus und sammelt die Fahrscheine ein oder nimmt Bargeld entgegen. Diesen Damen entgeht kein einziger Gast und ich war immer erstaunt, wie genau sie wissen, wer in dem Gedränge neu zugestiegen ist. Busfahren ist für Ausländer praktisch unmöglich, weil es keine Busfahrpläne gibt und weil man im Bus seine Ausstiegsstelle auf chinesisch sagen muss, damit die Kontrolleurin den richtigen Preis berechnen kann. Mit genauen Instruktionen von Verena haben wir aber auch dieses Abenteuer gewagt.
Man muss die Chinesen echt dafür bewundern, wie sie es schaffen, diese Massen von Leuten von A nach B zu bringen. Mit der aufladbaren Transportation Card kann man auf allen Linien der Metro fahren und auch im Bus und Taxi bezahlen. Das lästige Kaufen eines Fahrscheines kann man sich so sparen. Es ist alles im Fluss……
Shanghai Downtown: Staunen, Staunen und nochmals Staunen
Shanghai ist eine Stadt der Superlative, eine Stadt des Gigantismus: die höchste Aussichtsplattform der Welt, die spektakulärsten Wolkenkratzer, die längste Bogenbrücke der Welt, mit 18 Mio. Einwohnern die größte und neben Hongkong auch die fortschrittlichste Stadt Chinas, die Stadt mit der einzigen Magnetschwebebahn weltweit. Wir kamen aus dem Staunen nicht heraus. Die einzelnen Sehenswürdigkeiten beschreibe ich in meinem Reisetagebuch. Aufgefallen ist mir, wie groß die Unterschiede von arm und reich sind und wie nah sie beieinander sind.
Shoppingparadis Shanghai
In Shanghai gibt es unzählige rieisge, sehr moderne und sehr teure Shoppingcenter, in denen alle international bekannten Markenlabes vertreten sind: Gucci, Prada, Dior, Boss, Lancome…Wir fragten uns nur, wer dort einkauft. Wir jedenfalls nicht, denn die Preise sind höher als bei uns. Gibt es tatsächlich so viele reiche Chinesen, die diesen Einkaufstempeln zu Provit verhelfen? Wir jedenfalls bevorzugten die billigere Lösung: Fakemärkte. Hier bekommt man alles von der Kleidung - ebenfalls Markenlabels aber kopiert und für Damen nur bis Größe 38 - Taschen, Koffer, Schuhe, Schmuck, Uhren, Sonnenbrillen, Krawatten, Seidentücher. Und hier wird gehandelt was das Zeug hält. Jeder chin. Händler ist mit einem Taschenrechner ausgestatten, in den er den „best price for my friend from Germany“ tippt und uns unter die Nase hält. Mit der Zeit bekamen wir ein Gefühl dafür, wieviel man für was bezahlt und erkannten, dass sich die Händler über unsere ersten Einkäufe sicher gefreut haben. Auf den Fakemärkten sieht man viele Ausländer, Chinesen selbst gehen gewöhnlich nicht dort hin.
Leider kann man durch die Märkte nicht einfach hindurchschlendern und sich umsehen. Die Händler stürmen sofort auf einen zu und preisen ihre Waren an, sie laufen einem sogar hinterher.
Nachts alleine in Shanghai - kein Problem
Ich habe mich noch in keiner Stadt so sicher gefühlt wie in Shanghai. Nie wurden wir in irgendeiner Weise belästigt. Ich habe keinen einzigen Betrunkenen gesehen. In der U-Bahn - auch zu später Stunde - sitzen alle friedlich und oft schlafend auf ihren Plätzen. Es gibt keine Randalierer, keine Spur von Agressivität, trotz dieser Masse von Leuten. Zu Hause hatte ich oft ein ungutes Gefühl, wenn mir Verena erzählte, dass sie nachts alleine mit der U-Bahn und dem Bus von der Stadtmitte aus in ihren dunklen Vorort gefahren ist. Nun weiss ich, dass ich mir keine Sorgen zu machen brauche. Auch als Frau alleine kann man sich in Shanghai völlig frei und sicher bewegen. Für uns Europäerinnen, die wir von unseren Städten anderes gewohnt sind, ist das sehr, sehr angenehm.
Vereinzelt sieht man Bettler, zum Teil auch Frauen mit kleinen Kindern. Aber es sind wesentlich weniger als man in Berlin, London oder Moskau antrifft.
Mittwoch, 22. April 2009
Ausflug nach Berlin (Abschluss)
Zunächst möchte ich gerne noch etwas erzählen, das mit Musik zusammenhängt. Während ich ohne groß Nachzudenken in meinem Reiseführer blätterte, entdeckte ich plötzlich dieses gelbe Gebäude, dessen Name viele Menschen mit Sehnsucht erfüllt: Die Berliner Philharmonie! Wir gingen mit einem Reiseführer der Philharmonie hinein. Da gerade ein kleines öffentliches Konzert stattfand, machten wir einen Umweg und gingen hinter der Bühne zunächst in den Kammermusiksaal. Obwohl er sehr klein zu sein scheint, passen dort ohne Probleme mehr als 1000 Besucher hinein. Der Raum war in gedimmtes Licht getaucht, man konnte jedoch sehen, dass die Sitzreihen wie unregelmäßig ansteigende Reisterassen rings um die Bühne, die sich am tiefsten Punkt in der Mitte befindet, angeordnet sind. Der Reiseführer schilderte uns auf Englisch und Deutsch die Geschichte des Gebäudes und seines Designers. Ich war neugierig, warum die Sitzplätze so unregelmäßig ansteigend angeordnet waren, aber dies wurde erst im großen Konzertsaal erklärt.
Danach gingen wir in den Hauptkonzertsaal. Von außen war die Form des Saals nicht zu erkennen, aber als wir hinein gingen, sah ich zu meinem Erstaunen wie groß der Saal war. Er war ähnlich gebaut wie der kleine, nämlich mit der Bühne für das Orchester in der Mitte. Wir setzten uns und horchten wie der Reiseführer uns all die großartigen Dinge, die es dort gab, erklärte. Zunächst ging es um die Zuschauerplätze. Sie sind wegen der Klangausbreitung so unregelmäßig ansteigend angelegt, damit die Akustik im Saal genau gleich bleibt, egal ob der Raum voller Zuschauer oder vollkommen leer ist. Die Polster waren aus einem kleidungsähnlichen Stoff gemacht, und außerdem gibt es über einigen Sitzplätzen Bretter, die ebenfalls nicht immer gleich hoch hingen. Die Decke des Saals ist aus einem Material gemacht, welches die Akustik noch verstärkt. Dann gingen wir an eine andere Stelle nahe der Bühne, von aus man jeden einzelnen Musiker genau sehen kann. Im oberen Teil des Saals gibt es ein paar Aufnahmeräume und Studios. Unter dem Platz für das Klavier befindet sich ein Aufzug und im Raum darunter insgesamt 12 Klaviere. Über der Bühne hängen Mikrofone in verschiedenen Abständen zur Bühne, je nachdem auf welches Instrument sie ausgerichtet sind. So soll der bestmögliche Klang erzielt werden. Während unserer Besichtigung probten gerade ein paar Musiker auf der Bühne, weswegen ich den Reiseführer manchmal schlecht verstehen konnte. Das war in dem Moment ziemlich ärgerlich. Von oben konnte man ganz genau den Konzertsaal und sein detailliertes Design sehen, ein Anblick, von dem ich mich kaum losreißen mochte.
Jetzt habe ich so lange über das Philharmonikergebäude geschrieben, nun sollte ich ein anderes Thema ansprechen. Das beste Essen, das ich in Berlin gegessen habe, gab es in einem chinesischen Restaurant, welches nicht weit weg von dem Ort war, wo wir wohnten. Nachdem ich chinesisches Essen schon so lange vermisst hatte, aß ich endlich richtig authentischen Feuertopf!!! Als ich das Restaurant betrat, sagte ich gleich im ersten Moment, dass es bestimmt nicht schlecht sein konnte, ich musste nur den Geruch riechen, schon wusste ich Bescheid... Beim Feuertopf konnte man sich selbst bedienen, und ich sah zahllose Dinge, die mir bekannt waren, außerdem gab es auch wunderbar schmeckende Jiaozi und Sesambällchen, ich war total aufgedreht! Ich konnte gar nicht mehr aufhören, den anderen begeistert zu erklären, was dieses oder jenes war.
Berlin ist keine Stadt, in der man viel Geld ausgeben muss. Wir aßen dort oft Currywurst und fanden sogar das älteste Restaurant der Stadt. Überall gibt es Schnellrestaurants, wo man Pizza oder Döner essen kann. Natürlich gibt es auch die in China ganz unbekannten „chinesischen Nudeln“ (hier gibt es sowieso ganz viele komische Dinge, die als „chinesisch“ bezeichnet werden, wie z.B. die mir zuvor gänzlich unbekannten „Glückskekse“…). Was mir besonders gefallen hat, waren die kleinen Cafés, die es in Hülle und Fülle gibt. Egal in welchem Café, überall saßen Leute, die sich locker unterhielten und abends draußen ein Bier tranken. Ich weiß nicht, ob sie alle wirklich so locker sind, aber ein solches Leben macht einen selber ein bisschen sehnsüchtig.
Wir haben auch einen Flohmarkt besucht. Ich habe noch nie darauf geachtet, wie einfach es ist aus etwas Altem etwas Neues zu machen, aber ich empfand den Flohmarkt als eine sehr gute Idee. Außerdem besuchten wir noch eine Gemäldeausstellung von Dali, die ich beim Besten Willen nicht verstand. Einen sehr großen Eindruck jedoch hinterließ bei mir ein Flügel, der in der Halle im Wasser stand. Natürlich schlenderten wir auch ein wenig in den französischen Galerie Lafayettes herum, die sehr schön und sehr eigen sind, aber auch die Preise waren nicht von schlechten Eltern, aber das gehört auch dazu, den Dingen, die Berlin zu einer hippen Metropole machen.
In Berlin habe ich noch etwas sehr Interessantes entdeckt: Es gibt Leute, die sich ein bisschen Geld damit verdienen, die Autofenster anderer zu putzen, während diese bei rot an einer Ampel stehen. Und Leute, die mitten auf der Straße herumstehen und die kurze Zeit nutzen, um akrobatische Kunststücke vorzuführen. Wirklich sehr interessant. In Berlin gibt es an jeder Straßenecke Künstler und an jedem Platz hört man Musik aller Art, altertümliche Musik oder eine elektrische Gitarre, oder man sieht einen Sänger, der sich als Clown verkleidet hat. Sehr oft begegnet man auf der Straße Gruppen von Leuten, die Streetdance machen oder Skateboard fahren. Außerdem machten wir noch eine Tour per Boot durch das alte und neue Berlin, auf der ganzen Strecke konnte man sehr viele verschiedene Gebäude sehen, und am Flussufer die Leute, die sich unbeschwert auf den Wiesen sonnten.
So ist eine Woche Urlaub zu Ende gegangen, und obwohl ich sehr viel Zeit damit verbracht habe, auf dem Stadtplan Straßen zu suchen, bin ich sehr zufrieden. Diese vielseitige Stadt verbreitet bei Sonnenschein ihren ganz eigenen Charme.
Danach gingen wir in den Hauptkonzertsaal. Von außen war die Form des Saals nicht zu erkennen, aber als wir hinein gingen, sah ich zu meinem Erstaunen wie groß der Saal war. Er war ähnlich gebaut wie der kleine, nämlich mit der Bühne für das Orchester in der Mitte. Wir setzten uns und horchten wie der Reiseführer uns all die großartigen Dinge, die es dort gab, erklärte. Zunächst ging es um die Zuschauerplätze. Sie sind wegen der Klangausbreitung so unregelmäßig ansteigend angelegt, damit die Akustik im Saal genau gleich bleibt, egal ob der Raum voller Zuschauer oder vollkommen leer ist. Die Polster waren aus einem kleidungsähnlichen Stoff gemacht, und außerdem gibt es über einigen Sitzplätzen Bretter, die ebenfalls nicht immer gleich hoch hingen. Die Decke des Saals ist aus einem Material gemacht, welches die Akustik noch verstärkt. Dann gingen wir an eine andere Stelle nahe der Bühne, von aus man jeden einzelnen Musiker genau sehen kann. Im oberen Teil des Saals gibt es ein paar Aufnahmeräume und Studios. Unter dem Platz für das Klavier befindet sich ein Aufzug und im Raum darunter insgesamt 12 Klaviere. Über der Bühne hängen Mikrofone in verschiedenen Abständen zur Bühne, je nachdem auf welches Instrument sie ausgerichtet sind. So soll der bestmögliche Klang erzielt werden. Während unserer Besichtigung probten gerade ein paar Musiker auf der Bühne, weswegen ich den Reiseführer manchmal schlecht verstehen konnte. Das war in dem Moment ziemlich ärgerlich. Von oben konnte man ganz genau den Konzertsaal und sein detailliertes Design sehen, ein Anblick, von dem ich mich kaum losreißen mochte.
Jetzt habe ich so lange über das Philharmonikergebäude geschrieben, nun sollte ich ein anderes Thema ansprechen. Das beste Essen, das ich in Berlin gegessen habe, gab es in einem chinesischen Restaurant, welches nicht weit weg von dem Ort war, wo wir wohnten. Nachdem ich chinesisches Essen schon so lange vermisst hatte, aß ich endlich richtig authentischen Feuertopf!!! Als ich das Restaurant betrat, sagte ich gleich im ersten Moment, dass es bestimmt nicht schlecht sein konnte, ich musste nur den Geruch riechen, schon wusste ich Bescheid... Beim Feuertopf konnte man sich selbst bedienen, und ich sah zahllose Dinge, die mir bekannt waren, außerdem gab es auch wunderbar schmeckende Jiaozi und Sesambällchen, ich war total aufgedreht! Ich konnte gar nicht mehr aufhören, den anderen begeistert zu erklären, was dieses oder jenes war.
Berlin ist keine Stadt, in der man viel Geld ausgeben muss. Wir aßen dort oft Currywurst und fanden sogar das älteste Restaurant der Stadt. Überall gibt es Schnellrestaurants, wo man Pizza oder Döner essen kann. Natürlich gibt es auch die in China ganz unbekannten „chinesischen Nudeln“ (hier gibt es sowieso ganz viele komische Dinge, die als „chinesisch“ bezeichnet werden, wie z.B. die mir zuvor gänzlich unbekannten „Glückskekse“…). Was mir besonders gefallen hat, waren die kleinen Cafés, die es in Hülle und Fülle gibt. Egal in welchem Café, überall saßen Leute, die sich locker unterhielten und abends draußen ein Bier tranken. Ich weiß nicht, ob sie alle wirklich so locker sind, aber ein solches Leben macht einen selber ein bisschen sehnsüchtig.
Wir haben auch einen Flohmarkt besucht. Ich habe noch nie darauf geachtet, wie einfach es ist aus etwas Altem etwas Neues zu machen, aber ich empfand den Flohmarkt als eine sehr gute Idee. Außerdem besuchten wir noch eine Gemäldeausstellung von Dali, die ich beim Besten Willen nicht verstand. Einen sehr großen Eindruck jedoch hinterließ bei mir ein Flügel, der in der Halle im Wasser stand. Natürlich schlenderten wir auch ein wenig in den französischen Galerie Lafayettes herum, die sehr schön und sehr eigen sind, aber auch die Preise waren nicht von schlechten Eltern, aber das gehört auch dazu, den Dingen, die Berlin zu einer hippen Metropole machen.
In Berlin habe ich noch etwas sehr Interessantes entdeckt: Es gibt Leute, die sich ein bisschen Geld damit verdienen, die Autofenster anderer zu putzen, während diese bei rot an einer Ampel stehen. Und Leute, die mitten auf der Straße herumstehen und die kurze Zeit nutzen, um akrobatische Kunststücke vorzuführen. Wirklich sehr interessant. In Berlin gibt es an jeder Straßenecke Künstler und an jedem Platz hört man Musik aller Art, altertümliche Musik oder eine elektrische Gitarre, oder man sieht einen Sänger, der sich als Clown verkleidet hat. Sehr oft begegnet man auf der Straße Gruppen von Leuten, die Streetdance machen oder Skateboard fahren. Außerdem machten wir noch eine Tour per Boot durch das alte und neue Berlin, auf der ganzen Strecke konnte man sehr viele verschiedene Gebäude sehen, und am Flussufer die Leute, die sich unbeschwert auf den Wiesen sonnten.
So ist eine Woche Urlaub zu Ende gegangen, und obwohl ich sehr viel Zeit damit verbracht habe, auf dem Stadtplan Straßen zu suchen, bin ich sehr zufrieden. Diese vielseitige Stadt verbreitet bei Sonnenschein ihren ganz eigenen Charme.
Dienstag, 21. April 2009
Ein Stueck altes Shanghai
Auf Umwegen zum Ziel
Der Tag begann im absoluten Chaos! Ich hatte mich meines Wissens nach um 12.30 Uhr mit meiner Freundin an der U-Bahn Station verabredet, doch um 12.10 Uhr rief sie an, wo ich denn sei. Ich war noch zu Hause und wollte gerade zur Haustuere hinaus. Es hatte ein Missverstaendnis gegeben und sie dachte wir treffen uns um 12 Uhr. Um sie nicht zu lange warten zu lassen, wollte ich ein Taxi zur U-Bahnstation nehmen, weil das normalerweise schneller geht als mit dem Bus. Ich hatte allerdings wenig Glueck, denn ich konnte eine Viertelstunde lang kein Taxi finden, das in den naechsten Stadtteil zur U-Bahn fahren wollte. Das war mir vorher noch nie passiert! Als ich schliesslich eines hatte, war Stau auf der Strasse und als ich aussteigen wollte hatten der Taxifahrer und ich beide kein Kleingeld sondern nur 100 Yuan. Deshalb musste er eine Flasche Wasser kaufen, um das Geld zu wechseln. Viel zu spaet kam ich an der U-Bahn an, denn ich hatte fuer eine Strecke von normalerweise 20 Minuten heute knappe 50 Minuten gebraucht. Das naechste Mal nehme ich gleich den Bus!
Prompt stiegen wir dann auch in die falsche U-Bahn und waren ganz verwundert angesichts der leeren U-Bahnstation, an der wir ausgestiegen waren. Auf dem Plan der U-Bahnstation war der Suzhoufluss eingezeichnet, der im Norden des Stadtzenturm liegt - wir wollten aber eigentlich in den Sueden. Das ist mir erst einmal vorher passiert. Wir hatten zu viel getratscht und nicht auf den Weg geachtet. Als wir schliesslich an der richtigen Station waren, war es draussen bereits sehr warm geworden und wir konnten im T-Shirt Shanghai im Sonnenschein geniessen.
Fruehjahrsputz
Den ganzen Mittag verbrachten wir eigentlich nur mit reden und essen. Das Besondere an diesem Tag war aber, dass ich viele neue Dinge entdeckte, die mir vorher noch nie aufgefallen waren. Rund um den People's Square (Shanghais Stadtzentrum), waren saemtliche Blumen erblüht, viele Leute liessen Drachen steigen und die riesigen Glasfassaden eines Kaufhauses an der Huaihailu (Shanghais teuerste Einkaufsstrasse) bekam ihren Fruehjahrsputz. Dazu hingen die Fensterputzer an Seilen und in Gurten, die eigentlich fuer Bergsteiger gedacht sind, in schweindelerregener Höhe an der Fassade. Ich hatte so etwas vorher nur im Fernsehen gesehen.
Partnersuche einmal etwas anders
Als wir in den Park am People's Square gingen, trafen wir, versteckt unter den Baeumen, auf eine riesige Ansammlung von Menschen. Wir wussten erst beide nicht, was der Auflauf zu bedeuten hatte, doch nach einem kurzen Blick auf die meist weissen Zettel, die ueberall in den Baeumen und Bueschen hingen, grinste meine Freundin. Wir waren mitten in einem oeffentlichen Verkupplungsmarkt gelandet. Dort konnten Eltern, die besorgt um die Parntersuche ihrer Kinder waren, einen Steckbrief ihrer Kinder aushaengen und darauf hoffen, dass einer der vielen Besucher sich die angegebene Handynummer aufschrieb und unter den Anrufern der oder die Passende dabei war. Auf den Steckbriefen waren meistens juengere Leute um die dreissig beschrieben, waehrend die Besucher ueberwiegend aelter waren. Wir schauten uns das Ganze staunend und etwas unglaeubig an.
Ein Stueck altes Shanghai
Als wir gerade auf dem Weg zum Abendessen waren und sich die Sonnenstrahlen langsam von gold in orange faerbten, hoerten wir vor einem grossen Kaufhaus am Uebergang der westlichen Nanjing Strasse zur oestlichen Nanjing Fussgaengerzone Jazzmusik. Auf einem kleinen Platz tanzten viele Paare zur Musik. Es waren ueberwiegend Erwachsene jenseits der 40, die tanzten, waehrend zumeist Juengere stehen blieben und der Szene zuschauten. Die Musik und die tanzenden Menschen in der untergehenden Abendsonne, die die letzen warmen Strahlen durch die Strassen zwischen den Hochhaeusern schickte, gaben ein wunderschoenes Bild ab und wir fuehlten uns in das Shanghai der alten Tage, vor dem Beginn der Modernisierung vielleicht sogar noch vor der Zeit der Gruendung der Volksrepublik 1949, zurueck versetzt! Es war ein sehr eindrucksvoller Moment, denn solche Dinge erlebt man im modernen Stadtzentrum von Shanghai eher selten.
Die Zeit, wenn in Shanghai die Sonne untergegangen ist und die Stadt in ihrem glitzernden Lichtermeer erstrahlt, ist immer ein schöner Tagesabschluss und ich bin jedes Mal von Neuem fasziniert über diesen wunderschönen Anblick.
Jetzt werdet ihr eine kleine Weile nichts mehr von mir hoeren, denn meine Mama aus Deutschland, mein Onkel und meine Tante kommen mich besuchen und ich werde zwei Wochen damit beschaeftigt sein, ihnen Shanghai und mein hiesiges Umfeld zu zeigen!
Der Tag begann im absoluten Chaos! Ich hatte mich meines Wissens nach um 12.30 Uhr mit meiner Freundin an der U-Bahn Station verabredet, doch um 12.10 Uhr rief sie an, wo ich denn sei. Ich war noch zu Hause und wollte gerade zur Haustuere hinaus. Es hatte ein Missverstaendnis gegeben und sie dachte wir treffen uns um 12 Uhr. Um sie nicht zu lange warten zu lassen, wollte ich ein Taxi zur U-Bahnstation nehmen, weil das normalerweise schneller geht als mit dem Bus. Ich hatte allerdings wenig Glueck, denn ich konnte eine Viertelstunde lang kein Taxi finden, das in den naechsten Stadtteil zur U-Bahn fahren wollte. Das war mir vorher noch nie passiert! Als ich schliesslich eines hatte, war Stau auf der Strasse und als ich aussteigen wollte hatten der Taxifahrer und ich beide kein Kleingeld sondern nur 100 Yuan. Deshalb musste er eine Flasche Wasser kaufen, um das Geld zu wechseln. Viel zu spaet kam ich an der U-Bahn an, denn ich hatte fuer eine Strecke von normalerweise 20 Minuten heute knappe 50 Minuten gebraucht. Das naechste Mal nehme ich gleich den Bus!
Prompt stiegen wir dann auch in die falsche U-Bahn und waren ganz verwundert angesichts der leeren U-Bahnstation, an der wir ausgestiegen waren. Auf dem Plan der U-Bahnstation war der Suzhoufluss eingezeichnet, der im Norden des Stadtzenturm liegt - wir wollten aber eigentlich in den Sueden. Das ist mir erst einmal vorher passiert. Wir hatten zu viel getratscht und nicht auf den Weg geachtet. Als wir schliesslich an der richtigen Station waren, war es draussen bereits sehr warm geworden und wir konnten im T-Shirt Shanghai im Sonnenschein geniessen.
Fruehjahrsputz
Den ganzen Mittag verbrachten wir eigentlich nur mit reden und essen. Das Besondere an diesem Tag war aber, dass ich viele neue Dinge entdeckte, die mir vorher noch nie aufgefallen waren. Rund um den People's Square (Shanghais Stadtzentrum), waren saemtliche Blumen erblüht, viele Leute liessen Drachen steigen und die riesigen Glasfassaden eines Kaufhauses an der Huaihailu (Shanghais teuerste Einkaufsstrasse) bekam ihren Fruehjahrsputz. Dazu hingen die Fensterputzer an Seilen und in Gurten, die eigentlich fuer Bergsteiger gedacht sind, in schweindelerregener Höhe an der Fassade. Ich hatte so etwas vorher nur im Fernsehen gesehen.
Partnersuche einmal etwas anders
Als wir in den Park am People's Square gingen, trafen wir, versteckt unter den Baeumen, auf eine riesige Ansammlung von Menschen. Wir wussten erst beide nicht, was der Auflauf zu bedeuten hatte, doch nach einem kurzen Blick auf die meist weissen Zettel, die ueberall in den Baeumen und Bueschen hingen, grinste meine Freundin. Wir waren mitten in einem oeffentlichen Verkupplungsmarkt gelandet. Dort konnten Eltern, die besorgt um die Parntersuche ihrer Kinder waren, einen Steckbrief ihrer Kinder aushaengen und darauf hoffen, dass einer der vielen Besucher sich die angegebene Handynummer aufschrieb und unter den Anrufern der oder die Passende dabei war. Auf den Steckbriefen waren meistens juengere Leute um die dreissig beschrieben, waehrend die Besucher ueberwiegend aelter waren. Wir schauten uns das Ganze staunend und etwas unglaeubig an.
Ein Stueck altes Shanghai
Als wir gerade auf dem Weg zum Abendessen waren und sich die Sonnenstrahlen langsam von gold in orange faerbten, hoerten wir vor einem grossen Kaufhaus am Uebergang der westlichen Nanjing Strasse zur oestlichen Nanjing Fussgaengerzone Jazzmusik. Auf einem kleinen Platz tanzten viele Paare zur Musik. Es waren ueberwiegend Erwachsene jenseits der 40, die tanzten, waehrend zumeist Juengere stehen blieben und der Szene zuschauten. Die Musik und die tanzenden Menschen in der untergehenden Abendsonne, die die letzen warmen Strahlen durch die Strassen zwischen den Hochhaeusern schickte, gaben ein wunderschoenes Bild ab und wir fuehlten uns in das Shanghai der alten Tage, vor dem Beginn der Modernisierung vielleicht sogar noch vor der Zeit der Gruendung der Volksrepublik 1949, zurueck versetzt! Es war ein sehr eindrucksvoller Moment, denn solche Dinge erlebt man im modernen Stadtzentrum von Shanghai eher selten.
Die Zeit, wenn in Shanghai die Sonne untergegangen ist und die Stadt in ihrem glitzernden Lichtermeer erstrahlt, ist immer ein schöner Tagesabschluss und ich bin jedes Mal von Neuem fasziniert über diesen wunderschönen Anblick.
Jetzt werdet ihr eine kleine Weile nichts mehr von mir hoeren, denn meine Mama aus Deutschland, mein Onkel und meine Tante kommen mich besuchen und ich werde zwei Wochen damit beschaeftigt sein, ihnen Shanghai und mein hiesiges Umfeld zu zeigen!
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